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Ein Wahnsinns-Panorama, das auf einer Tafel auch erklärt wird: Auf dem Wetzsteinrücken schaut man mitten hinein in die Ammergauer Alpen.

Hochgenuss an der Ammer

Wanderung über den Wetzsteinrücken

Weht der milde Föhn, wie so oft in diesem Winter, bietet der aussichtsreiche Wetzsteinrücken über Saulgrub nicht allein vorfrühlingshafte Eindrücke.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Stippvisite in der Ammerschlucht mit der Scheibum. Doch erste Station auf dem Höhenrücken ist die Fatimakapelle. Ganz frei steht sie in den Wiesen. Josef Leismiller aus Saulgrub gelobte den Bau während seiner fünfjährigen Kriegsgefangenschaft in Minsk. Nach seiner Rückkehr besuchte er 1953 den portugiesischen Wallfahrtsort Fatima und erbaute im Jahr darauf das kleine Gotteshaus. Die Aussicht, die man schon von der Kapelle aus genießt, bleibt anschließend auf dem gesamten Wetzsteinrücken erhalten. Der Name hat mit dem Abbau und der Herstellung von Wetzsteinen, wie sie im benachbarten Unterammergau praktiziert wurde, nur indirekt zu tun.

Der Volksmund soll den Saulgruber Höhenzug so genannt haben, weil er geformt ist wie die Wetzsteine, die einst zum Schärfen von Sensen und Sicheln dienten. Gut 900 Meter Höhe erreicht der Wetzsteinrücken und lässt die Sicht damit weit über das Ammertal und sein Gebirge schweifen: Links das Hörnle, in der Mitte Kofel, Sonnenberg- und Pürschlinggrat (mit einem Zipfel Zugspitze dahinter), der kecke Turm des Teufelstättkopfes und das wie ein Laib Brot abgeschnittene Laubeneck. Weiter rechts im Hintergrund steht die stolze felsige Klammspitze, ganz links die bayerischen Voralpen mit Heimgarten und Jochberg. Nach einer Panoramatafel senkt sich der Rücken im Westen langsam ab. Noch bevor die rund 150 Meter tiefere Schlucht der Ammer erreicht wird, wartet als Station der Weiler Acheleschwaig.

Industriedenkmal neben der Schlucht

Der stattliche Gutshof mit dem Gasthaus geht auf das 17. Jh. zurück. Die schmucke Kapelle rechts errichtete der Hausherr erst im letzten Jahr. Dann senkt sich die Straße steil ab, unten rauscht der Fluss. Dort wo sich hinter der Brücke eine Baustelle präsentiert, steht das Technikdenkmal „Kammerl“.

Von 1897 bis 1900 wurde das Wasserkraftwerk gebaut, um ab 1905 die Ammergaubahn von Murnau nach Oberammergau mit Strom zu versorgen. Bis 2013 galt das Kammerl als das älteste noch aktive Bahnkraftwerk seiner Art. Nun verrät eine Bautafel, dass bis zum Sommer ein neues leistungsstärkeres Wasserkraftwerk neben dem Industriedenkmal entsteht...

Ein abenteuerlicher, aber kurzer Waldweg führt anschließend an den abschüssigen Hängen entlang zu einer kleinen Aussichtskanzel. Von hier fällt der Blick auf die Scheibum: Eine Felsenschlucht mit glatten Wänden und einer gerade einmal zwei Meter breiten Engstelle, durch die das Wasser der Ammer tost. Entstanden ist die Scheibum vor über 100.000 Jahren. Als die Eiszeitgletscher den Höhenrücken aufgeschoben hatten, musste sich die Ammer einen Weg durch den Riegel bahnen. An der Scheibum schaffte sie schließlich den Durchbruch. Ob der Name von den scheibenförmigen Felsen, einer Sage oder von der Entstehungsgeschichte herrührt, weiß man nicht sicher. Eine Tafel des Ammergauer Meditationswegs, der hier entlang führt, vermutet Letzteres. Beim Weg zurück fällt links der Brücke an einer Bank ein Marterl auf. Es erinnert an das gefährliche Leben der Holztrifter, die einst die Kraft der Ammer nutzten, um Baumstämme zu transportieren. Da konnte es besonders an der Scheibum lebensgefährlich werden, wie die Tafel verrät. Heute wird die Scheibum eine Herausforderung für Kajakfahrer, die allerdings nur im Sommer erlaubt ist. Umso mehr lässt sich jetzt, im frühlingshaften Winter, die Stille und der freie Blick auf das Naturwunder genießen.

Von Christian Rauch

SAULGRUB / AMMERSCHLUCHT

ANFAHRT – A 95 München – Garmisch-Partenkirchen, Ausfahrt Murnau/Kochel. Über Murnau und Bad Kohlgrub bis Saulgrub. Alternativ: Aus Richtung Landsberg über Schongau nach Saulgrub. Im Ort erst Richtung Oberammergau, dann rechts Richtung Acheleschwaig/Naturfreundehaus. Links der Straße, Richtung Naturfreundehaus, ist der Wanderparkplatz.

TOUR – Einfache Teer- und Forstwege. Letztes Stück zur Scheibum schmaler Weg, etwas abschüssig und bei Schnee/Eis oder Nässe rutschig. Gehzeit: 2 bis 2,5 Std. Höhenunterschied: ca. 170 Meter. Verlauf: Vom Parkplatz zur Zufahrtsstraße und rechts Richtung Ort zurück. Links in den Kienzerleweg und bergauf. Oben in der Dorfstraße rechts zur Kirche und vor ihr links bergauf (Höhenweg). Bald links ab und dem Wegweiser „Fatimakapelle“ folgen. Zuletzt rechts auf Feldweg zur Kapelle. Über den Feldweg zur Teerstraße zurück und links Richtung Saulgrub zurück. Bald rechts abzweigen (Römerweg) und an Meditationswegtafel vorbei abwärts. Unten an der Kreuzung rechts und auf der Dorfstraße und dem anschließenden Wetzsteinweg aus dem Ort hinaus. Vorbei an der Panoramatafel und auf dem Teer-, bald Forstweg schließlich immer abwärts zur Teerstraße. Auf ihr rechts zum Wirtshaus Acheleschwaig. Auf der Straße weiter abwärts zum Kammerl. Vor der Brücke rechts zur Scheibum. Zurück zur Teerstraße und links hinauf und zurück nach Acheleschwaig. Nach dem Gasthaus auf dem Teersträßchen bleiben und zurück zum Parkplatz.

EINKEHR – 1. Wirtshaus Acheleschwaig, ab 1. März wieder regulär geöffnet. Bis dahin: So 10-13 Uhr und Montag ab 11 Uhr Getränke. Telefon: 0 88 45 / 75 73 83. 2. Naturfreundehaus am Ausgangspunkt hinterm Parkplatz. Tel.: 0 88 45 / 17 15. 3. Gasthof zur Post in Saulgrub. Tel.: 0 88 45 / 75 79 41.

KARTE – Kompass-Karte 7, Murnau, Kochel.

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