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"Keine Prognose ist so gut wie die eigene Beobachtung", so Bergwetter-Experte Karl Gabl.

Tipps vom Experten

Bergwetter: Die besten Bücher, Webseiten und Apps

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Das Wetter im Gebirge kann schnell zum Risiko werden, mit der richtigen Vorbereitung ist alles aber halb so wild. Wir stellen die besten Hilfsmittel vor - von Fachbüchern über Webseiten bis hin zu satellitenunterstützte Wetter-Apps:

Wetterprognosen für Expeditionen

Der Mann ist die Koryphäe schlechthin, wenn’s ums Thema Bergwetter geht: Karl Gabl. Der 68-jährige Österreicher, den alle einfach nur „Charly“ nennen hat über drei Jahrzehnte lang die Wetterdienststelle Innsbruck geleitet. Und heute? „Ich bin im Ruhestand, aber nicht in Pension.“ Pro Jahr erstellt Gabl weltweit für 50 bis 60 Expeditionen die Wetterprognosen. Und er hat sein Wissen in einem Buch gebündelt.

Wolken als Stimmungsbarometer

„Ein Himmel ohne Wolken ist fad.“ Diese persönliche Widmung schreibt Charly Gabl beim Interviewtermin in München in sein Buch „Bergwetter“. Dahinter stecken langjährige Erfahrung und innere Überzeugung: „Wolken im Gebirge sind das sensibelste und beste Stimmungsbarometer. Sie sind ein gutes Signal, ob Gefahr droht oder nicht“, erläutert Gabl. Sein Tipp: „Wolken mit Emotion anschauen! Keine Prognose ist so gut wie die eigene Beobachtung.“

Schönwetterwölkchen oder Unwetter?

Ob Cirrus- oder Cumuluswolke, Föhnfisch oder Gewitterturm: Das, was man am Himmel sieht, bedarf natürlich auch der richtigen Interpretation. Die zunehmende Naturentfremdung führt dazu, dass vielen die nötige Kompetenz fehlt, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Bahnt sich ein Unwetter an, zieht eine Kaltfront heran? Hält der Föhn oder bricht er bald zusammen? Oder verzieren bloß ein paar harmlose Schönwetterwölkchen den Himmel?

Phantastische Hilfsmittel: Internetseiten und Wetter-Apps

Der Wolkenleser: Auf die Prognosen von Karl Gabl vertrauen bis heute internationale Spitzenbergsteiger.

So komplex das Thema Wetter – erst recht im Gebirge – sein mag, so einfach ist es heutzutage, sich darauf vorzubereiten. Als „phantastische Hilfsmittel“ erachtet Gabl gut gemachte Bergwetter-Seiten im Internet, die oft stundengenau Windströmung und -geschwindigkeit, Bewölkung, Niederschlag und Temperatur vorhersagen. Oder satellitenunterstützte Wetter-Apps fürs Smartphone, die selbst unterwegs noch ein Radarbild liefern. Insofern regt sich Gabl auf, wenn er bei Bergunfällen immer wieder hört, die Leute seien von einem Wettersturz überrascht worden. „Das ist eine Lüge!“, schimpft der Fachmann. „Solche Überraschungen gibt’s nicht mehr, dazu sind die Prognosen viel zu präzise.“

Bergtouren strategisch planen

Grundsätzlich empfiehlt Gabl, eine Berg- oder Skitour strategisch zu planen. Wichtiger Parameter dabei: die Zeitreserve. „Wer eine Tour unternimmt, bei der nichts schief gehen darf, und dann ist man plötzlich zu langsam – das kann tödlich enden.“ In den Ostalpen gebe es pro Jahr etwa 35 bis 40 Gewittertage, bei denen es gelte, sich zeitlich anzupassen. „Die Vormittage sind meist blitzfrei“, weiß Gabl. Das heißt: früher Aufbruch, Zeitreserve für Pausen oder Unvorhergesehenes einplanen, mittags wieder im Tal sein. Dann seien auch bei etwas labilen Wetterlagen noch Touren möglich. Und wenn man sich verkalkuliert hat, die Gewitter (Gabl nennt sie „atmosphärische Lawinen“ und hat in seinem Buch dieses Kapitel auf 36 Seiten detailliert behandelt) früher kommen als angenommen? „Ab durch die Mitte und weg von exponierten Stellen“, so Gabls Zusammenfassung. Gefährlich sei es, Zuflucht in Stadln zu suchen: „20 Prozent der Blitzunfälle ereignen sich in ungesicherten Holzhütten.“

