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Für Wagemutige beginnt am Panorama-Restaurant Choralpe die steilste Abfahrt der Skiwelt Wilder Kaiser, die Piste „Alpseite Nr. 112“ mit 80 Prozent Gefälle in Richtung Westendorf.

Auf nach „Ki-West“

Skifahren an der Hohen Salve auf 1829 Meter

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Den ganzen Tag Ski fahren, von morgens bis abends, ohne dabei eine einzige Piste zwei Mal zu benutzen: Geht das? Ja, das geht.

Der Slogan „irrsinnig groß“ charakterisiert die Skiwelt Wilder Kaiser – Brixental, von München aus mit dem Auto in gut einer Stunde erreichbar, ohne Übertreibung: Von den 284 Pistenkilometern schafft man an einem Tag nur einen Bruchteil. Und auch dieser Teilausschnitt, eine Ski-Safari von Söll über die Hohe Salve bis zur Skihütte „Ki-West“ am Übergang zum Kitzbüheler Nachbarrevier, strotzt nur so vor Vielfalt. Fast 8000 Höhenmeter und 50 Kilometer Strecke, mit GPS gemessen, summieren sich am Ende. Und wirklich: Keine einzige Gondel, kein einziger Lift wurden zwei Mal benutzt, jede Piste nur ein Mal gefahren. Einzigartig gestaltete sich auch das Wetter am Tag der Recherche: Der Dreikönigstag verharrte temperaturmäßig durchweg im zweistelligen Minusbereich. Da heißt es dick einpacken und immer in Bewegung bleiben. Und sich auf die Gondeln und Sessellifte freuen: Viele der insgesamt 90 Bahnen und Lifte haben eine Sitzheizung! 

Wo’s heute langgehen soll? Da wir schon im Dezember eine der vier möglichen Runden gedreht haben – damals von Söll nach Ellmau –, wenden wir uns diesmal in eine andere Richtung: bis zum Ende der Abfahrt „Ki-West“ mit der gleichnamigen Hütte; dort, wo die Skiwelt an die Kitzbüheler Pisten grenzt. 

Die Hohe Salve (1829 Meter) mit Gipfelkapelle und Drehrestaurant steht ja im Ruf, mit mehreren schwarzen Pisten primär Könner anzulocken, doch zum Start bietet sich mit der Rigi-Abfahrt nach Hopfgarten auch eine moderate rote Piste an. Ein erster kurzer Einkehrschwung führt uns in die urige Stoagrub’n-Hütte, wo der Hansi nach dem Cappuccino unbedingt „einen Ski“ servieren möchte: eine Runde Schnaps also auf dem Nostalgie-Brettl. Das lockert uns ein bisschen, ohne dass das nötig wäre. Denn nach den Neuschneefällen Anfang Januar sind alle Pisten herrlich griffig, und bei geschickter Routenwahl lassen sich auch schwierige Passagen umfahren. Wie in Westendorf, wohin man über Brixen im Thale gelangt – hier, an der Bergstation bei der Choralpe, startet die mit 80 Prozent Neigung steilste Abfahrt des gesamten Skigebietes. 

Sonnige Einkehr: Die Skihütte „Ki-West“.

Nein, da schwingt man lieber gemütlich über den Gampenkogel hinunter ins Spertental zu „Ki-West“. Und macht sich, nach kurzer Mittagspause, auf den Rückweg. Es ist auch ein Spiel mit der Sonne, die sich mit uns dreht. Gut, die wunderschöne, 5,5 Kilometer lange Kandleralm-Abfahrt zurück nach Brixen liegt im Januar großteils im Schatten, aber am Übergang zur Hohen Salve und schließlich auf dieser streichelt einen die Nachmittagssonne. Nach einer Apfelstrudel-Abschluss-einkehr in Österreichs höchstem Drehrestaurant genießt man im letzten Licht die Talabfahrt nach Söll. Dabei fällt der Blick auch auf die neue „Hans-im-Glück-Gondel“ in Hochsöll, eine Spezialanfertigung für Skischulen und Familien: In Skiwagerl kann die Kinderausrüstung verstaut und bequem in die märchenhaft lackierten Zehner-Gondeln gezogen werden. Noch ein interessantes Angebot sticht in Söll ins Auge: Hier ist ein Kinder-Erlebnisparcours mit Anfängerliften aufgebaut, den Ski-Neulinge gratis benutzen dürfen. Die flitzen eines Tages sicher auch nicht mehr bloß durch bunt bemalte Tore, sondern irgendwo über die gigantischen 284 Pistenkilometer...

von Martin Becker

SÖLL – BRIXEN – WESTENDORF

ANFAHRT – Mit dem Auto über die A 8 München – Salzburg zum Inntal-Dreieck und weiter auf der A 93 bis zur Landesgrenze bei Kiefersfelden. Ab der Ausfahrt Kufstein-Süd auf der Eiberg-Bundesstraße (B 173) Richtung Felbertauern und schließlich auf der B 178 nach Söll. Es gibt insgesamt sieben weitere Einstiegsorte in die Skiwelt Wilder Kaiser: Scheffau, Ellmau, Going, Itter, Hopfgarten, Brixen im Thale und Westendorf. 

SKIWELT WILDER KAISER – Das Skigebiet verfügt über insgesamt 284 Pistenkilometer (blau 122 km, rot 129 km, schwarz 10 km, Skirouten 23 km), davon 229 maschinell beschneibar. 21 Talabfahrten mit bis zu 7,3 Kilometern Länge sind möglich. 90 Bahnen und Lifte können 146 656 Personen pro Stunde befördern, 77 Hütten bieten statistisch alle 3,3 Kilometer eine Einkehrmöglichkeit. Der Skibetrieb geht heuer bis zum 2. April 2017. Skipass-Preise: Tagesticket 47 Euro (Jugendliche 35,50 Euro, Kinder 23,50 Euro); Männer fahren dienstags und Frauen mittwochs zum Jugendtarif!

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