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Flüchtlingselend: Mehr als ein Handkarren und ein paar Tüten mit Kleidung ist den Menschen nicht geblieben, die aus dem irakischen Mossul geflüchtet sind. Foto: Khalid Mohammed

Massengrab mit 500 Leichen

40 Prozent Mossuls erobert

Berichte über ein Massaker an Schiiten, Jesiden und Kurden im Badusch-Gefängnis im Nordirak gab es schon lange. Jetzt wurde das Gebäude aus den Händen der IS-Terroristen befreit. Die Milizen machten eine schreckliche Entdeckung.

Mossul (dpa) - Beim Vorrücken gegen die Terrormiliz IS haben irakische Truppen eigenen Angaben zufolge nordwestlich der Millionenstadt Mossul ein Massengrab mit etwa 500 Leichen entdeckt. Die verscharrten Körper seien nahe dem Badusch-Gefängnis gefunden worden.

Eine mit der Regierung verbündete schiitsche Miliz hatte die Anstalt vor wenigen Tagen von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erobert. Unterdessen verkündete die irakische Arme am Sonntag, bereits mehr als 40 Prozent Westmossuls vom IS befreit zu haben. Der IS kontrollierte das Badusch-Gefängnis seit Juni 2014.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) exekutierten die Dschihadisten damals Berichten zufolge 600 Gefangene. Die meisten Opfer des Massakers waren demnach Schiiten, die vorher von den Sunniten unter den Gefangenen getrennt wurden.

Auch inhaftierte Jesiden und Kurden seien unter den Opfern gewesen, wie mehrere Überlebende den Menschenrechtlern von HRW berichteten. Die Männer seien gezwungen worden, am Rande eines ausgehobenen Grabes niederzuknien. Sie seien dann mit Maschinenwaffen hingerichtet worden.

Die sunnitische Terrormiliz betrachtet Schiiten als Abtrünnige und verübt immer wieder Anschläge auf Angehörige dieser Richtung des Islams. Die ethnisch-religiöse Minderheit der Jesiden im Nordirak wurde seit dem Vorrücken der Dschihadisten 2014 den Vereinten Nationen zufolge Opfer eines Völkermordes. Tausende Männer wurden getötet, Frauen versklavt.

In den vergangenen Monaten verlor der IS im Irak jedoch massiv an Boden. Nach eigenen Angaben konnten die Streitkräfte bereits 40 bis 50 Prozent der westlichen Stadtteile Mossuls einnehmen. "Der Sieg ist in Sicht. Die Erklärung der vollständigen Befreiung ist nur eine Frage der Zeit", sagte Generalleutnant Talib Shaghati am Sonntag. Sicherheitskreisen zufolge drangen Spezialkräfte bereits in die dicht bebaute Innenstadt Mossuls ein. Der IS leiste dort heftige Gegenwehr.

Zuletzt eroberten die irakischen Streitkräfte eigenen Angaben zufolge den wichtigsten Bahnhof im Westen Mossuls zurück. Zahlreiche Sprengsätze der Dschihadisten rund um die Haltestelle seien entschärft worden. Einem Sprecher zufolge hätten die Extremisten bei Kämpfen etwa 30 Familien als Geiseln genommen, um sie als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Die Mitte Februar begonnene Offensive gegen den IS im Westen Mossuls kommt offensichtlich gut voran. Die irakischen Einheiten sind teilweise nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die Terrormiliz wäre bei einer Eroberung Mossuls im Irak militärisch weitgehend besiegt.

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