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Der Mount Everest

Nach Wirbel um DAV-Touren

Zerstören wir unsere Berge?

München - Der Tourismus erfasst die Natur immer mehr: Actionparks, Kommerz, Klettersteige und neuen Bergbahnen. Der DAV bietet nun Touren auf den Mount Everest an. Zerstören wir unsere Berge?

„Prinzipiell finde ich den Gedanken gut, dass die Menschen in die Natur gehen, denn wenn sie sie schätzen, dann wollen sie sie auch bewahrt wissen“, sagt Extremkletterer Alexander Huber. Das tz-Interview:

Herr Huber, schützen wir die Natur noch angemessen?

Huber: Wir haben uns mit der Zivilisation schon ganz schön breit gemacht. Umso wichtiger ist es, dass wir die wilden Rückzugsgebiete achten und die Natur nachhaltig bewirtschaften.

Was halten Sie von AlpspiX oder der Area 47 in Tirol?

Huber: Das sind vergleichsweise kleine Eingriffe. Natürlich kann man über deren Sinnhaftigkeit diskutieren, aber wirklich problematisch ist beispielsweise die Entwicklung eines neuen Skigebietes. Würde der Plan, die Sonntagshorngruppe im Heutal mit dem Skigebiet Winkelmoos zu verbinden, umgesetzt werden, dann wäre das ein massiver Eingriff, der viel wilde Natur zerstört, da brauchen wir über einen AlpspiX nicht zu reden.

Ischgl liegt malerisch, verkommt aber zum Partyort.

Huber: Der Schaden wäre hier weit weniger schwerwiegend, weil es schon ein Skigebiet ist, das hat eh nichts mehr mit unberührter Natur zu tun.

Und in der Natur wollen die Leute nur noch Superlative?

Huber: Das „Höher, schneller, weiter“ ist allgemein ein gesellschaftliches Phänomen, warum soll es hier anders sein? Es ist eine interessante Frage, ob wir dieses Dogma, dass wir immer weiter wachsen müssen, freiwillig überwinden können. Ich habe aber eher die Vermutung, dass es so lange weiter geht, bis die Menschheit durch den Rückgang der fossilen Brennstoffe Einschnitte hinnehmen muss.

Täuscht es, oder gibt es auch immer mehr Unfälle?

Huber: Die Unfallstatistiken und die Zahl der Toten sind rückläufig. Heute werden häufiger Leute gerettet, das liegt daran, dass man mit Handy leichter die Bergwacht rufen kann. Der Missbrauch dieser Möglichkeit liegt auf der Hand, aber es wäre auch hinrissig zu fordern, das nicht mehr so zu machen. Man sollte aber kritischer hinterfragen, wer den Missbrauch bezahlt. Bringt sich jemand selbst fahrlässig in eine Situation, aus der er gerettet werden muss, dann sollte er die Rettung auch selbst bezahlen.

Im Internet kursieren viele Extremsportvideos – ist Natur nur noch dann cool?

Huber: Das haben wir nicht zu beurteilen, der Mensch sollte selbst entscheiden dürfen, was er gut findet und was nicht. Das ist wie bei der Erziehung. Den Kindern das Fernsehen oder Süßigkeiten vorzuenthalten bringt nichts. Aber man muss ihnen einen bewussten Umgang beibringen. So ist es auch mit der Natur.

IV: M. Müller

Everest-Zoff: Sektionschef verteidigt die DAV-Touren

Wie viel Geschäftssinn kann sich der Deutsche Alpenverein (DAV) leisten, wenn er als Naturschutzbund ernstgenommen werden will? Nach wie vor ebbt die Kritik am DAV nicht ab, weil er über seinen Reiseveranstalter Summit Club Gipfeltouren auf den Everest anbieten will. Aber jetzt erhält der Veranstalter erstmals auch Rückendeckung – und die kommt immerhin vom Chef der größten DAV-Sektion München.

So sagte Günther Manstorfer, der rund 125 000 und damit ungefähr jedes achte Alpenvereinsmitglied vertritt, gestern im Gespräch mit der tz: „Ich glaube schon, dass solche Angebote in einem gewissen Rahmen vertretbar sind.“ Schließlich sei der Summit Club ja auch ein Unternehmen, das wirtschaftlich denken müsse.

Generell, so Manstorfer, lege der Summit Club, anders als viele professionelle Expeditionsagenturen, viel Wert auf Umweltschutz. „Er wird auch am Everest die Leitbilder des Alpenvereins berücksichtigen, davon bin ich überzeugt.“

Der München-Chef des DAV verwies zudem darauf, dass sich der Summit Club nicht in den gewaltigen Andrang auf der nepalesischen Südseite des Everests einreihen wolle. Er plane seine Touren von der tibetischen Nordseite aus. „Dort sind in der Regel nicht solche Menschenmassen am Berg wie auf der nepalesischen Seite. Außerdem ist die Route zum Gipfel etwas anspruchsvoller“, erklärte Manstorfer.

Er verstehe allerdings durchaus, so der Vorsitzende weiter, dass das Everestangebot kontrovers diskutiert werde. In der tz hatten unter anderem der frühere Profi-Bergsteiger Reinhold Messner und der Extremkletterer Stefan Glowacz die Haltung des DAV kritisiert. Glowacz sprach von einem „absolut falschen Signal“. Schließlich habe es sich der DAV zur Aufgabe gemacht, die Bergwelt vor einer zu radikalen Erschließung zu bewahren.

Der Summit Club ist eine 100-prozentige Tochter des DAV, verkauft seit über 50 Jahren Spezialreisen. „Wir lieben die Berge, wir nutzen und schützen sie. Respekt, Verantwortung und Nachhaltigkeit sind unser Wertekompass“, wirbt der Veranstalter auf seiner Homepage. Kritiker wie Messner entgegnen, durch solche Angebote entwickele sich der DAV zu einem Totengräber des Alpinismus.

Andreas Beez

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