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Senioren genießen den heißen Sommertag auf einem Bootssteg in Pörtschach am Wörthersee Kärnten Öst

1560 Euro im Schnitt

Rentenparadies Österreich: Was bei den Nachbarn anders läuft

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Österreich ist nicht nur landschaftlich ein Paradies, sondern auch, was die Renten angeht: Im Schnitt liegt das Altersgeld bei unseren Nachbarn um 500 Euro höher als bei uns.

Die Rente ist sicher! Norbert Blüms legendäres Versprechen gilt – in Österreich! Während bei uns das Rentenniveau dramatisch sinkt und damit auch Millionen Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet und brav in die Rentenkasse einbezahlt haben, von Altersarmut bedroht sind, leben unsere Nachbarn in einem Rentenparadies.

1560 Euro erhalten Österreicher, die 2013 in Rente gegangen sind, durchschnittlich von der gesetzlichen Rentenversicherung. Und das 14-mal im Jahr (!). Denn in der Alpenrepublik bekommen Senioren auch Urlaubs- und Weihnachtgeld. Vergleichbare deutscher Neurentner müssen sich im Schnitt mit 1050 Euro begnügen.

Wie weit die Schere auseinanderklafft zeigt auch der Vergleich von zwei Facharbeitern, die jeweils rund 50 000 Euro im Jahr verdienen. Während der Deutsche einmal mit Rentenbezügen in Höhe von rund 2211 Euro rechnen kann, darf sich sein österreichischer Kollege über 2956 Euro im Monat freuen – und das 14- mal. Bei der Jahresrente (41 383 Euro zu 26 539 Euro) ergibt sich ein Unterschied von fast 40 Prozent.

Wie schaffen die Österreicher dieses Rentenwunder?

Dieser Frage sind Wissenschaftler der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und der Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien nachgegangen. Hier ihr Fazit:

In Österreich ist der Rentenbeitrag deutlich höher: Insgesamt fallen dort seit 1988 unverändert 22,8 Prozent an, wovon die Arbeitgeber den größten Batzen mit 12,55 Prozent tragen. In Deutschland liegt der Beitrag (den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Hälfte teilen) derzeit bei 18,7 Prozent. Würde man aber die vier Prozent, die für die Riester-Rente oder die betriebliche Altersvorsorge anfallen können, dazuzählen, wären es ebenfalls 22,7 Prozent. Trotzdem ist das, was unten rauskommt, viel geringer. Die Gründe sind vielfältig: 30 Prozent aller Arbeitnehmer nutzen keine der beiden freiwilligen Vorsorgeformen – auch, weil sie dafür gar kein Geld übrig haben. Außerdem bringt vor allem die Riester-Rente zu geringe Renditen, weil die Zinsen dramatisch gesunken und die Kosten oft zu hoch sind. Das Ziel, die Einbußen bei der gesetzlichen Rente mit einer stärker geförderten privaten und betrieblichen Altersvorsorge auszugleichen, war deshalb nicht zu erreichen. Und das hat fatale Folgen: Denn jetzt sind Millionen Menschen von Alterarmut bedroht.

Dass Deutschlands Rentenzukunft düsterer ist als die Österreichs, hängt allerdings auch damit zusammen, dass die Rentenversicherung durch die Frühverrentungswelle bis Ende der 1990er-Jahre und die deutsche Einheit finanziell belastet wurde. Außerdem profitiert Österreich bereits seit Ende der Neunzigerjahre von der Zuwanderung und damit einer günstigeren demografischen Entwicklung. In Deutschland setzt dieser Effekt erst viel später ein. Außerdem müssen in Österreich auch Selbstständige in die Rentenversicherung einzahlen. Und ohne Einschnitte ging es auch in der Alpenrepublik nicht. Die treffen vor allem gut verdienende Beamte. Deren Versorgung wird schrittweise an die gesetzliche Rente angepasst.

In Deutschland wird immer angeführt, dass sich ein höherer Rentenbeitragssatz negativ auf die Volkswirtschaft auswirken würde. Dieses Argument lässt sich laut der Studie kaum belegen. In Österreich stiegen Bruttoinlandsprodukt, Produktivität und die Erwerbstätigkeit noch stärker als in Deutschland.

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