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Die Festnahme erfolgte durch Beamte des Bundeskriminalamtes mit Unterstützung der GSG 9 und des Landeskriminalamtes. Foto: Paul Zinken

Spur führt zu Amri

Islamist wegen Anschlagsplanung in Berlin festgenommen

Gemeinsam mit einem weiteren Verdächtigen soll er einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant haben. Jetzt wurde der 31-Jährige in Berlin festgenommen. Eine Spur führt zu Anis Amri.

Karlsruhe/Berlin (dpa) - Die Bundesanwaltschaft hat einen 31 Jahre alten Islamisten in Berlin wegen Terrorverdachts festnehmen lassen. Der Mann mit russischer Staatsbürgerschaft soll einen Sprengstoffanschlag geplant haben.

Das teilte die Behörde in Karlsruhe mit. Nach Angaben der Ermittler soll er dieselbe Moschee in Berlin besucht haben, in der auch der Attentäter vom Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, verkehrte.

Die Festnahme des Terrorverdächtigen erfolgte am Mittwoch durch Beamte des Bundeskriminalamtes mit Unterstützung der GSG 9 und des Landeskriminalamtes. Die Ermittler durchsuchten die Wohnung von Magomed-Ali C. Sie wollten herausfinden, wo der Sprengstoff abgeblieben ist. In den Räumen wurde aber nichts gefunden. Zugrunde lag ein Haftbefehl vom 9. August. Der Verdächtige soll an diesem Donnerstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden.

Die Bundesanwaltschaft verdächtigt den 31-Jährigen, gemeinschaftlich mit dem in Frankreich inhaftierten Clément B. eine schwere staatsgefährdende Gewalttat in Deutschland vorbereitet zu haben. Vorausgegangen waren Ermittlungen französischer Strafverfolgungsbehörden gegen Clément B., der am 18. April 2017 in Marseille festgenommen worden war. Der Franzose soll zwei Anschläge geplant haben. Einen in Frankreich mit einem ebenfalls festgenommenen weiteren Mann und einen in Deutschland zusammen mit Magomed-Ali C.

Der beschuldigte 31-Jährige soll nach Angaben der Bundesanwaltschaft am 26. Oktober 2016 in seiner Wohnung in Berlin eine erhebliche Menge des gefährlichen Sprengstoffs TATP gelagert haben. Damit sollte ein Sprengsatz gebaut und an einem unbekannten Ort in Deutschland gezündet werden. Die Anschlagsvorbereitungen seien aber durch die Polizei gestört worden. Beide Männer trennten sich damals aus Angst vor Entdeckung.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur steht die Festnahme nicht im Zusammenhang mit einer akuten Anschlagsgefahr. In Berliner Sicherheitskreisen hieß es, der Verdächtige sei kein Unbekannter gewesen. "Er war auf der Liste der Gefährder." Der Mann sei schon länger im Visier der Sicherheitsbehörden gewesen.

Magomed-Ali C. besuchte nach Angaben der Bundesanwaltschaft die Berliner Fussilet-Moschee, in der auch Anis Amri verkehrte. Auch Clément B. soll sich dort aufgehalten haben. Es könnte sein, dass sich die Männer dort begegnet seien, sagte eine Sprecherin.

Eine Telefonnummer von Clément B. sei unter Pseudonym in Amris Mobiltelefon gespeichert gewesen. Daher wüssten die Ermittler, dass beide Männer Kontakt gehabt hätten. Es gebe aber keine Erkenntnisse, dass Clément B. an Amris Anschlag beteiligt gewesen sei. Ebenso wenig wüssten die Ermittler, ob Amri an den Plänen von Magomed-Ali C. und Clément B. beteiligt war.

Der Tunesier Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert. Elf Menschen starben, viele weitere wurden verletzt. Außerdem hatte Amri den Lastwagenfahrer getötet. Er selbst wurde auf der Flucht in Italien erschossen.

Den mutmaßliche Anschlagsplan der beiden Verdächtigen in Frankreich hatten die Sicherheitsbehörden im April 2017 wenige Tage vor der französischen Präsidentenwahl vereitelt. Ermittler griffen die mutmaßlichen Islamisten im Alter von damals 23 und 29 Jahren in Marseille auf. In einer von Clément B. gemieteten Wohnung wurden Schusswaffen, gut drei Kilo TATP und eine gezeichnete Fahne der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gefunden. Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins sagte damals, eine "gewalttätige Aktion" habe unmittelbar gedroht.

Den französischen Ermittlern zufolge wurde in der Wohnung der Verdächtigen unter anderem eine Maschinenpistole vom Typ Uzi und Material zur Sprengstoffherstellung sichergestellt.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) nannte nach der Festnahme den Schutz der Bürger als oberstes Ziel. "Ich sehe die heutige Festnahme als klares Signal an alle Menschen, die uns angreifen wollen. Wir haben sie im Blick und greifen zu, wenn es möglich ist", teilte Geisel mit.

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