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Hinterm Inntal stehen die Stubaier Alpen Spalier: Links die Bergkette der Kalkkögel, rechts die von Gletschern eingerahmte, 3474 Meter hohe Ruderhofspitze.

Die ganz große Schau

Zirler Schützensteig: Hochgebirgsimpressionen ohne Gipfelsturm

Der Zirler Schützensteig verbindet zwei wunderschön gelegene Karwendelhütten: das Solsteinhaus und die Neue Magdeburger Hütte. Wer ihn begeht, genießt eine aussichtsreiche Wanderung – es muss ja nicht immer ein Gipfel sein!

Vom Bahnhof Hochzirl führt der Aufstieg erstmal durch schattenspendenden Wald, ehe im oberen Teil erste Hochgebirgsimpressionen warten. Links überragt die Kuhljochspitze den Weg, vor uns ragt die Erlspitze auf. Den Schuttstrom, der von diesen Karwendelgipfeln kommt, muss man überschreiten, dann ist man bald am Solsteinhaus. Hier kann man die erste große Schau genießen: im Süden die vordersten Ketten der Stubaier Alpen: von den bizarren Kalkkögeln links zu den ersten Eisbergen weiter rechts. Darunter leuchtet die von Gletschern umringte Ruderhofspitze heraus, mit fast 3500 Metern einer der höchsten Stubaier. Vom Solsteinhaus geht es kurz gen Norden. Für einen Moment öffnet sich der Blick auf eine der zentralen Karwendelketten. Dann teilen sich die Wege: Links abzweigend geht es hinauf auf die Solsteingipfel, die den Rahmen einer Tagestour sprengen. Wer auf dem Solsteinhaus übernachtet, kann eine solche Gipfeltour aber durchaus angehen. Unser Steig, der Zirler Schützensteig, quert nun die Flanken des Großen Solsteins.

Schon im Dreißigjährigen Krieg vor fast 400 Jahren wurde dieser Weg, wie eine Tafel später erläutert, angelegt. Auf ihm konnten die Tiroler Schützen heimlich Verstärkung zum strategisch wichtigen Nord-Süd-Übergang am Solsteinhaus schicken, unterhalb dessen nördlich die Schützenschanze an der Kristenalm lag. Heute bietet der Schützensteig einen wahren Aussichtsbalkon. Man muss allerdings auch immer wieder Hand an Felsstellen legen. An einem freien Vorsprung in der Mitte des Steigs ist der Rundblick am eindrucksvollsten: Im Osten zeigen sich links hinter dem waldigen Hechenberg die Zillertaler Alpen mit dem fast 3500 Meter hohen Olperer. Ganz im Westen grüßen die Lechtaler Alpen und ein Teil der Mieminger Kette herüber.

Eine Rast lohnt hier auch deshalb, da nun der schwierigste Abschnitt der Tour folgt. An Drahtseilen geht es eine steile brüchige Rinne hinunter. Wer wirklich trittsicher ist, sollte bei dieser und den folgenden Passagen jedoch keine Probleme haben. Am Ende geht es an Drahtseilen und ein paar Eisenklammern nochmal ein Stück bergauf, doch eine Tafel beruhigt den Wanderer: Nur noch 15 Minuten sind es zur nächsten Stärkung. So haben die Felsen bald ein Ende und über Wiesen erreicht man die Neue Magdeburger Hütte. Der Abstieg ist kurzweilig: Stille Steige wechseln mit Forstwegen, Wald mit Wiesen. Wer öffentlich angereist ist und die Zeit gut geplant hat, kann am Ende bequem in den Zug steigen. Alle anderen müssen erst das steile Sträßchen hinunter und dann den Zirler Berg Richtung Mittenwald wieder hinauf kurven.

Von Christian Rauch 

ZIRLER SCHÜTZENSTEIG

ANFAHRT – A 95 / B 2 München nach Garmisch-Partenkirchen. Über Mittenwald nach Seefeld, dann den Zirler Berg hinunter. Am Ende der Passstraße rechts nach Zirl abzweigen und bald wieder links hinauf nach Hochzirl. Bahn (vorteilhaft!): Die Wanderung startet direkt am Bahnhof Hochzirl an der Bahnlinie München-GAP-Innsbruck.

TOUR – Gehzeit: 5,5 bis 6 Stunden. Höhenunterschied: gut 1000 Meter. Bergwege; einige felsige, teils gesicherte Passagen! Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig! Verlauf: Vom Parkplatz unterhalb des Bahnhofs auf dem erhöhten Fußweg durch die Unterführung. Dem Wegweiser zu den Bergwegen folgend hinauf zum Bahnsteig. An dem Bahnsteig entlang und durch ein Gatter auf Steig (ab hier Wegweiser Solsteinhaus). Später die Forststraße links hinauf. Nach einem Bach auf Steig weiter und vorbei an der Soinalm. Nach einer Geröllreiße hinauf zum Solsteinhaus. Der Beschilderung Neue Magdeburger Hütte folgen und über den Zirler Schützensteig zur Hütte hinüber (gesicherte Felsstellen). Zuletzt durch Wiesen zu einer Alm und rechts hinab zur Neuen Magdeburger Hütte. Der Beschilderung „Kirchberger Alm – Bahnhof Hochzirl“ folgend auf Steig gegenüber der Terrasse und leicht bergauf. Bald bergab und an der Kirchberger Alm rechts auf den Forstweg. Dann links zu den gelben Wegweisern und rechts auf dem Forstweg hinab (Wegweiser Bahnhof Hochzirl). Später rechts ab auf Steig, eine Forststraße rechts haltend queren und wieder auf Steig. Nach einer kleinen Kirche auf der Forststraße links abwärts, im Wald wieder rechts auf Steig Richtung Hochzirl-Bahnhof. Unten an, später oberhalb der Bahnlinie entlang und der Beschilderung folgen. Bei dem Wegweiser „Brunntal Montag Ruhetag“ den Steig Nr. 3 hinauf! Auf ihm zurück zum Bahnhof.

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