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Thomas Prinz hat sich auf einer Autobahn als Polizist ausgegeben und einen Autofahrer aus dem Verkehr gewunken (Symbolbild).

Audi angehalten

AfD-Stadtrat spielt mitten auf der Autobahn Polizist - doch es wird noch verrückter

Thomas Prinz ist frisch gewählter AfD-Stadtrat in Freital. Jetzt musste er sich vor Gericht verantworten, weil er sich als Polizist ausgab - und nicht nur das.

Meißen/Freital/Sachsen - Bei Michael D. hat die Aktion vermutlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Der 59-Jährige ist am 4. November 2016 mit seinem Audi auf der A13 Richtung Dresden unterwegs. Bei Radeburg überholt er einen Mercedes. Kurz darauf wird in dem Wagen hinter ihm eine rot leuchtende Anhaltekelle aus dem Fenster gehalten, man bittet ihn auf den Standstreifen. D. hält an, wird von einem Autobahnpolizisten angesprochen. 

Nur: Der Beamte war gar kein Polizist - sondern ein AfD-Stadtrat aus Freital. Er heißt Thomas Prinz, ist 47 Jahre alt und musste sich nun wegen Amtsanmaßung und Nötigung vor dem Amtsgericht in Meißen verantworten, wie Tag24 und Bild berichten.

AfD-Stadtrat auf der A13: Falscher Polizist kommt Autofahrer komisch vor

Bauarbeiter Michael D., der Audi-Fahrer, der Prinz damals überholt hatte und dann von ihm angehalten worden war, erzählt, was sich damals auf der Autobahn zugetragen hat. „Er gab sich als Autobahnpolizist aus, erklärte mir, dass er das nächste Mal seine Kollegen informieren müsse.“ 

Der angebliche Beamte habe kurz seine Dienstplakette gezeigt, sei dann jedoch wieder abgedreht. Die Sache sei ihm komisch vorgekommen, daher habe er den Vorfall der Polizei gemeldet, erzählt Michael D.

Kurioser Vorfall auf der A13: AfD-Stadtrat wäre beinahe nicht verurteilt worden

Vor dem Richter erklärte AfD-Mann Prinz: „Wenn ich mich strafbar gemacht habe, gab ich das immer zu. Aber das war ich nicht.“ Das glaubte ihm der Richter allerdings nicht und brummte ihm am Dienstag eine Geldstrafe von 3000 Euro auf. Obendrauf kommen die Prozesskosten, die er zahlen muss.

Und das, obwohl das Verfahren fast eingestellt worden wäre. Prinz ist Rentner mit Schwerbehindertenausweis und galt lange als verhandlungsunfähig. Der Prozesstermin sei immer wieder geplatzt, so berichtet es Tag24.

Doch dann las der Richter in der Zeitung, „dass Sie bei AfD-Wahlveranstaltungen zugegen waren und bei einem Feuer in Ihrem Garten, der aber nicht in Freital ist“, sagte er zu Prinz. Der will nun in Revision gehen: ‚Ich lasse mich nicht fertig machen, nur weil ich für die AfD bin‘.“

AfD-Stadtrat saß mehrfach in Haft: Zuhälterei, Steuerhinterziehung, Gewalt

Prinz saß bereits mehrmals in Haft, ist mehrfach vorbestraft und unter anderem wegen zahlreicher Fahrten ohne Führerschein, schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung, Zuhälterei und Steuerhinterziehung verurteilt.

Und es könnten weitere Verfahren auf ihn zukommen. Im Prozess kam nicht nur heraus, dass er eine Straftat vorgetäuscht, sondern auch, dass er sich unter anderem als Gerichtsmediziner ausgegeben haben soll.

Ein Polizist erzählte im Zeugenstand, dass Prinz Anzeige erstattet habe, weil ihm das Tablet geraubt worden sei. „Er zeigte uns sogar den angeblich arabischen Täter, der beinahe in U-Haft gegangen wäre.“

AfD-Stadtrat gab sich nicht nur als Polizist aus

Nur: „Mit dem Tablet wurde aber noch nach der angeblichen Tat telefoniert. Wir fanden es dann bei der Hausdurchsuchung bei Herrn Prinz ...“, so der Beamte weiter. Der beschuldigte Araber soll damals laut Bild-Informationen bereits beim Haftrichter gesessen haben.

Zudem schnitt der Richter einen weiteren Punkt an: In der Wahlwerbung der AfD und in der offiziellen Ausschreibung soll sich Prinz als Gerichtsmediziner ausgegeben haben. Vor Gericht erklärte er jedoch: „Ich habe den Abschluss achte Klasse, habe Schuhmacher gelernt. Später habe ich Leichenwagen gefahren und war Sektionshelfer im Gerichtsmedizinischen Institut.“

Auch andere Vertreter der AfD machen derzeit auf sich aufmerksam: Eine Bundestagsabgeordnete der Partei verflucht auf Twitter den Tag von Angela Merkels Geburt - und bekommt Kontra von einem Comedian. Ein Ex-General der Bundeswehr soll für die AfD für die Oberbürgermeisterwahl in Hannover antreten. Und AfD-Gründer Bernd Lucke kehrt zum Wintersemester an die Uni Hamburg zurück.

thh

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