Ab auf die Piste: Wer ein paar Regeln beachtet, der bleibt höchstwahrscheinlich von vielen Verletzungen, die beim Skifahren passieren können, verschont.

Wie schützt man sich am besten?

Wintersport: Ski, Schnee, Sicherheit

5,5 Millionen Skifahrer sausen jährlich die Piste hinunter – so mancher stürzt dabei: Eine falsche Bewegung, eine kleine Unaufmerksamkeit, prompt ist ein Unfall passiert. Die häufigsten Verletzungen im Wintersport und deren Behandlung.

Zu Beginn eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Seit rund sechs Jahren bleibt die Zahl der leicht und schwer verletzten Skifahrer relativ konstant – sie geht sogar leicht zurück. „Grund dafür sind vor allem die technischen Weiterentwicklungen“, sagt Sicherheitsexperte Andreas König vom Deutschen Skiverband. Die Ausrüstung sei besser und sicherer geworden, die Pisten würden besser präpariert.

Die schlechte Nachricht: Dass die Zahl der Verletzten nicht steigt, heißt nicht, dass es Verletzte nicht trotzdem gibt. Rund 38 000 waren es laut Auswertungsstelle für Skiunfälle in der vergangenen Saison. Damit ist das Verletzungsrisiko im Wintersport zwar nicht höher als in anderen Sportarten – oftmals sind die Verletzungen jedoch schwerer sowie teurer und langwieriger in der Behandlung. Denn bei Geschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometern pro Stunde, engen Kurven, Geruckel und Erschütterungen stößt der Mensch schnell an seine Grenzen. Nachfolgend die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

Verletzungen am Knie

Das Knie ist ein besonders häufiges Opfer: Ungefähr ein Drittel aller Verletzungen betreffen das komplexe Gelenk. Die meisten entstehen bei nur geringen Geschwindigkeiten. „Häufig dann, wenn ein Skifahrer fällt, sich aber die Bindung aufgrund geringer Sturzenergie nicht löst“, so Sicherheitsexperte König. Die Folge sind Kreuzbandrisse und Meniskusverletzungen. Ihre Behandlung hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert: War früher „großzügiges Schnippeln“ die Regel, sind heute deutlich weniger invasive Eingriffe Standard. „Bei einem Kreuzbandriss etwa gehen wir durch schlüssellochgroße Einschnitte mit einer Kamera an die verletzten Stellen heran. Dort nähen wir die Verletzung oder setzen körpereigenes Gewebe ein“, sagt Prof. Andreas Imhoff, Leiter der Sportorthopädie im Münchner Klinikum rechts der Isar. Vorteile dieser immer weiter verfeinerten Methode sind eine verbesserte Heilung und geringere Schäden an der Motorik des Verletzten.

Verletzungen an der Schulter

Minimal-invasiv entwickeln sich auch die Behandlungsmethoden bei Schulterverletzungen. „Diese Verletzungen nehmen deutlich zu“, sagt Imhoff. Wobei: Nicht nur Verletzungen an der Schulter, sondern an allen oberen Extremitäten, das heißt: an Rücken, Hand, Ellenbogen. Grund dafür ist vor allem die Möglichkeit immer schnellerer Abfahrten – selbst für Fahranfänger. Kommt es bei rauschender Fahrt zum Sturz oder zur Kollision, öffnen sich die Skibindungen und der Fahrer fällt frei in den Schnee – der Oberkörper leidet da besonders.

Verletzungen am Kopf

Der Kopf kann bei freien Stürzen und Kollisionen ebenfalls stark verletzt werden. Schädelhirntraumata sind eine häufige Diagnose. Immerhin: Die Zahl der Kopfverletzungen bleibt seit rund fünf Jahren relativ konstant: Ungefähr eine Verletzung je 1000 Skifahrer gab es in der Saison 2014/2015. Sportorthopäde Imhoff und Sicherheitsexperte König raten dringend dazu, bei Abfahrten stets einen Helm zu tragen.

Welcher Helm der richtige ist

Das Modell ist bei der Wahl egal. Nur passen sollte er. „Die Sicherheitsstandards der EU sind heute so hoch, da sind Marke, Preis und Modell kaum von Bedeutung“, sagt König. Auch der Discounter-Helm kann mitunter ausreichend sein. Zum Gang ins Fachgeschäft rät König trotzdem. „Es muss einem klar sein, dass Discounter immer nur ein Modell haben. Wenn das passt: Alles super, dann habe ich ein Schnäppchen geschlagen.“ Wenn nicht, sollte man unbedingt einen anderen Helm kaufen. Zumal Belüftung, Isolierung und Komfort ebenfalls perfekt passen müssen. „Der Helm sollte letzten Endes angenehmer als eine Mütze sein. Man darf ihn kaum merken. Wenn er nicht perfekt sitzt, schützt er auch nicht“, warnt Sicherheitsexperte König potenzielle Käufer.

Wie es mit der Skiausrüstung klappt

Die Qualität der Skiausrüstung hängt nicht vom Preis ab. Wichtig ist, dass sich der Verbraucher mit ihr sicher fühlt – und dass sie regelmäßige Pflege-Kuren bekommt. „Mindestens einmal im Jahr, am besten zum Saisonstart, sollten die eigenen Ski zum Service gebracht werden“, rät König. Sind sie gewachst und ihre Kanten scharf, bedürfe es beim Fahren weniger Kraft und Konzentration. Besonders wichtig ist zudem die Einstellung der Bindungen, die ebenso jährlich überprüft werden sollte. Gerade bei Kindern ändern sich Körpergröße, Körpergewicht und mitunter auch das Fahrkönnen. Eine Anfänger-Bindung muss schneller auslösen als etwa die eines Profis.

Wann die meisten Unfälle passieren

Die meisten Unfälle passieren nachmittags und dann, wenn die Piste leer ist. Klingt paradox, ist es aber nicht: Nachmittags sind die Abhänge oft brechend voll – der eigene Energiehaushalt indes ist es nicht mehr: Die Erschöpfung beginnt an den Nerven zu zehren. Die Konsequenz ist Unaufmerksamkeit – und deren Konsequenz wiederum sind meistens Verletzungen. Ein paar Ruhepausen, mit einem Kaffee vielleicht, helfen, das gefährliche Tief gar nicht erst aufkommen zu lassen. Zudem gilt: „Auf leeren Pisten kommen die Geschwindigkeits-Liebhaber hinzu – und rechnen damit, freie Fahrt zu haben“, sagt Sicherheitsexperte König. Unschön, wenn zwei diesen Gedanken gleichzeitig haben. Genau das geschieht immer wieder. Bei fast freier Bahn kommt es daher besonders oft zu Kollisionen. Und, ganz gefährlich: Brillenträger, die ihre Sehhilfe in der Schublade liegen lassen. Einer Umfrage zufolge machen dies 30 Prozent der Brillenträger. Fast ein Drittel! Doch das sollte keinesfalls passieren. Sportbrillen kosten zwar einiges – aber immer noch deutlich weniger als etwa ein einwöchiger Krankenhausaufenthalt.

von Julius Heinrichs

Das Wichtigste in Kürze: 

  • 1) Fitness antrainieren
  • 2) Vor der ersten Abfahrt unbedingt aufwärmen
  • 3) Ausrüstung einmal im Jahr zum Service bringen 
  • 4) Einen Helm tragen. 
  • 5) Für Brillenträger gilt: Die Sportbrille ist ein Muss. 
  • 6) Rückenprotektoren – vor allem bei Kindern äußerst sinnvoll. 
  • 7) Regelmäßig Pausen einlegen.

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