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Weiter schauen: Am „Knöbel“, einem Aussichtspunkt an der gleichnamigen Kapelle, die in Wander-Karten als Dietlrieder Kapelle eingezeichnet ist, überblickt man die Alpen vom Wendelstein bis zum Grünten.  

Schongau

Im Zauberwald: Radlrunde durch Kraftorte

Trutzig steht sie, die Basilika von Altenstadt. St. Michael ist die einzige durchgewölbte Kirche der Spätromantik in Bayern, wohl zwischen 1180 und 1220 errichtet.

Die Proportionen sind nicht zufällig: Die Länge des Schiffes entspricht der Höhe der Türme, das Mittelschiff ist doppelt so hoch und breit wie das Seitenschiff. Das ist Kunst in einer seltenen Zeitlosigkeit in einem Ort zeitloser Kraft und Präsenz. Hier wo früher das erste alte Schongau lag, hier wo die Via Claudia Augusta verlief, beginnt eine ganz eigene verwunschene Welt: Schwabsoien ist das anmutige Dorf der Mühlen und Hammerschmieden, das Dorf des Schönachquellgebiets, wo Lichtreflexe im Blätterwald tanzen. Sieben Quellen sind es und man stelle sich vor: Die kleine Schönach hat eine größere Quellschüttung als die Donau. Der Volksmund nennt das Tal „Rosstal“, eine Ablaufrinne des Gletschers, schwer zu bewirtschaften und mit der rührigen Elfriede Ranz kamen ganz spezielle Rasenmäher. Sie züchtet Araber! Den Wüstensöhnen und –töchtern schmeckt's.

Weiter geht es, hinauf auf die Bel Etage nach Sachsenried, wo es leicht ist, einen weiten Blick zu haben – vom Wendelstein bis zum Grünten. Auf’m Knöbel heißt der famose Platz. 867 Meter hoch ist die Aussichtskanzel, von der aus man sich gar nicht sattsehen kann. Die Knöbelkapelle, oder Kapelle „Zum gegeißelten Heiland“, blickt ebenfalls zu Tale. Die Darstellung des Schulterwundenheiland im Kerker geht zurück auf Visionen der heiligen Creszentia von Kaufbeuren.

Weiter durch den Sachsenrieder Forst: Und das ist eine ganz eigene Welt voller Geschichten. Am Anfang war das Wasser oder auch das Fehlen desselben! Im Sachsenrieder Forst rodeten drei Familien den Boden, rangen ihm Waldweiden ab, aber sie hatten kein Wasser. Der Weiler Habratshofen war darauf angewiesen, dass man mühselig über die „Wassersteige“ Wasser aus Ödwang holte. Dank der Chronistin Juditha Wolf leben die Geschichten weiter: „1809 bestand Habratshofen aus 18 Einwohnern, die in drei geschindelten Gehöften lebten. 12 Kühe, 6 Pferde, 4 Kälber, 1 Fohlen. Es waren 18 Menschen, die 1845 wegzogen, als das Forstamt 1841 Waldweiden per Dekret verbot. Habrats-hofen wurde Geisterdorf.

Es ist ein wenig gespenstisch hier. Juditha Wolf weiß, dass viele bis heute ungern durch den Sachsenrieder Forst fahren. Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann? Solche sollen bis heute rumspuken, obwohl es profane Erklärungen gibt: Im 18. Jh. ist die Blütezeit der Meilerköhlerei, Holzkohle wird in den Hammerschmieden gebraucht. Und wenn da mal ein schwarzer Mann aus dem Wald hastete, war er ein Köhler...