Gefahren: Blitzeinschlag im Sommer, Erfrierungen im Winter

Blitzgefahr ist vor allem im Sommer relevant – jetzt im Winter, der in den Bergen ja aktuell zurückgekehrt ist, spielen laut Gabl andere Gefahren eine Rolle. Der Österreicher nennt die wesentlichen Aspekte: „Ist die Sicht diffus, erlaubt sie keine Beurteilung des Geländes. Das kann beispielsweise zum Absturz über Kuppen führen. In einem kalten Winter spielen Schneeverfrachtung und Schwimmschnee eine große Rolle bei der Lawinengefahr, im Frühjahr ist der Harschdeckel manchmal nicht ausgeprägt.“ Als Folgen von wettertechnischer Fehlplanung warnt Gabl vor „Erfrierungen und Orientierungsverlust“.

Geplante Tour im Zweifelsfall verschieben

Wettersturz, Blitzschlag, Lawinen: Bedeuten Touren im Gebirge also ein Risiko? Nein, keinesfalls. Man muss sie bloß sorgfältig planen. Für Gabl bedeutet das, „beim richtigen Wetter und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein“. So einfach ist das im Prinzip. Was zugleich bedeutet, eine lang gehegte Traum-Tour am favorisierten Termin nicht erzwingen zu wollen: „Man muss Geduld haben. Der Berg läuft nicht weg.“

Martin Becker

Bücher, Webseiten, Apps: Infos zum Bergwetter

Bücher:

„Bergwetter“ von Karl Gabl, Bruckmann-Verlag, 19,99 Euro: Der Innsbrucker Meteorologe und Initiator des Alpenvereins-Wetterdienstes geht in diesem Lehr- und Praxishandbuch ausführlich und anschaulich auf alle Fragen rund ums Bergwetter ein. Ein ausgezeichnetes Kompendium von einem Fachmann der Sonderklasse.

„Wetter im Gebirge“ von Jean-Jacques Thillet und Dominique Schueller mit Beiträgen von Pit Schubert, Bergverlag Rother, 19,90 Euro: Das Autoren-Trio erklärt meteorologische Grundlagen, bergspezifische Phänomene und Methoden der Vorhersage- Interpretation. Ein mit vielen Grafiken und Wetterbildern abgerundetes Praxisbuch, um die Zeichen am Himmel zu lesen.

Internetseiten:

www.wetterzentrale.de: Zusammenstellung von für Europäer interessanten Wetterkarten (Analysen und Prognosen, Beobachtungen, Satellitenbilder usw.).

www.zamg.ac.at: Webseite der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik mit präziser Wetteranimation.

www.alpenverein.de/dav-services/ bergwetter: Jeden Nachmittag um 16 Uhr gibt’s die aktuelle Bergwetterprognose.

www.weatheronline.de: Guter Überblick mit Satellitenbild und Regenradar.

www.wetteronline.de: Übersichtliche Darstellung verschiedener Parameter inklusive Blitzortung.

www.meteoblue.com: Viele Details.

www.mobile.aldis.at: Blitz-Radar für Österreich (mit App-Erweiterung).

Smartphone-Apps:

Weatherpro: Äußerst präzise Wetter-App.

MeteoEarth: Gute grafische Darstellung

WeatherMaps: App von Wetterzentrale.de

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