+
Skifahren abseits der Pisten kann so viel Spaß machen, doch unter der Pulverschneedecke lauern oft Lawinen.

Was Wintersportler über Lawinen und Schneebretter wissen müssen

Jährlich kommen Wintersportler durch Lawinenabgängen ums Leben. Bald werden frisch verschneite Hänge wieder zahllose Skifahrer und Wanderer ins Freie locken – doch die Lawinengefahr wird voraussichtlich weiter erheblich bleiben.

Die meisten Unfälle geschehen, weil Skifahrer am Rande von Pistengebieten in ungesichertes Gelände gefahren sind. Beachten Sie also in Skigebieten die Lawinen-Warnschilder und befahren Sie keinesfalls abgesperrte Hänge! Diese Warnung gilt insbesondere denjenigen Wintersportlern, die die Lawinengefahr selbst nicht einschätzen können. Stefan Winter, Ressortleiter Breitensport beim Deutschen Alpenverein (DAV), rät „unwissenden und nicht entsprechend ausgerüsteten Wintersportlern grundsätzlich davon ab, abseits gesicherter Pisten zu fahren“.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Wer sich mit Lawinen gut auskennt und über die entsprechende Ausrüstung verfügt, kann durchaus auf Schneeschuhtour im freien Gelände gehen oder eine Variantenabfahrt wählen. Denn er selbst kann die aktuellen Verhältnisse beurteilen, kann die Gefahr abschätzen und sich entsprechend verhalten – und er weiß sich zu helfen, sollte doch mal etwas passieren. Wo man das lernt? Am besten bei einem Lawinenkurs.

Das lernt man im Lawinenkurs

Absolute Sicherheit gibt es nicht! Immerhin aber kann man durch Risikomanagement die Wahrscheinlichkeit reduzieren, einer Lawine zum Opfer zu fallen. Zum Beispiel indem man in der Lage ist, den Lawinenlagebericht mit seinen fünf Gefahrenstufen und den vielen Zusatzinformationen korrekt zu interpretieren. Außerdem lernt man im Lawinenkurs zum Beispiel, besonders gefährliche Stellen im Gelände zu erkennen.

Infos zu Lawinenkursen vom Alpenverein

Tel.: 089-551 70 00

www.alpenverein-muenchen.de

DAV-Projekt "Check your risk" Aufklärung für Schulklassen, Skilager, jugendliche Freerider

www.checkyourrisk.com

Und wenn es doch einmal kracht? Dann muss man die Kameradenrettung beherrschen, das heißt: Man muss selbst in der Lage sein, einen Verschütteten innerhalb kürzester Zeit im Lawinenkegel zu orten und ihn auszugraben. Bis professionelle Rettungskräfte am Unfallort sind, vergehen lebenswichtige Minuten. Bereits nach 18 Minuten sinkt die Überlebenschance der Verschütteten dramatisch, sie ersticken oder sterben an Unterkühlung. Verlassen Sie sich also nicht auf die Bergwacht oder passive Sicherheitssysteme wie Recco!

Die Ausrüstung fürs freie Gelände

Wer sich in lawinengefährdete Bereiche begibt, muss drei Dinge mit sich führen: ein Lawinenverschütten-Suchgerät (LVS, umgangssprachlich „Pieps“ genannt), eine Lawinenschaufel und eine Sonde. Im Dreierset ist diese Ausrüstung schon ab 250 Euro im Sportfachhandel erhältlich. Der Pieps sendet automatisch ein Signal, das von anderen LVS-Geräten geortet werden kann. Moderne Mehrantennen-Piepse sind teurer, vereinfachen die Suche aber enorm. Üben Sie den Umgang mit Ihrem LVS regelmäßig, möglichst zu Beginn jeder Saison!

Als optionale Zusatzausrüstung vor allem für Skitourengeher hat sich der Lawinen-Airbag bewährt, ein Rucksack mit aufblasbaren Kissen, die in vielen Fällen eine Verschüttung verhindern, weil sie den Auftrieb des Skifahrers in der Lawine erhöhen. Im Sportfachhandel ab rund 650 Euro mit verschiedenen Rucksackgrößen erhältlich.

So entstehen gefährliche Schneebretter

Es gibt mehrere Arten von Lawinen. Für Freerider oder Skibergsteiger stellt insbesondere das Schneebrett eine Gefahr dar. Schneebretter werden meist von den Wintersportlern selbst ausgelöst, wenn sie mit ihrem Gewicht eine labile Schneedecke stören. Meist gleitet dann eine Schneeschicht auf einer darunter liegenden Schicht ab. Für ein Schneebrett braucht es also ein in sich gebundenes Schneepaket auf einer Gleitfläche, zum Beispiel auf einer Eislamelle, die dem darüber liegenden Schnee wenig Halt bietet.

Besonders gefährlich ist Triebschnee, also Schnee der vom Wind verweht und in windgeschützten Bereichen (Rinnen, Mulden) abgelagert wurde. Triebschneepakete verbinden sich besonders schlecht mit der darunter liegenden Schneeschicht.

Neben den aktuellen und örtlichen Schneeverhältnissen bildet die Hangneigung den wichtigsten Faktor bei der Auslösung von Schneebrettern. An weniger als 30 Grad steilen Hängen treten nur selten Lawinen auf. Steileres Gelände kann man nur bei entsprechend sicheren Verhältnissen betreten.

Ingo Wilhelm

Auch interessant

Kommentare