Um 1800 hat auch ein Eremit im Wald gelebt, seine Rindenhütte steht noch, wo der Radler heute vorbeifliegt. Wilderer gab es und Wegelagerer im „Finsteren Tal“. Die Fahrzeuge, die dem Zoll in Schwabsoien entkommen wollten, die wagten sich durch das Tal, das bis heute steile Wände trägt. Der Forst schafft magische Plätze, wie auch die Creszentia-Kapelle bei Dienhausen. Berührende Bitten und Danksagungen stehen im kleinen Büchlein, Glaube der keine Bombast braucht, nur eben die Magie des Waldes! Oder den Charme schmucker Dörfer wie Hohenfurch, das Dorf-Venedig mit den vielen Brücklein. Auch hier eine Kapelle: Das Gotteshaus von 1520 ist der hl. Ursula, der Schutzpatronin der Flößer, geweiht. Die Hohenfurcher Flößer dankten hier im Gebet für die gute Heimkehr von den Holztransporten, die über Lech und Donau bis ans Schwarze Meer führten.

Von Nicola Förg

Radtour westlich des Lechs

Anfahrt – Bahn: Stündliche Verbindung von München nach Schongau; Umsteigen in Weilheim; Fahrtdauer: 1:19; Informationen: www.bahn.de. Auto: A 96 München – Lindau, Ausfahrt Landsberg-West. Weiter B 17 bis Altenstadt. Parken an der Basilika.

Tour – Lange Tour für MTB, Trekkingräder; ideal für EBikes; keine Rennräder. Insges.: 45 km bei Bahnanfahrt bis Schongau; 37 km bei Autoanfahrt bis Altenstadt. Bei Bahnanfahrt: Vom Bhf. Schongau entlang Stadtmauer Richtung Schongau West, re. weg Altenstadt, Fahrradweg den Berg hinauf, der Schongauer Straße folgen, Radlbeschilderung Ingenried, Abstecher zur Basilika. An Basilika Einstieg bei Autoanfahrt. Weiter über Schönacherstraße (am Bach entlang) nach Schwabbruck. Dann nach Schwabsoien, Richtung Sachsenried, zum Schönachquellgebiet abbiegen, Abstecher Quellgebiet. Durch das „Tal der Pferde“, am Ende kurzes Stück Wiesenweg, dann re. Sachsenried; Abstecher Aussichtspunkt „Knöbel“, die Straße (Richtung Kaufbeuren) durch Wald bergab bis Wanderparkplatz „Stachus“. Schildern „Welden“ folgen, durch den Forst an Rindenhütte vorbei immer bergab bis zu einer T- Kreuzung (Meilenstein Römerstraße/Brunnen). Re. nach Dienhausen. Kurz vor dem Ort re. Abstecher zur Creszentiakapelle. In Dienhausen re. Richtung Schwabsoien bis zum Dienhauser Weiher. Weiter nach Schwabsoien. Wer will: kurzer Abstecher vorm Ort li. zum Aussichtsplatz (Herdbuch) mit Alpenpanorama. In Schwabsoien li. weg (Radlschilder „Hohenfurch“) entlang des Militärgeländes vom Fliegerhorst bis nach Schwabniederhofen. (Bei Autoanfahrt: Hier direkt zurück nach Altenstadt). Für Zugfahrer: Weiter nach Hohenfurch. Bei Friseur re. durch Radlunterführung unter B 17 hindurch, am Bach entlang, bis Brücke Holz. Abstecher Kapelle St. Ursula nach links. Ansonsten Radlschilder Schongau, nicht den Radlweg direkt neben der Bundesstraße wählen, sondern einen weiter li. durch die Felder, dann re. bis Einzelgehöft. Dort li.; bei Beschilderung „Schongau durch Staffelauwald“ dieser folgen, endet am Bhf. Schongau (Ostseite).

Tipps – 1. Mehr zu Mühlenweg, Hammerschmiede und Kutschenmuseum: www.schwabsoien.de; Mühlenladen: www.proebstl-muehle.de; 2. Holzmagier Georg Bayr, Reitleriedweg 1B, 86987 Sachsenried, Tel. 0173/3672253; 3. Fabrikverkauf Vatter in Altenstadt; www.vatter-v1.de

 

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