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Amerikaner und Briten weigern sich, der Terrororganisation Islamischer Staat Lösegeld zu zahlen. US-Bürger James Foley könnte deshalb nicht die letzte westliche Geisel sein, die von den Gotteskriegern getötet wird.

Irak und Syrien

4000 Gefangene des Islamischen Staates

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München - Amerikaner und Briten weigern sich, der Terrororganisation Islamischer Staat Lösegeld zu zahlen. US-Bürger James Foley könnte deshalb nicht die letzte westliche Geisel sein, die von den Gotteskriegern getötet wird. Doch auch die Mörder kommen aus Europa.

Das letzte öffentliche Lebenszeichen von Steven Sotloff sprüht vor Lebensfreude: Der Journalist fragt am 3. August 2013 fröhlich in die Twitter-Runde, welche Auswirkungen wohl die Verpflichtung des 2,13 Meter großen Greg Oden für das Basketballteam Miami Heat haben werde. Einen Tag später dürfte der Reporter keinen Gedanken mehr an Sport verschwendet haben. Der 31-Jährige wurde am 4. August 2013 entführt, als er von der Türkei aus in den Norden Syriens reisen wollte. Seitdem war es ruhig um Sotloffs Schicksal. Wie die „Washington Post“ berichtet, wollte seine Familie die Terroristen nicht durch Öffentlichkeit aufstacheln. Nun aber steht Sotloff im Mittelpunkt.

Am Ende des Videos, das die Enthauptung des US-Journalisten James Foley zeigt, präsentiert der Mörder einen weiteren Gefangenen. Steven Sotloff. Dessen Schicksal liege nun in der Hand von Barack Obama, sagt der Terrorist. Werde der Islamische Staat (IS) weiter bombardiert, müsse auch die nächste Geisel sterben. Obama bringt das in eine schwierige Lage (siehe unten).

Sotloff gilt als erfahrener Reporter und Experte für die arabische Welt, der schon länger vom syrischen Bürgerkrieg berichtete. Doch alle Routine scheint in diesem Konflikt nicht zu helfen. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte geht inzwischen von 4000 Gefangenen des IS aus. Etwa 20 von ihnen dürften Amerikaner oder Europäer sein. Offizielle Angaben gibt es nicht. Die „New York Times“ schreibt von mindestens drei US-Bürgern, der „Guardian“ berichtet über einen Dänen und zwei Italienerinnen.

Offenbar hat der IS mit dem amerikanischen Eingreifen im Irak seine Strategie gegenüber westlichen Geiseln geändert. Exekutionen gab es bislang kaum, stattdessen wollte man Lösegeld. Für James Foley sollen bei Vermittlungsversuchen bis zu 100 Millionen Dollar gefordert worden sein. Die US-Regierung fährt aber eine harte Strategie: Sie kauft – ebenso wie die Briten – keine Geiseln frei. Gefangene anderer Länder haben da mehr Glück.

Nicolas Henin zum Beispiel. Der Franzose verbrachte viel Zeit mit dem Amerikaner Foley. Der Unterschied: Henin kam frei, Foley musste sterben. „Wir haben sieben Monate in einer sehr extremen Situation verbracht“, sagte der 38-Jährige jetzt in einem BBC-Interview. „Eine Woche lang waren wir sogar mit Handschellen aneinandergekettet.“ Man habe selbst Essen und Decken geteilt. Doch Henin berichtet auch, dass Foley schon immer einen schwereren Stand hatte. „Als Amerikaner hatten ihn die Wachen auf dem Kieker.“ Heute wirbt Henin für eine Online-Petition, die Obama dazu aufruft, Sotloff zu retten – mit allen Mitteln. Die US-Regierung reagierte auf die wachsende Kritik, indem sie den Befreiungsversuch Foleys bekanntmachte (siehe Kasten).

Die Lösegeldfrage stellt sich den westlichen Regierungen schon seit Jahren. Auch Deutschland dürfte für seine Bürger im Irak oder Jemen schon Geld übergeben haben. Offiziell wird das immer bestritten. Experten lehnen ein solches Vorgehen ab – bei allem Mitleid mit den Betroffenen. Denn: Je mehr gezahlt wird, desto mehr Geiselnahmen gibt es. Nach Recherchen der „New York Times“ nahmen El Kaida und ihre Verbündeten allein in den letzten fünf Jahren 125 Millionen Dollar durch Entführungen ein. Geld, das für Löhne und Versorgung von brutalen Kämpfern benutzt werden dürfte.

Doch nicht nur die Geiseln kommen aus Amerika und Europa. Auch die Terroristen. Der Vermummte, der Foley so grausam ermordete, sprach mit britischem Akzent. Wie der „Guardian“ berichtet, stammt er wohl aus dem Londoner Osten und hat einen Migrationshintergrund. Er ist einer von vermutlich 500 Briten in Syrien – dazu kommen 700 Franzosen, 500 Belgier und mindestens 400 Deutsche. Der Mörder wird von Ex-Geiseln als gebildet und intelligent beschrieben. Er soll sich „John“ genannt haben. Er war Teil einer Gruppe von drei britischen Gotteskriegern. Die Gefangenen nannten sie: die „Beatles".

Mike Schier

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