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Bei einem Luftangriff auf Sanaa im Jemen explodiert ein Waffenlager: Saudi-Arabien flog die sechste Nacht in Folge Angriffe auf schiitischen Huthi-Rebellen. Foto: Jaber Ghurab

35 Tote bei saudischem Luftangriff auf Huthis im Jemen

Saudi-Arabien lässt nicht locker: Tag für Tag schickt es seine Bomber zu Kampfeinsätzen gegen die Huthis über die Grenze nach Jemen. Mit dem Blutzoll steigen die Spannungen in der Region.

Sanaa (dpa) - Bei einem Luftangriff der von Saudi-Arabien geführten Sunnitenkoalition auf schiitische Huthi-Rebellen sind im Jemen mindestens 35 Menschen getötet worden.

Kampfjets hätten rund 140 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa einen Kontrollpunkt der Huthis bombardiert, hieß es aus Sicherheitsquellen. 20 Opfer seien Kämpfer der Rebellen gewesen, weitere 15 Zivilisten. Dutzende Menschen wurden demnach bei dem Angriff in der Stadt Jarim verletzt.

Kampfflugzeuge des Bündnisses flogen den sechsten Tag in Folge Angriffe auf die schiitischen Rebellen. Bombardiert worden seien Ziele in Sanaa und im Hafen der Stadt Al-Hudaida, meldete der aus Saudi-Arabien finanzierte TV-Sender Al-Arabija. Die Nachrichtenseite Al-Mashad Al-Yemeni berichtete auch von Angriffen auf Soldaten, die Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh unterstehen. Er ist mit den Huthis verbündet.

Saudi-Arabien und seine arabischen Verbündeten hatten vor rund einer Woche mit Luftangriffen auf die Huthis begonnen. Damit unterstützen sie Jemens Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi, der vor den Rebellen ins Ausland geflohen ist. Die Huthis hatten in den vergangenen Monaten große Teile des Landes unter Kontrolle gebracht und Hadi abgesetzt. Dieser beschuldigt den schiitischen Iran, die schiitischen Rebellen zu unterstützen und für das Chaos verantwortlich zu sein.

Der Iran bestritt allerdings Waffenlieferungen an die Huthis. "Solche Unterstellungen sind grundlos und können daher auch nicht die Angriffe auf den Jemen rechtfertigen", sagte Außenamtssprecherin Marsieh Afcham. Teheran hatte nach Beginn der Luftangriffe vor schwerwiegenden Folgen für die gesamte Region gewarnt.

Das Land ist im Nahen Osten der größte Konkurrent des sunnitischen Königreichs Saudi-Arabien. Am Dienstag schickte der Iran ein Flugzeug mit Hilfsgütern in den Jemen, wie die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete. Der saudische Außenminister Saud al-Faisal sagte, sein Land sei kein Kriegstreiber. "Aber wenn die Kriegstrommeln geschlagen werden, dann sind wir bereit", erklärte er.

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (UNHCR) prangerte die hohe Zahl ziviler Opfer bei den Kämpfen an. Seit dem 27. März seien mindestens 93 Zivilisten getötet und 364 verletzt worden, teilte das UNHCR in Genf mit. Privathäuser, Kliniken, Schulen und andere Infrastruktur seien zerstört worden; viele Menschen seien auf der Flucht. "Wir verurteilen alle Attacken auf Hospitäler und rufen alle Seiten auf, die Zivilisten zu schützen", hieß es.

Am Montag waren bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager im Norden des Jemens mindestens 40 Menschen getötet worden. Lokale Medien berichteten, Flugzeuge des Bündnisses hätten das Lager bombardiert. Rund 200 Menschen wurden verletzt.

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