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Der an den Pariser Attentäter beteiligte Islamist Salah Abdeslam besaß Unterlagen zu einem deutschen Atomkraftwerk. Diese seien nach Medienberichten in seiner Wohnung gefunden worden.

Unterlagen in Abdeslams Wohnung entdeckt

Hatten Paris-Attentäter deutschen Atom-Reaktor im Visier?

Berlin - Was planten die Paris-Attentäter noch? In der Wohnung Salah Abdeslams sollen Artikel zum Kernforschungszentrum in Jülich gefunden worden sein - und Fotos von deren Vorstandschef.

Der an den Pariser Anschlägen beteiligte Islamist Salah Abdeslam soll einem Bericht zufolge Unterlagen zum nordrhein-westfälischen Atomforschungszentrum Jülich in seiner Wohnung aufbewahrt haben.

Neben ausgedruckten Internet-Artikeln zu der Kernforschungsanlage seien auch Fotos von deren Vorstandschef Wolfgang Marquardt gefunden worden, berichten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) unter Berufung auf Mitglieder des Parlamentarischen Kontrollgremiums.

Ähnliche Informationen zur angeblichen Ausspähung eines belgischen Atomforschers hatten schon vor Wochen die Debatte über möglicherweise drohende Anschläge auf Atommeiler befeuert.

Der Bericht bezieht sich auf die Wohnung Abdeslams in der als Islamistenhochburg geltenden Brüsseler Gemeinde Molenbeek. Dort wurde der Franzose kurz vor den Brüsseler Anschlägen vom 22. März gefasst. Abdeslam gilt als Schlüsselfigur bei den Ermittlungen zur Pariser Terrorserie mit 130 Todesopfern am 13. November. Sein Bruder Brahim sprengte sich damals als Selbstmordattentäter in die Luft, Abdeslam zündete seinen Sprengstoffgürtel nicht.

Laut dem RND-Bericht soll Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen mehrere Mitglieder des Bundestags-Kontrollgremiums Ende März in streng vertraulichen Vier-Augen-Gesprächen über den Fund in Abdeslams Wohnung unterrichtet haben. Kanzleramt und Innenministerium erklärten demnach, keine Informationen zu dem Sachverhalt zu haben.

Vor Brüssel-Anschlägen belgischen Atomforscher ausspioniert?

Nach den Bombenexplosionen in Brüssel mit 32 Todesopfern war berichtet worden, die Attentäter hätten auch einen belgischen Atomforscher ausspioniert und Filmaufnahmen seiner Wohnung gehabt. In der Folge wurde darüber spekuliert, dass von dem observierten Fachmann womöglich radioaktives Material für eine sogenannte schmutzige Bombe erpresst werden sollte.

Unmittelbar nach den Brüsseler Anschlägen waren zudem im belgischen Atomkraftwerk Tihange alle Mitarbeiter, die nicht unbedingt gebraucht wurden, nach Hause geschickt worden. Angeblich sollte so das Risiko minimiert werden, dass sich gefährliche Personen auf dem Gelände aufhalten. Bekannt wurde auch, dass ein Dschihadist als Mitarbeiter einer externen Dienstleistungsfirma jahrelang im Hochsicherheitsbereich des belgischen Kernkraftwerks Doel arbeitete, bevor er als IS-Kämpfer nach Syrien reiste und dort starb.

Explosionen in Brüssel: Eine Stadt steht unter Schock

Die deutschen Atomkraftwerke sind nach Darstellung des Bundesumweltministeriums zwar umfassend gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter geschützt, zu denen auch Terrorangriffe zählen. Aus Sicht der Umweltorganisation BUND hingegen sind die Meiler nicht ausreichend gegen Terrorangriffe abgesichert. So schütze die vorgesehene Vernebelung der Gebäude, die gezielte Attacken aus der Luft verhindern soll, die Reaktoren nur minimal.

dpa

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