+
Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (r) steht im Januar 2017 vor der Baustelle einer Asylbewerberunterkunft in Neuenstein. Auf das Gebäude war ein Brandanschlag verübt worden. Foto: Jan-Philipp Strobel

Hohe Zahlen trotz Rückgangs

624 Übergriffe auf Asylbewerber im ersten Halbjahr 2017

Berlin (dpa) - Im ersten Halbjahr 2017 hat es 642 Übergriffe auf Asylbewerber außerhalb von Flüchtlingsunterkünften gegeben. 123 Personen wurden verletzt.

Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach wurden im ersten Quartal 318 solcher Vorfälle registriert, im zweiten Quartal 324. Darunter sind viele Beleidigungen und verbale Attacken, aber auch Körperverletzungen.

Insgesamt ging die Zahl gegenüber dem ersten Halbjahr 2016 damit deutlich zurück. Damals wurden mehr als 1500 Übergriffe auf Asylbewerber außerhalb von Unterkünften registriert.

Die Linke-Innenexpertin Ulla Jelpke beklagte jedoch, auch wenn die rassistische Angriffswelle aus den Jahren 2015/2016 abgeebbt sei, scheine sie sich jetzt "auf einem immer noch unerträglichen Niveau" einzupendeln. "Immer noch werden Flüchtlinge täglich von Nazis und Rassisten bedroht", beklagte sie. Das bleibe eine Herausforderung.

Auch die Zahl der Übergriffe auf Asylunterkünfte ging zurück. Das Bundeskriminalamt hatte dazu bereits Ende Juni vorläufige Halbjahrszahlen vorgelegt. Inzwischen gab es ein paar Nachmeldungen. Laut aktueller Aufstellung wurden in den ersten sechs Monaten 153 solcher Übergriffe erfasst. Im ersten Halbjahr 2016 waren es 706 gewesen. Jelpke mahnte, es gebe keinen Grund zur Entwarnung. "Dass es weniger Angriffe auf Unterkünfte gibt, darf einen nicht beruhigen." Für die Betroffenen sei der Zustand unzumutbar, ebenso für die Gesellschaft. "Meine Sorge ist der Gewöhnungseffekt gegenüber dieser alltäglichen Bedrohung und Gewalt durch Nazis."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Russlands neuer US-Botschafter steht auf EU-Sanktionsliste
Moskau - Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Vize-Außenminister Anatoli Antonow zum neuen Botschafter in den USA ernannt. In der EU gilt der Diplomat jedoch …
Russlands neuer US-Botschafter steht auf EU-Sanktionsliste
Merkel oder Merkel - Alternativlosigkeit als Thema bei „Anne Will“
Fünf Wochen vor der Bundestagswahl sehen alle aktuellen Umfragen die Union deutlich vor der SPD. Ist die Wahl damit bereits entschieden? Diese Frage wurde in der …
Merkel oder Merkel - Alternativlosigkeit als Thema bei „Anne Will“
Attentäter wird in ganz Europa gesucht
Die Terrorzelle von Katalonien wollte möglicherweise auch die Basilika Sagrada Familia in die Luft jagen. Die Mitglieder der Gruppe sind nach Erkenntnissen der Behörden …
Attentäter wird in ganz Europa gesucht
Berlin strikt gegen Auslieferung Akhanlis - Autor ist beunruhigt
Die Bundesregierung, die EU-Kommission - und der Betroffene selbst: Kaum jemand kann sich vorstellen, dass Dogan Akhanli tatsächlich an die Türkei ausgeliefert wird. …
Berlin strikt gegen Auslieferung Akhanlis - Autor ist beunruhigt

Kommentare