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Interessante Perspektiven: Auf dem Aussichtsberg von Weyarn genießt man moderne Kunst und den Blick auf die sehenswerte Klosterkirche St. Peter und Paul.

Frau 209 glänzt überm Tal

Der Gipfel ist ja normalerweise das Ziel. Diesmal gilt der höchste Punkt aber als Auftakt einer Wanderung mit vielen kleinen Höhepunkten. Die bayerischen Alpen...

...liegen einem quasi zu Füßen auf diesem unscheinbaren Hügel in der Gemeinde Weyarn. Und falls Wolken die Fernsicht vereiteln, tröstet man sich halt mit interessanten Nahblicken auf die „Granitvolute“. Die zweiteilige, asymmetrische Skulptur gestaltete der einheimische Bildhauer Tobel speziell für diesen Aussichtsberg, der den Beginn des Weyarner Kulturpfades (siehe Tipps) markiert. Während des Spaziergangs begegnen wir im Auf und Ab einigen Stationen des abwechslungsreichen Pfades.

Perlen des bayerischen Rokokos

Ein grasiger Weg führt vom grünen Hügel hinab in den Ortskern. Über die „Ignaz-Günther-Straße“ gelangt man direkt in den Seminarhof des Klosters. 1133 wird das Kloster gegründet und ist Sitz der Augustiner Chorherren. Heute beherbergt es den Deutschen Orden und diverse gemeindliche Einrichtungen. Die Ausstattung der Klosterkirche St. Peter und Paul zählt zu den Perlen des bayerischen Rokokos und kann zu verdeutbestimmten Terminen besichtigt werden (siehe Tipps).

„Tränen der Erde“

Kompass-Karte 181 Rosenheim, Bad Aibling, Wasserburg am Inn; 1:50 000.

Zwischen Kirche und Bücherei führt ein gemauerter Torbogen zu einer Treppe am waldigen Hochufer des Mangfalltales. Treppab erreicht man auf einem Wiesenstück die in der Sonne glänzende „Frau 209“. Die Bildhauerin und Malerin Ursula- Maren Fitz schuf die eindrucksvolle Plastik mit weichen, runden Formen aus Bronze. Weiter unten im Tal passiert man die Klosterweiher und spaziert dann über eine frühlingsgrüne Wiese in lichten Wald hinein. Nun wird es still. Nur der Wind säuselt in den Wipfeln, ein Brunnen plätschert und tief unten schlängelt sich silbriggrün die Mangfall. So geht’s auf einem guten Wanderweg am Hangrand entlang immer tiefer ins Tal hinein. Erst später zieht man abwärts zu einer schmalen Brücke, die sich über die Mangfall spannt.

Nun steht man mitten im Wasserschutzgebiet des Tales. Hier verlaufen unter der Erde Rohre, in denen jede Sekunde 3400 Liter Wasser nach München strömen. Etwa 80 Prozent des Trinkwassers der Stadt München entstammen dem Quellwasser des Mangfalltals. Die Wichtigkeit des Elementes verdeutlichen Infotafeln an der letzten Station des Kulturpfades. Die Vorgänge in der Landschaft spiegelt das imposante Kunstwerk „Tränen der Erde“ wider. Der Bildhauer Karl-Jakob Schwalbach kreierte eine Installation aus Granit, Wasser und Stahlrohren. In Verbindung mit einer Bodensonnenuhr will er auf die Zusammenhänge von Wasser, Sonne, Erde und Mensch hinweisen. Etliche Rastplätze laden hier zum Verweilen und Betrachten ein.

Nun gibt’s zwei Möglichkeiten. Entweder man wandert auf dem gleichen Weg wieder retour oder man bleibt dem nassen Element treu und folgt dem bequemen, aber langen „Wasserweg“ neben der Mangfall. Egal wie man sich entscheidet, für den vielleicht etwas anstrengenden Gegenanstieg am Schluss sollte man noch genug Flüssiges in der Trinkflasche haben.

von Doris Neumay

RUNDTOUR IM MANGFALLTAL

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Weyarn. In Weyarn nach dem Kreisverkehr auf die Staatsstraße 2073 „Münchner Straße“ kurz geradeaus. Dann rechts beim Friedhof parken. (Variante ohne Aussichtsberg: Parkplatz vor der ausgeschilderten Klosterkirche St. Peter und Paul nehmen.)

TOUR – Wald- und Wiesenwege, Forststraße, Nebenstraßen; Ausschilderung Kulturpfad = blaues Schild mit weißem „K“; Große Runde: 7,5 km, 210 Höhenmeter, Gehzeit ca. 2,5 bis 3 Stunden. Oder: „Hinweg wie Rückweg“ insgesamt 5,2 km. Verlauf: Vom Parkplatz beim Friedhof die Straße überqueren und auf Gehsteig ca. 100 m Richtung Ortsmitte. Direkt nach Haus Nr. 4 „Münchner Straße“ links die Treppen empor. Der grasige Weg führt zum Aussichtsberg (693 m) mit Skulptur. Hernach zurück zur Straße. Diese überqueren, über „Ignaz-Günther-Straße“ zur Klosteranlage. Zwischen Klosterkirche und Bücherei durch Torbogen hindurch. Dann links auf Weg bergab zu Kunstwerk „Frau 209“. Weiter bergab zu den Klosterweihern. Hier rechts bergauf, vorbei an Haus Nr. 19 „Mangfallweg“. Vor einer Wiese dem rechten, flachen Weg zum Wald folgen. Im Wald rechts vorbei an „Spielkreisel Hütte“. Auf dem Waldweg vorbei an gemauertem Brunnen. Später auf ausgeschildertem Weg mit Geländer bergab zur Mangfallbrücke. Über diese hinweg und bergauf zu Forststraßenkreuzung (Schilder: „K“ und „W“). Auf der Forststraße links bis zum Kunstwerk „Tränen der Erde“ beim Spiralschacht Thalham (Endpunkt).

Nun entweder zurück auf gleichem Weg oder die „Große Runde“: Zurück auf der Forststraße und auf dieser bleiben. Der sog. „Wasserweg“ zieht westlich der Mangfall bis Mühlthal/ Bruckmühle an eine Straße. Auf dieser Straße rechts anstrengend bergauf. Am Scheitelpunkt rechts „Klosterweg“ bis zur Klosterkirche und zum Ausgangspunkt.

TIPPS – 1. Kulturpfad Weyarn: Informationen und Prospekte zu den Stationen und zum Kloster gibt es bei der Gemeinde Weyarn (T.: 0 80 20 / 18 870, www.weyarn.de). 2. Klosterkirche St. Peter und Paul: Zarte Stuck- und Deckenbilder von Johann Baptist Zimmermann und prunkvolle Skulpturen von Ignaz Günther schmücken das Gotteshaus. Informationen zu Messen und Kirchenführungen beim Pfarramt, Klosterweg 1, T.: 0 80 20 / 90 62 91.

KARTE – Kompass-Karte 181 Rosenheim, Bad Aibling, Wasserburg am Inn; 1:50 000.

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