Reporter begleitete ihn

Togolese aus Ellwangen: So ergeht es ihm nach der Abschiebung nach Italien

Seine Abschiebung geriet zu einem Polizei-Großeinsatz - und zum Skandal. Mittlerweile ist Yussif O. nach Italien zurückgekehrt. Eine Wochenzeitung hat ihn begleitet.

Ellwangen/Rom - Es war der große Aufreger Anfang Mai - und ein Fall, an dem sich viele Probleme und Härten rund um das deutsche Asylrecht kristallisierten: Die geplante erste Abschiebung eines Togolesen aus einer Einrichtung in Ellwangen hatten Flüchtlinge verhindert. Tage später kam die Polizei mit einem Großaufgebot aus hunderten Beamten, um die Entscheidung durchzusetzen. 

Am 15. Mai wurde der Mann schließlich nach Italien abgeschoben, in jenes Land, das laut Dublin-Abkommen für ihn zuständig ist. „Yussif O. ist psychisch krank. Für ihn bedeutet es den Tod, wenn er nach Italien zurück muss“, hatte ein Flüchtling im Gespräch mit der Welt gewarnt.

Keine Rückkehr nach Deutschland - sondern nach Afrika

Wie es dem Togolesen nach der Abschiebung ergangen ist, ist nun bekannt geworden. Ein Reporter der Wochenzeitung Die Zeit hat ihn nach Italien begleitet. Und zumindest so viel ist sicher: Yussif O. ist nach wie vor am Leben.

Eine erste Überraschung gab es offenbar am Ankunftsort in Mailand. Dort sei der Mann von den Behörden an die Botschaft von Ghana verwiesen worden - denn tatsächlich sei er nach eigenen Angaben Staatsbürger Ghanas und nicht des Togo. 

Flüchtlingsstatus besitzt O. dem Bericht zufolge in Italien nicht mehr. Deshalb lebe er nun in einem Zeltlager in Mailand, ohne Anspruch auf finanzielle Unterstützung.

Mittlerweile wolle der Mann nach Afrika zurückkehren - nicht in das Togo, sondern nach Ghana. Die Finanzierung der Heimreise sei allerdings noch unklar. Er habe keine Möglichkeit, die Heimreise anzutreten, sagte O. dem Blatt. Berichte hatten nahegelegt, dass er theoretisch sogar recht einfach nach Deutschland zurückkehren könnte.

Fall sorgte für heftige Debatte - inklusive Dobrindt-Aufreger

Der Mann aus Togo war in Italien erstmals als Flüchtling registriert worden und reiste später weiter nach Deutschland. Damit ist nach dem Dublin-Abkommen Italien für seinen Asylantrag zuständig. Mit einer Verfassungsklage hatte der Togolese versucht, die Abschiebung zu verhindern. Das Gericht erklärte die Verfassungsbeschwerde "mangels ausreichender Begründung" allerdings für unzulässig.

Der Fall sorgte für besondere Aufmerksamkeit, weil vor rund zwei Wochen dutzende Flüchtlinge in Ellwangen gewaltsam die Abschiebung des Togoers zunächst verhindert hatten. Wenige Tage darauf rückte die Polizei mit einem Großaufgebot aus hunderten Beamten in die Unterkunft ein, um die Abschiebung durchzusetzen - eine Flüchtlingsorganisation sprach von einem „bürgerkriegsähnlichen Polizeieinsatz“.

Der 23-Jährige und weitere Asylbewerber wurden festgenommen. Er saß in der Folge in Abschiebehaft. Bei den Vorfällen in Ellwangen habe O. sich aber nichts zuschulden kommen lassen, teilte sein Anwalt der Zeit mit.

In diesem Zusammenhang war auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt mit Äußerungen über das Asylrecht in die Kritik geraten. Er hatte eine "aggressive Antiabschiebeindustrie" beklagt, welche die Bemühungen des Rechtsstaats sabotiere.

Lesen Sie bei merkur.de* auch: Cem Özdemir: „Die, die tatsächlich gehen sollten, bleiben zurzeit im Land“

fn/AFP

Rubriklistenbild: © dpa / Stefan Puchner

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