MAD ermittelt

391 rechtsextreme Verdachtsfälle bei der Bundeswehr

Der Fall des rechtsradikalen Oberleutnants Franco A. war wohl nur die Spitze des Eisbergs: Der Militärische Abschirmdienst geht laut einem Medienbericht 391 rechtsextremen Verdachtsfällen in der Bundeswehr nach.

Berlin - Das gehe aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Parlamentsanfrage hervor, berichteten die Zeitungen der "Funke Mediengruppe" am Freitag. Im laufenden Jahr wurden demnach bereits 286 neue Fälle aufgenommen. Anfang 2017 sei der Bundeswehr-Geheimdienst MAD noch 275 rechtsextremen Verdachtsfällen nachgegangen.

"Bei Neonazis und Reichsbürgern darf es kein Pardon geben“

Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, kritisiert den Umgang der Bundeswehr mit Rechtsextremisten. "Bei Neonazis und Reichsbürgern darf es kein Pardon geben, sie müssen hochkant aus der Truppe fliegen", sagte Jelpke, die die Anfrage gestellt hatte, den Zeitungen. Rechtsextremisten an der Waffe seien "tickende Zeitbomben", sagte sie. "Schon bei einem begründeten Verdacht sollten die Betroffenen bis zu einer Klärung der Vorwürfe keinen Zugang zu Waffen mehr haben." Eine Nachlässigkeit wie im Fall Franco A. dürfe es nicht mehr geben.

Der rechtsradikale Oberleutnant Franco A. war im April enttarnt worden. Er steht im Verdacht, einen Terroranschlag geplant zu haben. Er hatte monatelang ein Doppelleben geführt und sich als "syrischer Flüchtling" ausgegeben. Mit der fiktiven Identität wollte A. offenbar nach einem Anschlag den Verdacht auf Flüchtlinge lenken.

Dem Bericht zufolge haben sich 2017 laut den Regierungsangaben bisher drei rechtsextreme Verdachtsfälle bestätigt. Darunter befinde sich auch ein Wehrübender, der Aktivist der "Identitären Bewegung" gewesen sei. Er musste demnach die Wehrübung beenden.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Landtagswahl 2018 im Stimmkreis Miesbach
Bei der Landtagswahl 2018 in Bayern treten im Stimmkreis Miesbach zehn Direktkandidaten an. Hier finden Sie die wichtigsten regionalen Infos zur Wahl.
Landtagswahl 2018 im Stimmkreis Miesbach
GroKo-Zoff beim „Tag der Industrie“: SPD und CSU packen nach Maaßen alte Asylstreits aus
Beim „Tag der Deuschen Industrie“ bekommt die GroKo viel Unmut ab. CSU und SPD machen nach Maaßen dort weiter, wo sie aufgehört hatten: Mit Streit über altbekannte …
GroKo-Zoff beim „Tag der Industrie“: SPD und CSU packen nach Maaßen alte Asylstreits aus
Österreichs Kanzler kritisiert FPÖ-Warnung vor drei Medien
Für österreichische Medien, die nicht im Sinne der rechten FPÖ berichten, könnte es ungemütlich werden. Das FPÖ-geführte Innenministerium warnt die Polizei vor zu viel …
Österreichs Kanzler kritisiert FPÖ-Warnung vor drei Medien
Merkel dringt auf weitere Entlastung beim Soli
Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) pocht auf eine weitere Entlastung beim Solidaritätszuschlag. Was bis jetzt geplant sei, erscheine ihr ungerecht.
Merkel dringt auf weitere Entlastung beim Soli

Kommentare