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Das sind Aussichten: Grad recht kommt auf der Aidlinger Höhe das Bankerl, das dem Wanderer einen Blick auf den Riegsee und fast die komplette Alpenkette beschert.  

Schöner schauen

Wintertraum über dem Riegsee

Gerade im Winter ist die Wanderung auf der Aidlinger Höhe zwischen Habach und Riegsee eine aussichtsreiche und sonnige Sache, solange man den Original „Höhlmühle-Rundweg“ etwas abwandelt.

Mag man im Sommer den Weg über die schattigen Waldhänge der Hohen Lüß und Baumberg noch schätzen, freut man sich im frostigen Januar über jeden Sonnenstrahl! Bevor man den Weiler Höhlmühle erreicht, kommt man durch den reizenden Ort Habach, der im 10. Jh. ein Eigenkloster des Bischof Ulrich von Augsburg war. Graf Norbert von Hohenwart gründete sodann 1083 ein Chorherrenstift mit sechs Chorherren. Noch heute prägen die Chorherrenhäuser die Hauptstraße von Habach. Am Startpunkt der Spritztour fällt sofort das schmucke Forsthaus Höhlmühle ins Auge. Es gehörte einst dem Besitzer einer Ölmühle. Dieser ließ nach einem Lotteriegewinn um 1850 das Forsthaus erbauen. Im Laufe der Zeit wurde aus dem Namen „Ölmühle“ die „Höhlmühle“.

Nach dem Forsthaus hält man sich an den geräumten Fahrweg und spaziert Richtung Aidling. Wer das Glück hat, an einem sonnigen Tag nach Neuschnee unterwegs zu sein, ist sofort verzaubert: Bäume im flockigen Wattekleid säumen den Weg, gefolgt von silbrig glitzernden Wiesen. Mittendrin zeigen sich kleine Scheunen mit dicken Schneehauben. Und dahinter versammeln sich weiß gekrönte Gipfel. Während man verzückt dahinschlendert, erreicht man bereits den bäuerlichen Ort Aidling. Schon bleiben die letzten Häuser der Dorfstraße zurück und man steigt über verschneite Weideflächen bergauf. Bald taucht ein markanter Felsen, quasi als Wegweiser auf. Hinter dem Felsen stapft man den langen buckligen Rücken der Aidlinger Höhe hinauf bis zu einer Aussichtsbank neben einer Einfriedung. Das Panorama auf diesem kaum 800 Meter hohen Mugl ist beeindruckend: Direkt gegenüber prangen die überzuckerten Grate des Wettersteingebirges neben den waldigen Gipfeln der Ammergauer Berge und zu Füßen liegt der verträumte Riegsee. Beinahe schüchtern lugen im Südosten die rassigen Laliderer Wände des Karwendelgebirges hervor.

Auf der Gemeinde-Homepage von Habach erfährt man vielerlei über Burgen und Rittertum. Herzöge und Grafen hatten einst große Macht und sie benötigten ständig neue Ritter und junge Männer für den Waffendienst, um ihre Positionen zu sichern und zu erweitern. Während der zahlreichen Kreuzzüge 1100-1250 zogen Ritter und angeheuerte Fußtruppen mit dem Schlachtruf „Gott will es“ in grausame Kriege, um das Heilige Land von den „Ungläubigen“ zu befreien. In der hügeligen Voralpenlandschaft um Habach gab es zwischen dem 10. und 15. Jh. mehrere Burgen. Die von den Grafen von Eschenlohe erbaute, längst verfallene Burg Lichtenegg stand am Nordhang der Aidlinger Höhe. Der Abstieg verläuft eine Etage tiefer. Trotzdem bleibt einem die Alpenrundschau noch bis weit hinunter zu einem Wäldchen erhalten. Der Vorteil des Ausgangspunktes zeigt sich dann vor allem am Ende, wenn sich der durchgefrorene Wanderer im urigen Wirtshaus von innen her aufwärmen kann...

Von Doris Neumayr

AIDLINGER HÖHE (791 M)

ANFAHRT – Auto: A 95 München – Garmisch-P. bis Ausfahrt Sindelsdorf, weiter Richtung Murnach / Habach. Nach ca. 2,5 km rechts nach Habach, im Ort nach ca. 600 m links in die „Höhlmühler Straße“ und weiter bis Höhlmühle, Parkplätze beim Forsthaus Höhlmühle.

TOUR – Gehstrecke insgesamt 7,2 km (Aufstieg 4,2 km, Abstieg 3 km) Gehzeit insgesamt ca. 2,5 Stunden (Aufstieg ca. 1,5 Std., Abstieg ca. 1 Std.); 110 Höhenmeter, asphaltierte Fahrwege und Forstwege, nach viel Neuschnee könnte man die Aufstiegsroute (größtenteils geräumt) auch für den Abstieg nehmen. Verlauf: Vom Forsthaus Höhlmühle wandert man auf einem schmalen, asphaltierten Fahrweg zunächst südwestwärts. Nach wenigen Minuten kommt man an eine Abzweigung und hält sich rechts (Schild: Aidling). Über aussichtsreiche Wiesen und durch einige Baumgruppen zieht ein Fahrweg leicht bergauf in den Ort Aidling. An einer T-Kreuzung geht’s nach rechts (Dorfstraße). Die Dorfstraße mündet nach den letzten Häusern in einen Forstweg, den man aufwärts über Weideflächen folgt. An einer Gabelung (Zwei Schilder: Höhlmühle- Rundweg) hält man sich links.

Bald kommt man zu einem markanten Felsen auf einer Freifläche. Hier dreht man nach links und steigt hinter dem Felsen einen langen meist freien Rücken hinauf. Man wandert am Waldrand entlang nach Westen. Kurz nach einem Drehkreuz erreicht man eine Aussichtsbank neben einer Einfriedung. Zurück folgt man zunächst dem gleichen Weg, vorbei am Felsen, bis zur Gabelung mit den zwei Schildern. Nun wandert man nach Osten (links) über Grasflächen sanft bergab. Dann führt der breite Weg durch einen Wald. Jetzt sollte man sich nicht durch einzelne Traktorenspuren (die im Wald enden) vom Hauptweg abbringen lassen. Unvermittelt kommt man nach einem ausgeprägten Bachgraben an eine Verzweigung. Hier geht’s scharf rechts (rote Punkte) und am Bachgraben entlang. Nachher an einer weiteren Verzweigung hält man sich nochmals rechts abwärts und kommt später an den asphaltierten Fahrweg, den man schon kennt. Hier wendet man sich nach links und spaziert zurück zum Parkplatz.

EINKEHR – Forsthaus Höhlmühle; geöffnet Mi bis So durchgehend, Ruhetage Mo und Di (außer Feiertag); Telefon: 0 88 41 / 96 20; www.forsthaus-hoehlmuehle.de TIPP – Historische Ortsführung der Gemeinde Habach, Geschichte der Chorherrenhäuser und viele längst vergessene Eindrücke vom Leben und Wesen der Vorfahren; Informationen: www.habach.de (Geschichte).

KARTE – Kompass-Karte 7, Murnau, Kochel.

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