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Wilde Gegend: Törlspitzen und -türme begrüßen den Wanderer am Anfang des Jubiläumssteigs.

Sagenhaftes Felsenland

der Name schon sagt, wild her. Dies gilt auch für den „Jubiläumssteig“, der die Gruttenhütte mit dem Kübelkar verbindet und anlässlich eines Jubiläums der hüttenbesitzenden Alpenvereinssektion Turner Alpenkränzchen München erbaut worden ist – vor langer Zeit.

Heute ist dieser Jubiläumssteig Herzstück des „Wilden-Kaiser-Steigs“ und er lässt sich zu einer Rundtour über das Baumgartenköpfl verknüpfen. Das ergibt eine der vielleicht schönsten Tagesunternehmungen im ganzen Kaiser.

Eine Tour ganz ohne Gipfel, doch mit außerordentlich beeindruckenden Aus- und Einblicken: Wilde Hauptdolomitgräben und abenteuerliche Felsformationen erwarten den Wanderer. Die Fantasie zaubert alle möglichen Riesen, Gnome, wilde Tiere. Man taucht ein in eine ganz eigene Welt – und aus ihr wieder auf ins freie Gelände. Aufatmen, indes der Blick hinuntergeht zur Gaudeamushütte, ins grüne Söllland und hinüber zum Kitzbüheler Horn mit seinem Antennenfinger. Im Rücken die Vordere Karlspitze und das Ellmauer Tor.

Und weiter geht’s auf dem Wilden-Kaiser-Steig Richtung Osten. Das Kar wird gequert und es folgt ein lustiges Auf und Ab mit kleinen Schrofenpassagen, wo noch einmal Trittsicherheit gefragt ist. Ab dem (privaten) Freiberghaus wird’s endgültig leicht und man nimmt noch die wenigen Höhenmeter bis zum Baumgartenköpfl mit dem „Bergsteigergrab“.

Kompass-Karte 9, Kaisergebirge

Darin ruht Much Wieser, bedeutender Kaisererschließer der 1920er-Jahre. Eine Grabstätte, die ihresgleichen sucht. Schon der große Kaiserchronist Fritz Schmitt rühmte den Platz: „Wer (...) an einem klaren Tag auf dem Baumgartenköpfl rastet, der wendet dem Kaiser den Rücken zu, so wie man sich etwa an eine besonnte Hauswand lehnt. Hier ist man daheim, nach Süden jedoch wird der Blick zu weiter Schau verlockt. Unten im ausgedehnten Tal (...) reihen sich die Dörfer an den weißen Faden der Straße. Dahinter steigen scheckigbunte Waldbuckel auf, wogen föhnblau schimmernd die bewachsenen Schieferkämme der Kitzbüheler Alpen, aus deren bescheidener Formenarmut keck der Große Rettenstein springt. Darüber geht feierlich und gemessen der Zug der Hohen Tauern. Die Gletscher leuchten in der sonnigen Luft; nie ist dieser Augenblick so schön wie jetzt.“

Eine Traumtour für alle, die trittsicher sind! Um auf das Baumgartenköpfl zu gelangen, muss ja nicht einmal der Jubiläumssteig begangen werden, sondern man könnte ab Wochenbrunner Alm über die Gaudeamushütte direkt dorthin aufsteigen. Freilich ist die hier beschriebene Runde lohnender. Sie vermittelt das gewisse Prickeln, dass das „Erlebnis Fels“ auslöst. Das Gefühl, ausgesetzt zu sein – im positiven Sinn. Denn man ist ja sicher am straff gespannten Drahtseil und an einer kurzen, fest verankerten Leiter. Und geborgen zwischen Türmchen, Wandkulissen und Sagengestalten. Auch einen Felsdurchschlupf gibt es. Und hinter jeder Ecke wartet ein neues Landschaftsbild. Klein, aber fein ist dieser Ausflug, der zum unvergesslichen Erlebnis gedeiht.

Horst Höfler

BAUMGARTENKÖPFL (1572 M)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg bis Inntaldreieck, weiter auf der Inntalautobahn A 93 bis Ausfahrt Kufstein- Süd (mautfrei). Weiter Richtung St. Johann bis Ellmau. Dort links Richtung Wochenbrunn und zuletzt auf einer Mautstraße zur Wochenbrunner Alm (1085 m).

TOUR – Zur Gruttenhütte den unmissverständlichen Wegweisern folgen. Erst durch Mischwald, dann ins freie Gelände. Weiter oben wird nach rechts ansteigend ein Geröllstrom gequert, ehe der gute Steig durch Latschen und über Wiesen zur Hütte (1620 m) mit ihren Nebenbauten (Schlafhäuser) leitet. Nun nordostwärts in die Hauptdolomitformationen des „Wilden Gschloss“. Um einige Ecken herum absteigen (Drahtseile) in den Grund einer Schlucht und aus ihr, u.a. über eine kurze Leiter, auf Bänder, die sich durch abenteuerliche Felsgestalten winden. Bald läuft der Steig im Kübelkar aus. Darin etwas abwärts in einen Geröllboden und der schwarzgelben Markierung folgend das Kar queren. Ins Latschengelände und über einige felsige Stellen hinüber zum Freiberghaus (1506 m, privat).

Südöstlich bald ein Stück aufwärts, bis man rechts etwas unterhalb das Baumgartenköpfl (1572 m) erblickt (Einmündung des „Gildensteigs“). Kurz abwärts zu seinem Fuß und wenige Meter ansteigend auf den Gipfel. Zurück in die Senke und dem Wegweiser „Gaudeamushütte“ folgen. Nahe an der Baumgartenalm vorbei und mit herrlichen Ausblicken zur Vorderen Karlspitze weiter. Im freien Gelände mit Serpentinen hinunter, durch ein Waldstück und abwärts ins begrünte Gelände über der Gaudeamushütte (1263 m). Zur Wochenbrunner Alm auf breitem Hütten-Versorgungsweg.

GEHZEITEN – Wochenbrunner Alm – Gruttenhütte 1,75 Stunden; Gruttenhütte – Baumgartenköpfl 2 Stunden; Baumgartenköpfl – Gaudeamushütte – Wochenbrunner Alm 1,25 Stunden.

AUSRÜSTUNG – Normale Bergwanderausrüstung, Wanderstöcke sind jedoch eher hinderlich; für Ängstliche evtl. ein Klettersteigset.

EINKEHR – Gasthaus Wochenbrunn, Wochenbrunner Alm (www.wochenbrunn.com), Gruttenhütte (www.gruttenhuette. at), Gaudeamushütte (www.dav-main-spessart.de).

KARTE – Kompass-Karte 9, Kaisergebirge.

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