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Vom Steinmännchen auf dem Gipfel erscheint dann der Zugspitzgipfel aus nächster Nähe – und erklärt viel Alpingeschichte.

Geschichtenreiche Kraxelei über die Riffelscharte

Wandertour: Die Zugspitze im Visier

Bei wenigen Bergtouren kommt man Deutschlands höchstem Berg so nahe wie bei der Überschreitung der Riffelscharte. Wer dann noch die Südliche Riffelspitze ersteigt, blickt auf fast 200 Jahre Zugspitzgeschichte.

Erste Eindrücke gewinnt man bereits, wenn man an der Haltestelle Riffelriss aus der Zahnradbahn steigt. Frontal blickt man vom Bahnsteig auf die Zugspitz-Nordwand. Im Juni 1895 stiegen hier zwei schneidige junge Männer dem Gipfel entgegen. Friedrich Völcker und Hans Gazert hatten sich vorgenommen, Deutschlands höchsten Gipfel erstmals direkt ab dem Eibsee zu erklettern. Inklusive des Abstiegs über eine andere Route brauchten die Zwei rund 20 Stunden für ihre neue Route! Etwas klettern ist dann auch für uns Wanderer angesagt. Feste Drahtseile und Eisenklammern leiten über plattige Felsen hinauf zur Riffelscharte. Von dort führt ein unmarkierter, aber gut sichtbarer Steig mit einigen Kraxelpassagen hinauf auf die Südliche Riffelspitze. Vom Steinmännchen auf dem Gipfel erscheint dann der Zugspitzgipfel aus nächster Nähe und erklärt viel Alpingeschichte.

Besonders mit Fernglas oder Teleobjektiv erkennt man detailliert den mittlerweile zugebauten Westgipfel, 1820 durch Josef Naus über die Rückseite von Süden erstbestiegen, und links davon das goldene Kreuz auf dem Ostgipfel, auf dem 1823 der Partenkirchner Maurer Simon Resch mit dem „Schaftoni“ als Erste standen. In den 1870er-Jahren wurde die Höllentalwand links unter dem Gipfel erstmals durchstiegen – heute ein viel begangener Klettersteig. Und von vorne, über den schwierigen zerklüfteten Grat der Riffelwandspitzen, erreichten die beiden Einheimischen Franz Resch und Clement Sam 1886 die Zugspitze – mit Nagelschuhen und ohne richtige Seilsicherung! Rechts unter dem Gipfel sehen wir das Sommerschneefeld, über das 1895 das uns schon bekannte Duo Gazert und Völcker geklettert war. Und 1897 fiel der viele Kilometer lange berühmte Jubiläumsgrat, den wir links zur Alpspitze ziehen sehen, einem Erstbegeher „zum Opfer“.

Und die Zugspitzgeschichte hat noch lange kein Ende: Von den beiden Bahnen, deren Seile wir unterhalb des Gipfels erkennen, entstand die rechte Tiroler Bahn 1926, die linke Eibseeseilbahn 1963. Mit Hilfe des riesigen Krans auf dem Gipfel wird letztere gerade durch einen Neubau mit größeren Gondeln ersetzt, der nächstes Jahr abgeschlossen sein soll. Nachdem wir auch den großartigen Eibsee-Tiefblick genossen haben, führt uns der Steig wieder hinab zur Riffelscharte und von dort auf regulärem, teils gesichertem Weg ins Höllental.

Dort erreichen wir die ganz neu erbaute Höllentalangerhütte, wo wir uns stärken und einen letzten Blick zur Zugspitze mit dem glänzenden Höllentalferner werfen können. Auf dem Rückweg ins Tal geht es dann durch die wilde Höllentalklamm. Vor dem Klammausgang lohnt noch ein Blick in das kleine Höllentalmuseum.

von Christian Rauch

Wanderung: Tour über die Riffelscharte

ANFAHRT – Von Norden über die A95 und B2 nach Garmisch-Partenkirchen und Richtung Fernpass. In den Ortsteil Obergrainau, Richtung Hammersbach/Höllentalklamm und zum Wanderparkplatz P2. Öffentliche Anreise: Vom Bahnhof Garmisch an der Bahnlinie München-Innsbruck umsteigen zur Zugspitzbahn und mit ihr direkt bis zum Riffelriss.

WANDERUNG Gehzeit: 5,5-6 Stunden. Höhenunterschied: Aufstieg 680 Meter, Abstieg 1550 Meter. Neben Bergwegen einige Klettersteig-Abschnitte. Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich! Teils steiles Geröll. An der Riffelspitze unmarkierte leichte Kraxelei. In der Klamm Regenschutz ratsam. Vom Parkplatz Richtung Berge und an der Straße nach Hammersbach hinein. Nach der Linkskurve links ab zur Zugspitzbahn-Haltestelle. Fahrkarte am Automaten lösen und mit der Zahnradbahn bis zur Haltestelle Riffelriß fahren (Bedarfshalt, Knopf drücken). Von dort auf Steig bergauf Richtung Höllental/Riffelscharte (bald schöner Blick ins Bayerische Schneekar). Zunehmend steil und anstrengend durch Geröll. Später rechts an den Felsen entlang. Dann über gesicherten Klettersteig bis zur Riffelscharte. Bei dem Steinhaufen links über unmarkierten aber deutlichen Steig bergauf Richtung Riffelspitze. Zunächst an der sanft ansteigenden Kante, dann etwas rechts in die grasige Flanke und nach einem Grathöcker wieder links zu einer Lucke im Grat. Weiter oben schräg rechts hinauf zu Grasrücken (Steinmann). Links hinauf zu den Gipfelfelsen und über diese zum höchsten Punkt mit Steinmann. Vom Gipfel auf der gleichen Route (erst felsiger Grat – dann links auf Grasrü- cken kurz bergab – rechts in die Flanke und links unter der Gratlucke bergab), zur Riffelscharte zurück. Links über den markierten Steig (weiter unten nochmal drahtseilgesicherte Stellen) hinab ins Höllental. Links zur Höllentalangerhütte. Der Beschilderung nach Grainau/Hammersbach folgend talwärts und durch die Höllentalklamm (Tunnel, Stufen und Brücken). Am Klammausgang mit weiterer Einkehrmöglichkeit Eintritt nachzahlen. Beschildert nach Hammersbach hinab, unten links an der Straße zurück zum Parkplatz.

BUCHTIPP – Weitere spannende Bergtouren zwischen Zugspitze und Wildem Kaiser im neuen Buch „Münchner Berge und ihre Geschichte(n)“ von Christian Rauch (Bergverlag Rother).

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