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Schöner Rückblick: Auf der Allee, die nach Wallenburg führt, sollte sich der Wanderer häufiger umdrehen, um das Panorama zum Mangfallgebirge zu genießen.

Für Welten-Bummler

Geschichtenreicher Spaziergang bei Miesbach

Die Landschaft rund um Miesbach ist sehr vielfältig. Wie geschaffen für Ausflüge präsentieren sich grüne Hügel, pittoreske Täler und parkartige Hochflächen.

Doch manchmal ist die Zeit knapp und man möchte vielleicht gerne den Einkaufsbummel mit einem Spaziergang verbinden. Da bietet sich idealerweise eine Runde durch die sehenswerte Kreisstadt Miesbach über Wallenburg. In Kennerkreisen nennt man Miesbach die „Stadt der Märkte“. Denn zu jeder Jahreszeit findet man spezielle Märkte mit frischen Waren und knackigem Gemüse. Spaziert man durch die verwinkelten Gassen, entdeckt man charmante kleine Läden, gemütliche Gaststätten, behäbige Bürgerhäuser mit bunten Wandmalereien. Dabei ahnt man nichts von der bewegten Vergangenheit der Stadt, die um 1114 zum ersten Mal erwähnt wurde. Zahlreiche Konflikte beleben und verdunkeln die Stadtgeschichte. Im 16. Jahrhundert war Miesbach „lutherisch“, wurde aber zeitig wieder „katholisch gemacht“. Es folgte im 17. Jahrhundert ein brenzliger Bürger- und Bauernaufstand. Dann, im 19. Jahrhundert überraschte der massive Zuzug von Bergarbeitern aus Polen, Böhmen und Kärnten die „Alteingesessenen“. Die Bevölkerung überstand im 20. Jahrhundert die Räterepublik, darauf die Naziherrschaft und in der „Neuzeit“ einige Volksbegehren. Selbstbewusst und tolerant zeigt sich heute die Kreisstadt. Ohne jegliche Anfeindungen erstellte die hiesige türkische Gemeinde eine farbenfrohe Moschee, die sich unaufdringlich ins Ortsbild schmiegt. Es gibt behutsam renovierte Kirchen, wie die glanzvolle Kirche Maria Himmelfahrt und einen prächtigen Maibaum… Die Wallenburger Straße bringt Spaziergänger aus der Stadt hinaus. Bergauf geht’s durch eine Allee. Dreht man sich um, grüßen die Gipfel des nahen Mangfallgebirges. Sobald die Allee endet, ist der Ortsteil Wallenburg erreicht. Etwas versteckt hinter einer Umzäunung erspäht man das Schloss, das, wie die Stadt Miesbach auf eine launische Geschichte zurückblickt. Schloss Wallenburg wird erstmals 1270 urkundlich genannt. Einige Brände und danach mehrmaliger leidenschaftlicher Wiederaufbau prägen das Schloss. Es war ehemaliger Hauptsitz der Herrschaft Waldeck und später der Grafschaft Hohenwaldeck. Als schließlich der letzte der Grafen von Hoheneck-Maxlrain 1734 tief verschuldet starb, ging das Schloss an das Kurfürstentum Bayern. Danach folgten wechselnde Besitzer. Heute ist das Schloss in Privatbesitz.

Direkt daneben befindet sich das Bio-Gut Wallenburg. In der Gärtnerei wird ökologisch-biologisch angebaut. Die Produkte kann man in einem Hofladen erwerben. Sonnenhungrige Spaziergänger nehmen hier den breiten Feldweg, der schnurstracks über Bauernwiesen zurück nach Miesbach führt. Wer die ganze Runde machen möchte, folgt dem Sträßchen zwischen dem Schloss und einigen Gutsgebäuden zum Rande des Hochufers. Dort führt ein Karrenweg durch einen Wald zur Schlierach. Im schmalen Tal kommt man nach einem Klärwerk in eine ruhige Siedlung. Später spaziert man über die „Schützenstraße“ wieder ins Stadtzentrum zurück.

von Doris Neumayr

Von Miesbach nach Wallenburg

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Weyarn. Weiterfahrt St 2073 Richtung Miesbach. In Miesbach an der großen Kreuzung St 2010 rechts ab (Rosenheimer Str.), vorbei am Amtsgericht und Kirche Maria Himmelfahrt. Am Bahnhof gibt es Parkmöglichkeiten. Bahn: Von München im Stundentakt mit der BOB bis MB.

TOUR – Ganze Runde 4,7 km, 55 Höhenmeter, Gehzeit ohne Pausen ca. 1,5 Stunden, gut die Hälfte der Strecke ist asphaltiert und geräumt. Das kurze Stück über den Karrenweg hinter dem Schloss Wallenburg hinab zur Schlierach kann bei ungünstigen Schneebedingungen beschwerlich sein (gutes Schuhwerk). Verlauf: Vom Bahnhof aus hält man sich Richtung Norden (vorbei am AOK-Sparkassenhaus) und mündet nach dem Kreisverkehr in die „Wallenburger Straße“. Diesem folgt man mehr und mehr aus der Stadt hinaus. Zu Beginn einer Allee („Wallenburger Berg“) spaziert man bergauf und bald über eine nicht asphaltierte breite Straße. Die Allee zieht nahe eines Hochufers bald flach über breite Wiesen bis nach Wallenburg. Eine Rechtskurve führt zur Gärtnerei Wallenburg. Gleich nach der Gärtnerei Gut Wallenburg hält man sich links. Das Sträßchen leitet an alten Gutsgebäuden vorbei zum Rande des Hochufers. Hier zieht ein holpriger Karrenweg bergab zur Schlierach und mündet nach 100 m in einen asphaltierten Weg. Den asphaltierten Weg folgt man nach links durch ein schmales Tälchen („Thalhammer Stra- ße“). Nach einem Klärwerk überquert man die Bahngleise und wandert durch eine ruhige Siedlung südwärts. Später mündet man in die „Schützenstraße“ und erreicht auf dieser wieder die „Wallenburger Straße“ und den Ausgangspunkt Bahnhof. Variante: Von der Gärtnerei Gut Wallenburg aus führt ein breiter sonniger Feldweg schnurstracks über die Bauernwiesen zurück nach Miesbach.

TIPPS – 1. Gut Wallenburg, Bio-Markt. Öffnungszeiten: Mo – Sa 8.30 bis 12.30 Uhr, Mi und Fr. 8.30 bis 18 Uhr. Telefon: 0 80 25 / 99 64 65; www.biogut-wallenburg.de 2. Märkte: Wochenmarkt „Grüner Markt“, donnerstags 6.30 bis 13 Uhr (Marktplatz); Fastenmarkt: So, 13. März, 10 – 18.30 Uhr, Mo 14. März, 8 – 18.30 Uhr.

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