Ein Transplantationsmediziner hält in der Pathologie des Südstadt-Klinikums ein Herz in den Händen. Foto: Bernd Wüstneck
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Ein Transplantationsmediziner hält in der Pathologie des Südstadt-Klinikums ein Herz in den Händen. Foto: Bernd Wüstneck

Jeder soll entscheiden

Abgeordnete für neue Organspende-Regeln

Mehr als 9000 Schwerkranke warten auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Doch viele Menschen erklären sich nicht zur Spende bereit. Nun nimmt die Debatte über neue Regeln Fahrt auf.

Update vom 16. Januar 2019: Der Bundestag entscheidet darüber, wie die Organspende zukünftig gesetzlich geregelt wird. Die Fraktionsdisziplin wurde für diese Entscheidung bei den Parteien ausgesetzt.

Berlin (dpa) - Die Menschen in Deutschland sollen nach dem Willen mehrerer Abgeordneter über ihre Bereitschaft für eine Organspende entscheiden müssen. So soll dem Mangel an lebensrettenden Spenderorganen begegnet werden.

An diesem Montag wollen Abgeordnete von Union, SPD und Linken ihren Gesetzentwurf für eine solche sogenannte Widerspruchslösung in Berlin vorstellen. Jeder könne plötzlich auf ein Spenderorgan angewiesen sein, argumentierte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Kurznachrichtendienst Twitter. "Will man nicht spenden, sollte man trotzdem zumindest widersprochen haben." "Spiegel Online" hatte zuerst darüber berichtet.

Vorgesehen ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in dem Entwurf, dass alle Personen ab 16 Jahren ausführlich informiert und als Spender registriert werden - außer sie widersprechen. Sie sollen ihre Entscheidung auch jederzeit revidieren können.

Heute gilt dagegen die sogenannte Entscheidungslösung, nach der jeder zu Lebzeiten die Möglichkeit hat, sich für den Fall eines Hirntods für eine Organspende zu entscheiden und dies etwa in einem Organspendeausweis zu dokumentieren. Eine Pflicht zur Entscheidung besteht bislang nicht.

Der Bundestag will ergebnisoffen und ohne Fraktionszwang über eine Neuregelung zur Organspende abstimmen. Eine Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock will, dass bei der Vergabe eines Ausweises oder Reisepasses die Frage nach einer Organspende-Bereitschaft gestellt wird. Andere sind für die Beibehaltung der jetzigen Regelung.

Für die Widerspruchslösung ist auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU); er will den Gesetzentwurf am Montag mitpräsentieren. Spahn handele dabei als Abgeordneter, sagte ein Ministeriumssprecher. Informationen über den Gesetzentwurf wollte der Sprecher nicht bestätigen.

Die Linke-Abgeordnete Petra Sitte, die sich ebenfalls für die Widerspruchslösung einsetzt und den Entwurf am Montag mitpräsentieren will, sagte der dpa: "Es ist den Menschen zuzumuten, eine solche Frage gestellt zu bekommen und sie zu beantworten."

Seit Jahren herrscht ein Mangel an Spenderorganen. In Deutschland standen zuletzt 9400 Patienten auf den Wartelisten für eine Organtransplantation. Erstmals seit 2010 war die Zahl der Organspender im vergangenen Jahr wieder gestiegen. 955 Menschen spendeten nach ihrem Tod ihre Organe für schwerkranke Patienten. Im Vergleich zu 2017 ist dies eine Steigerung von knapp 20 Prozent.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, wandte sich gegen eine Widerspruchsregelung. Diese setze darauf, dass der Bürger sich mit der Organspende nicht beschäftige und schweige. "Denn über Sterben und Tod nachzudenken, macht Angst", sagte Brysch der dpa. "Die bewusste Entscheidung für die Organspende wird faktisch abgeschafft."

Rechtliche Grundlagen von Organspenden in Deutschland

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