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Wie Perlen auf einer Schnur reihen sich die bayerischen Berge hinter Eglfing aneinander. Wer einen geruhsamen Wintertag verleben will, ist in der idyllischen Region nördlich des Staffelsees genau richtig.

Beschaulicher Spaziergang in geschichtenreicher Region

Weltläufiger Kraxenträger

Wenn die Sonne niedrig steht, Reif oder Schnee die Landschaft bedeckt, und in den Wintersportorten Loipen und Pisten gestürmt werden, hält das Voralpenland seinen Winterschlaf. Wer mag, kann dann im Umland von Eglfing einen urgemütlichen Tag verbringen.

Dabei hat die 1000- Seelen-Gemeinde mit den umliegenden Dörfern durchaus Sehenswürdigkeiten zu bieten. Allen voran den Freskenhof in Obereglfing.

Man schreibt das Jahr 1762, als Josef Dichtl und seine Ehefrau, Franziska Eleonora, dieses stattliche Einfirsthaus errichten. Angefangen hat Dichtl als „Kraxenträger“, also wandernder Händler, der seine Ware auf dem Rücken trägt. Im 18. Jh. finden sich solche Kraxenträger, die heimische Volkskunst wie Hinterglasbilder und Holzschnitzereien durch ganz Europa vertreiben, recht häufig.

Doch Josef Dichtl ist so erfolgreich, dass er in Russland Niederlassungen in Moskau und St. Petersburg gründen kann. Obendrein macht ihn Zarin Katharina die Große zu ihrem Großbankier. Dennoch hält sich das Paar gerne in seiner alten Heimat auf und hinterlässt der Nachwelt den kunstvoll verzierten Hof in Eglfing, unter dessen Fresken vor allem das Kruzifix mit der Murnauer Schmerzensmutter an der Straßenseite und die drei prächtigen Wandmalereien über der Eingangstür auffallen. Obgleich die Dichtls als Wohltäter in die Annalen Eglfings eingingen – u.a. ist der großzügige Pfarrhof ihrer Spende zu verdanken – gerät der Freskenhof im 20. Jh. in Vergessenheit. 1970 soll er gar abgerissen werden.

Tiroler stehen vor den Toren

Das ruft die Restauratoren Toni und Renate Mack auf den Plan. Sie kaufen das Haus und restaurieren es seither. Interessierte sind auf Anfrage herzlich willkommen. Viel Historisches hat auch das Dörfchen Spatzenhausen zu bieten, das man auf der Rundtour noch vor Eglfing durchquert. Rund um den Ort fand vor rund 200 Jahren eine der legendären Schlachten der Bayern gegen die Tiroler statt. Man schreibt die Zeit der Befreiungskriege. Das napoleonische Bayern hat sich 1806 Tirol einverleibt. Unter Andreas Hofer wagen die Tiroler den Aufstand. Bei einem dieser Gegenangriffe gelangt eine Tiroler Schar im Juli 1809 bis nach Murnau und zwingt die bayerische Verteidigung unter Hauptmann Bauer zum Rückzug.

Erst als Graf Arco zu Hilfe kommt, können die bayerischen Gebirgsschützen auf den Feldern um Spatzenhausen den Feind in die Flucht schlagen.

Neben der Geschichte kommen aber auch Spaß und Genuss nicht zu kurz auf dieser Spritztour. Die Kleinen freuen sich über den Naturspielplatz von Obereglfing, der weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt ist.

Und für den Genuss passiert unsere Tour das Bauerncafé in Tauting, wo Johann Nagl extra große Kuchenstücke serviert und – auch wochenends – Produkte aus der Region und aus eigener Herstellung verkauft. Schade allerdings, dass es das selbstgemachte „Bauerneis“ nur im Sommer gibt...

CHRISTIAN RAUCH

RUNDWEG EGLFING

ANFAHRT – Bahn: Bhf. Uffing an der Bahnlinie München – Garmisch-Partenkirchen – Innsbruck. Auto: A 95 München – GAP, Ausfahrt Sindelsdorf. An Habach vorbei auf der B 472 zum Kreisverkehr an der B 2. Gegenüber nach Uffing, nach Ortseingang rechts zum Bahnhof.

TOUR – Gehzeit: 3 bis 3,5 Std. Überwiegend wenig befahrene Teer- und Forststraßen. Auch bei Matsch oder Schnee wird es nur auf kurzen Stücken unangenehm. Vom Bahnhofsgebäude rechts zur Hauptstraße beim Bahnübergang. Gegenüber dem Schild „Fußweg nach Murnau“ folgend an der Bahnlinie entlang. Nach rund 2,5 km links auf Teerstraße nach Waltersberg hinauf. Durch Waltersberg zur Bundesstraße. Links auf Fußweg kurz B 2 folgen, dann abwärts auf Teersträßchen. Nächster Abzweig links und auf Feldweg erst gerade, dann rechts, vorbei am Sportplatz, und wieder rechts auf Kirchenstraße. Aufwärts nach Spatzenhausen. An der Kreuzung links, an der Kirche vorbei, bald rechts in Auweg (Schild „Hungerbach-Rundweg“). Weiter auf Feldweg bis zur Autostraße, queren und links Hungerbach-Schild folgen. Kurz durch Wald, dann der Straße zum nächsten Wegweiser folgen. Bei guter Witterung rechts Hungerbachweg-Schildern bis Tauting folgen. Bei Matsch/Schnee weitere ca. 100 Meter an der Straße entlang, rechts auf Feldweg und das nächste Sträßchen rechts hinauf zur Eglfinger Einkehr am Sportplatz. Weiter auf der Straße, halbrechts in Lärchenweg, dann links und kurz darauf wieder rechts auf der Straße nach Tauting. Ins Dorf, an der Kreuzung links und auf der Huglfinger Straße zum Ortsende. Am Bauerncafe vorbei und nach 300 m links in Feldweg. Auf ihm bis Obereglfing und vor den ersten Häusern rechts zum Abenteuer-Spielplatz. Dort vorbei, hinab zur Hauptstraße und auf ihr links. Vorbei am Freskenhof und Heimatmuseum bis zur Kirche. Kurz nach ihr, noch vor dem Rathaus, rechts auf Fußweg hinab nach Untereglfing. Auf der Straße kurz links, dann rechts in die Straße „Kerschgarten“. Steil aufwärts, aus dem Ort hinaus, und auf dem Sträßchen weiter rechts über eine Anhöhe. Bei einem Feldkreuz links hinab, dann links auf Sträßchen bis zu den Gleisen. Vor dem Übergang links und zum Uffinger Bahnhof.

INFORMATIONEN – Freskenhof/Heimatmuseum (www. eglfing.de); Bauerncafé Tauting, Mo. Ruhetag, T.: 0 88 47/ 69 84 90; Eglfinger Einkehr, Mo Ruhe, T.: 0 88 47 / 862.

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