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Und plötzlich steht der Wanderer auf einer weiten Wiese, von der aus man einen schönen Blick auf den Teufelstättkopf und das Laubeneck hat.

Kapellenweg und Waldalm

Stille & Abenteuer: Zwei Wandertouren bei Unterammergau

Während die eine Wanderung auf bequemen Sträßchen verläuft, bleibt man bei der anderen nicht von Matsch verschont. Beiden Runden sind spätherbstliche Stille und eine besondere Landschaft gemein.

Das Anfangsstück vom Wanderparkplatz am Steckenberg aus ist zunächst gleich. Es geht vorbei an der Kapelle am Bergfriedhof, der jungen Gröbl-Kapelle und der über 150 Jahre alten Winkel-Kapelle. Währenddessen blickt man weit über das im Herbstkleid leuchtende Ammertal. 

Dann muss man sich entscheiden. Die bequeme Talrunde führt rechts, an der Scherenauer Laine entlang, dann ins Dörfchen Scherenau mit der Franz Xaver-Kapelle aus dem 18. Jahrhundert. Auf dem Rückweg nach Unterammergau grüßt ein Feldkreuz, bevor der Ort seine stattlichen Häuser präsentiert. Einige sind mit Lüftlmalereien verziert. Vorbei am Dorfmuseum, in dem man vieles zur Unterammergauer Geschichte, vor allem zum langjährigen Broterwerb der Wetzsteinmacherei erfahren kann, erreicht man die schöne Pfarrkirche. Dann ist es noch ein kurzes Stück hinauf und zurück zum Ausgangspunkt. 

Ganz so leicht hat man es auf der Bergrunde nicht. Dafür lockt hier das Abenteuer. Zunächst geht es auf groben Forstwegen an Wildbächen bergauf. Oberhalb eines Waldes endet der breite Weg auf einmal. Ein verwachsener Steig leitet durch eine wilde Landschaft, ehe man wieder Forstwege erreicht. Auf diesen geht es dann erstmal bequem bis zur Waldalm. Die macht ihrem Namen alle Ehre. Die vom Vieh längst verlassenen Wiesen sind von dunklem Fichtenwald umschlossen. Doch wer dem Forstweg bis zum obersten Absatz folgt, einem mit Brombeersträuchern bewachsenen Wiesensporn, genießt plötzlich weite Blicke. Von rund 1140 Metern Höhe aus schaut man links ins Ammertal mit Hörnle, Aufacker und Laber. Oberammergau spitzt hervor, dann der Kofel, dahinter Teile des Estergebirges. Weiter rechts sticht markant das Duo von Teufelstättkopf und Laubeneck hervor: Ersterer mit dem kecken Felszahn, letzteres mit seinem senkrechten Felsabbruch. 

Noch weiter rechts, im Westen, reihen sich die Wachsbichel aneinander, reine Waldberge, die nur die Förster kennen. Nach diesem schönen Rastpunkt beginnt der Abstieg über die Seekapelle. Den kleinen Holzbau, mit überdachter Bank, scheint es schon lange zu geben, mindestens seit 1864. Wann sie genau gebaut wurde, weiß keiner. Früher beteten hier Waldarbeiter und Wetzsteinmacher, bevor sie zu ihrer gefährlichen Arbeit aufbrachen. 

Und auch uns erwartet nun ein Stück Abenteuer: Auf einem verwachsenen Weg geht es bergab, ein Schild warnt explizit vor einer „Sackgasse“. Und in der Tat, am Sickermoosgraben hört der Weg auf. Hier muss man ein kurzes Stück durch den Bach. Doch keine Angst: Im Herbst führt er wenig Wasser, so dass man trockenen Fußes auf den Steinen balancieren kann. Dann muss man einige Meter über einen erdigen Abhang „kraxeln“, bevor sich ein schmaler Pfad durch junge Bäumchen schlängelt. Nochmals wird es kurz steil, Steigspuren schlängeln sich durch Wurzeln und Moos, ehe man wieder einen guten Forstweg erreicht. Der führt rasch ins Tal zurück. Unweit des Parkplatzes und im Ortszentrum laden dann noch Gasthöfe und zwei Museen zum gemütlichen Abschluss.

