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Vor dem Bruch mit der CSU: Max Streibl (v.l.) mit seinen Parteifreunden Theo Waigel und Erwin Huber beim Politischen Aschermittwoch 1993. Nach dem schicksalhaften Auftritt folgte bald der Rücktritt.

25 Jahre Amigo-Affäre

„Saludos Amigos!“ - und Max Streibl musste seinen Hut nehmen

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Ein Mann, zwei Wörter: „Saludos Amigos“, grüßte der damalige Ministerpräsident Max Streibl beim Politischen Aschermittwoch in Passau seine CSU-Spezln. 25 Jahre ist das jetzt her. Rückblick auf eine Affäre, die tief blicken ließ.

München – Wer meint, das derzeitige Stimmungstief für die CSU sei beispiellos, hat das Jahr 1993 vergessen. „CSU fällt auf Sympathietief von 39 Prozent“, titelte unsere Zeitung am 22. Februar 1993, nur wenige Tage vor dem Aschermittwoch-Termin, der dem damaligen Ministerpräsidenten Max Streibl endgültig das politische Genick brach.

Die Infratest-Umfrage von damals war nur ein Indiz von vielen, dass die CSU mit sich im Unreinen war. Es waren die Tage der Streibl-Dämmerung. Hinter Streibl scharrte sein Innenminister Edmund Stoiber ungeduldig mit den Füßen. Auch CSU-Parteichef Theo Waigel verharrte in Lauerstellung. Beide ahnten wohl, dass sich Max Streibl, 1988 als Nachfolger des verstorbenen Franz Josef Strauß ins Amt gelangt, nicht mehr lange halten würde.

Das lag wohl daran, dass Streibl damals seit geraumer Zeit von einem Fettnapf in den nächsten stieg. Schon der Auftritt beim Politischen Aschermittwoch 1992 war Streibl gründlich misslungen, hatte er doch gänzlich uncharmant seine damalige Kontrahentin von der SPD, Renate Schmidt, als „Krampfhenne“ und „Mäuschen“ diffamiert. So etwas ist heute nicht einmal der „Altneihauser Feierwehrkapell’n“ erlaubt und kam auch vor 25 Jahren schon nicht gut an.

Die Rede war vom „Männerbiotop“ CSU

Renate Schmidt wurden die Vokabeln beim gleichzeitigen Aschermittwochs-Spektakel der SPD in Vilshofen zugeraunt. „Ich war bass erstaunt“, erinnert sie sich. Sie reagierte mit dem Satz: „Ich suche mir die Herren selber aus, die zu mir Mäuschen sagen dürfen, und Herr Streibl gehört nicht dazu.“ Die Frauen-Union warnte: „Krampfhennen von morgen“ könnten „die Böcke von gestern ablösen“. Vom „Männerbiotop“ CSU war die Rede. Dann kamen weitere Schmutzeleien, wie man heute sagen würde, ans Licht. Erst kaufte Streibl von der Caritas günstig ein Grundstück, dann lobte er den österreichischen Rechtsausleger Jörg Haider als „Hoffnungsträger“.

Anfang 1993 enthüllten „SZ“ und „Augsburger Allgemeine“, dass Streibl auf Kosten des Mindelheimer Flugzeugherstellers Burkhart Grob in den 1980er-Jahren mehrmals in den Urlaub geflogen war – zweimal nach Brasilien, einmal nach Kenia. Streibl war ein persönlicher Freund des Unternehmers. Im Gegenzug, so die Vermutung damals, gab es Starthilfe für die Anschaffung des Höhenaufklärungssystems „Lapas“ durch das Bundesverteidigungsministerium. Bewiesen wurde das nie, die Bundeswehr kaufte das System am Ende nicht. Die „Amigo-Affäre“ aber war ab da in der Welt.

„Ja klar waren die Reisen aus heutiger Sicht ein Fehler“, sagt Streibls Sohn Florian, heute Landtagsabgeordneter der Freien Wähler. Er erinnert sich, dass sein Vater von Parteifreunden zum Urlaub geradezu gedrängt worden sei, schließlich war Grob ein wichtiger Förderer der CSU. „Trotzdem war der Familienrat dagegen“, sagt Streibl. Eigentlich. Dann flog die Familie doch, auch Florian Streibl landete auf der Hacienda Grobs im brasilianischen Niemandsland. „Eigentlich war das eine Farm mit Landepiste für Flugzeuge“, sagt Streibl. „Nix Strand oder so.“

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Fehler einzugestehen, gehörte nicht zu Streibls Stärken 

Fehler einzugestehen, war nicht die Sache des Max Streibl. Im Gegenteil: Durch zwei provokativ gemeinte Sätze schaufelte er sich beim Politischen Aschermittwoch 1993 sein eigenes politisches Grab: „Freunde zu haben, ist das eine Schande in der CSU? Deshalb Saludos Amigos“, schmetterte er in den Saal. „Rund 7000 Zuschauer spendeten Beifall“, meldete damals die Zeitung. Aber der hielt nicht lange an. Rücktrittsforderungen machten die Runde. Streibl wollte nicht, er gehe „ums Verrecken nicht“, schrieb der „Spiegel“. Vom „Dr. h.c. Max Bleibl“ war die Rede. Drei Monate nach seinem Aschermittwochs-Auftritt trat der Oberammergauer dann doch am 27. Mai 1993 entnervt zurück. Sein Nachfolger wurde Stoiber.

Florian Streibl (54), Sohn von Max Streibl, ist heute bei den Freien Wählern.

Über seine politischen Leistungen kann man geteilter Meinung sein. Streibl hatte 1970 als erster Umweltminister Bayerns (und Deutschlands) Schlagzeilen gemacht und war dann ein viel gelobter Finanzminister. Als Ministerpräsident war er der Altlastensanierer der Ära Strauß. So beerdigte er die WAA (Wiederaufbereitungsanlage) in Wackersdorf. Er stutzte auch die Pläne von FJS zum Bau einer gigantischen Bayerischen Staatskanzlei, wenngleich sich über die Ausmaße des „Bayern-Kreml“ („Hamburger Morgenpost“) – angeblich größer als das Weiße Haus – immer noch kräftig lästern ließ.

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In seine Amtszeit fiel die Eröffnung des Flughafens im Erdinger Moos, allerdings auch der „Münchner Kessel“ im Juli 1992. Das war die martialische erkennungsdienstliche Behandlung von 491 Demonstranten, die von der Polizei vor dem Dallmayr in der Münchner Innenstadt beim G7-Gipfel eingekreist und zum Teil misshandelt worden waren. Streibl sprach von „bayerischer Art“. Im Rückblick meint Renate Schmidt heute, im Grunde habe Streibl keinen rechten Plan gehabt, was er mit dem ihm anvertrauten Bayern eigentlich anfangen sollte. Er sei in seiner Region verharrt geblieben. Da sei Stoiber mit seiner Symbiose-Idee von „Laptop und Lederhose“ doch ein anderes Kaliber gewesen.

Schlagartig habe sich die CSU damals von seinem Vater zurückgezogen, sagt Florian Streibl, der drei Wochen nach dem Rücktritt aus der CSU austrat. „Nicht einmal mehr zu Weihnachten und zum Geburtstag“ gab es Glückwünsche. „Das hat meinen Vater gebrochen.“ Max Streibl starb am 11. Dezember 1998 mit 66 nach einem Herzanfall.

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