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Blauhelmsoldaten im südsudanesischen Juba. Foto: Beatrice Mategwa/Archiv

4000 weitere Blauhelmsoldaten sollen Südsudan befrieden

Der jüngste Staat der Welt kommt nicht zur Ruhe. Schwere Kämpfe haben gezeigt, dass die UN-Blauhelmmission im Südsudan überfordert ist. Nun soll eine Aufstockung ein Wiederaufflammen des Bürgerkriegs verhindern.

New York/Juba (dpa) - Der UN-Sicherheitsrat hat die Entsendung von 4000 zusätzlichen Blauhelmsoldaten in den Krisenstaat Südsudan beschlossen.

Sie sollen rasch die überforderte rund 13 500 Mann starke Blauhelmmission Unmiss in dem ostafrikanischen Land unterstützen. Die Soldaten sollen überwiegend aus nahen afrikanischen Staaten wie Äthiopien, Kenia oder Ruanda kommen, wie der Sicherheitsrat am Freitag in New York beschloss.

Sollte die südsudanesische Regierung den Einsatz zusätzlicher UN-Truppen nicht unterstützen, drohen der Führung von Präsident Salva Kiir demnach Sanktionen wie ein Waffenembargo. Der Südsudan reagierte ablehnend auf den Beschluss. Eine Verstärkung der Blauhelme würde den Südsudan quasi zu einem "Protektorat der Vereinten Nationen" machen, sagte Regierungssprecher Ateny Wek Ateny. Der Südsudan sei ein souveräner Staat, der sich eine solche Einmischung verbiete.

Die zusätzlichen Blauhelme sollen nach dem Willen des Sicherheitsrats für Frieden und Stabilität in der Hauptstadt Juba und dem Flughafen sorgen. Zudem sollen sie wichtige Einrichtungen und Flüchtlingslager bewachen. Die Unzulänglichkeit der bisherigen Friedensmission hat sich im Juli gezeigt, als in Juba schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und früheren Rebellen ausbrachen. 

Hunderte Zivilisten wurden getötet, viele weitere wurden verletzt, und es kam zu zahlreichen Vergewaltigungen. Auch Lager und Gebäude der Unmiss-Mission in Juba kamen unter Beschuss, es gab jedoch keine nennenswerte Gegenwehr oder militärisch Versuche, die Kämpfe in der Stadt zu befrieden. Menschenrechtler warfen den UN Versagen vor. 

Der ölreiche Südsudan wurde erst vor fünf Jahren unabhängig. Doch schon Ende 2013 stürzte der jüngste Staat der Welt in einen schweren Konflikt. Ein Machtkampf zwischen Präsident Kiir und seinem Stellvertreter Riek Machar führte zu einem blutigen Bürgerkrieg. Zehntausende wurden getötet. Rund 2,3 Millionen Menschen flohen vor der Gewalt. Etwa vier Millionen Menschen sind in diesem Jahr nach UN-Angaben akut von Hunger bedroht - das entspricht etwa einem Drittel der Bevölkerung des Südsudans. 

Ein Friedensabkommen vom vergangenen Jahr sollte das Land endlich mit Hilfe einer Einheitsregierung stabilisieren. Die neuerliche Gewalt im Juli hat diese Hofnungen jedoch zunächst zerstört. Zehntausende sind seither außer Landes geflohen. 

Mit der Resolution vom Freitag verlängerte der Sicherheitsrat auch das Mandat der bestehenden Unmiss-Mission bis Mitte Dezember. Die bisherigen Truppen kommen unter anderem aus Indien, Nepal, Äthiopien, China, Kenia und Ghana. Wie schnell die zusätzlichen Blauhelme ins Land kommen sollen, blieb zunächst unklar.  

Informationen zu Unmiss

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