Von Christian Rauch

Kapellenweg und Waldalm

ANFAHRT – A 95 München – GAP, Ausfahrt Murnau / Kochel. Über Murnau, Bad Kohlgrub, Saulgrub nach Unterammergau. Alternativ A 95 / B 2 bis Oberau. Dann B 23 über Ettal und Ober- nach Unterammergau. Der Beschilderung zum Steckenberglift folgend hinauf zum obersten Wanderparkplatz Richtung Pürschling (gebührenpflichtig).

TOUR – Talrunde; 1,5 bis 2 Std., leichte Wege / Straßen. Bergrunde; 3,5 bis 4 Std., teils unmarkiert, kurz weglos, teils matschig. Trittsicherheit und gute Schuhe nötig! Nicht bei Nebel, nach starkem Regen oder wenn Schnee liegt! Verlauf: Vom rechten Ende der Parkplätze rechts das Sträßchen hinab. Nach der Kapelle/Bergfriedhof links über die Brücke (Kapellenweg), rechts und am Bach entlang. An Teerstraße links, dann wieder links und bergauf. Dann rechts ab (nicht links Ww. Waldalm folgen!). An zwei Kapellen vorbei. Bei Verzweigung mit Holzhütten geht die Talrunde rechts, die Bergrunde links den Forstweg hinauf. Bergrunde: Den Forstweg bergauf, nach großer Brücke bei Holzstadel links auf groben Weg. Wo Forstweg endet, auf grasigem Steig weiter. Leicht bergab, dann bergauf. Nach Jägerstand auf Forstweg rechts, bei breiter Forststraßenkreuzung links. Auf dieser zur Waldalm, an den Hütten vorbei und bergauf. Bei Verzweigung rechts Abstecher zu Aussichtspunkt. Ansonsten bei der Verzweigung links (Schild Seekapelle). Kurz vor der Kapelle mit bläulichem Dach links ab (oder kurz zur Kapelle dann wieder zurück). Dem Schild Sickermoos-Sackgasse folgend auf verwachsenem Weg bergab, unten am Bach entlang. Wo der Weg links biegt und endet, bergab zu Seitenbach, an/in ihm rechts. Wo der Bach vor Baumstämmen rechts biegt links zwei Meter steil hinauf, rechts am Hang entlang und kurz aufwärts auf ebenen Absatz. Geradeaus eben auf Pfad zwischen jungen Bäumen weiter. Bald links bergauf, hinter kleinem bewachsenen Kopf rechts (oberhalb eines Tümpels), dann bergab, über ein Bächlein und geradeaus weglos zu Forstweg. Auf ihm links und immer bergab. Nun entlang des Hinwegs: Wieder kurz auf grasigem Weg, dann auf Forstweg bergab. Bei den Holzhütten rechts bergab, unten zweimal rechts und auf Sträßchen leicht bergauf zum Parkplatz. Talrunde: Bei den Holzhütten dem Kapellenweg rechts folgen (Markierung: blaue Vierecke). Auf Forst-/Fußweg zum Bach. Rechts auf Sträßchen ins Dorf Scherenau. Rechts, an Kapelle vorbei und Richtung U’gau. Fußwegschild zum Ort folgen. Dort geradeaus, am Gasthof Stern und am Museum vorbei. Vor der Kirche rechts (Pfarrgasse). Zweimal halblinks haltend bergauf. Am Ende links zum Parkplatz.

EINKEHR / MUSEEN – Dorfmuseum Unterammergau, Dorfplatz 7, Samstag 17 bis 19 Uhr. Daneben Gasthof Stern. Gasthaus Schleifmühle mit Museum.

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