Breite Zustimmung

83 Prozent der Deutschen für die Homo-Ehe

Berlin - Eine klare Mehrheit der Deutschen befürwortet eine rechtliche Gleichstellung bei der Ehe für Lesben und Schwule - aber nach wie vor hält eine Minderheit Homosexualität für "unnatürlich".

Wie eine am Donnerstag in Berlin von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes veröffentlichte repräsentative Studie ergab, sagten 83 Prozent der Deutschen, eine Ehe zwischen zwei Frauen oder zwei Männern sollte erlaubt sein. 18 Prozent gaben demnach aber an, sie hielten Homosexualität für "unnatürlich".

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, erklärte: "Die Zustimmung zur Gleichstellung bei der Ehe war noch nie höher - das zeigt, dass die Gesellschaft hier viel weiter ist als die Politik." Sie nannte es ein "trauriges Zeichen", dass es in Deutschland anders als in 14 Staaten Europas noch immer keine "Ehe für alle" gebe. "Wir brauchen eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und die vollständige rechtliche Gleichstellung, auch bei der Adoption", forderte Lüders.

Drei Viertel der Deutschen halten es der Befragung zufolge für richtig, wenn homosexuellen Paaren genauso wie heterosexuellen Paaren erlaubt wird, Kinder zu adoptieren. Außerdem befürworten rund 90 Prozent das Ziel, in Schulen Akzeptanz gegenüber homo- und bisexuellen Menschen zu vermitteln.

Allerdings zeigte die Befragung ein gemischtes Bild bei den Einstellungen zur Homosexualität. So bezeichneten es fast alle Befragten - 95 Prozent - als gut, dass homosexuelle Menschen vor Diskriminierung geschützt sind. Aber 38 Prozent finden es "sehr" oder "eher" unangenehm, wenn zwei Männer in der Öffentlichkeit ihre Zuneigung zeigen und sich etwa küssen, bei einem lesbischen Paar sind dies 27,5 Prozent.

Je näher das Thema Homo- und Bisexualität an den persönlichen Lebensbereich rückt, desto skeptischer zeigten sich die Befragten außerdem. Sind Arbeitskollegen homosexuell, stört dies nur einen kleinen Teil. 11,8 Prozent finden es "sehr" oder "eher" unangenehm, wenn eine Kollegin lesbisch ist, bei einem schwulen Kollegen sind dies 12,6 Prozent. Bei den eigenen Kindern fänden es dagegen 39,8 Prozent der Befragten unangenehm, wenn die eigene Tochter lesbisch ist und 40,8 Prozent unangenehm, wenn der Sohn schwul ist.

Die Umfrage ist der Auftakt des von der Antidiskriminierungsstelle unter dem Titel "Gleiches Recht für jede Liebe" ausgerufenen Themenjahrs für sexuelle Vielfalt. Das Sozialwissenschaftliche Umfragezentrum befragte etwa 2000 Menschen ab 16 Jahren für die Studie. Diese ist Teil einer umfassenden Studie zur Haltung in der Bevölkerung gegenüber homosexuellen Menschen, die im Frühjahr vorgelegt werden soll.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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