+
Margarete Bause zog 1986 zum ersten Mal in den Bayerischen Landtag ein.

Reicht es für den Bundestag?

Abschied aus dem Landtag: Margarete Bause, die grüne „Koryphäe“

  • schließen

München - Sie sah vier Ministerpräsidenten kommen und gehen: Margarete Bause. Doch nach 13 Jahren scheidet die dienstälteste Fraktionsvorsitzende aus dem Amt. Eine kleine Rückschau.

Aus gegebenem Anlass hat Margarete Bause mal ein bisschen Buch geführt: Drei Ministerpräsidenten, vier CSU-Fraktionschefs, fünf Partner in der Grünen-Doppelspitze – alle hat sie politisch überlebt. Sie gingen oder wurden gegangen, Bause blieb. „Ich bin die dienstälteste Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag“, sagt sie und muss dabei lachen. Mehr als 13 Jahre stand die 58 Jahre alte Politikerin an der Spitze der Grünen-Fraktion.

Diese Woche ist Schluss. Am Mittwoch wählt die Fraktion eine neue Chefin. Bisher einzige Kandidatin: die Münchnerin Katharina Schulze. Sie soll den Platz an der Seite von Co-Fraktionschef Ludwig Hartmann einnehmen – was Bause ausdrücklich befürwortet: „Katharina Schulze ist meine Wunschnachfolgerin.“ Bause will sich nach Berlin verabschieden. Wenn alles läuft wie geplant, wechselt sie im Herbst in den Bundestag.

Unvergessen: Bauses Einzug mit dem Sonnenblumenstrauß

Wohlgemerkt: wenn! In Umfragen kommen die Grünen nur noch auf sieben Prozent. Für Bause würde das nicht reichen. Die Grünen platzierten sie nur auf Platz neun der Landesliste. Damit sie in den Bundestag einzieht, müsste die Partei auf acht bis neun Prozent kommen. Schafft sie es nicht, würde sie auch 2018 in Bayern nicht kandidieren, sagt Bause. Ihre politische Karriere wäre wohl beendet.

So oder so geht für die Ur-Grüne mit den roten Locken ein langer Karriereabschnitt zu Ende. Es gibt nur noch wenige im Landtag, von denen man das Gefühl hat: Irgendwie waren sie schon immer da. Bause ist eine davon. 1986 zogen die Grünen zum ersten Mal ins Parlament ein – vorneweg Bause mit erhobenem Sonnenblumenstrauß. Es war die Zeit kurz nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl. Die Grünen schmuggelten ein Kistlein mit verstrahltem Heu ein – eine Provokation für den Atomfreund und damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU).

Margarete Bause: Ihre Erfolge

Die Atompolitik wurde das große Identifikationsthema. Aufgewachsen ist Bause auf einem Hof nahe Landshut. Von dort konnte sie das Atomkraftwerk Isar 1 sehen. Kürzlich ging es vom Netz, der Atom-ausstieg ist besiegelt – für Bause „einer der größten Erfolge für die Grünen insgesamt, aber auch für uns in Bayern“. Auch die Verhinderung des Transrapids, des Donauausbaus und der dritten Startbahn rechnet sie den Grünen zu.

Bause war immer vorne dabei. Abgeordnete, Fraktionschefin – als sie Anfang der 90er-Jahre ihr Soziologie-Studium beendet, kandidiert sie zunächst nicht mehr für den Landtag. In dieser Zeit bringt sie auch ihren Sohn zur Welt. Sie wird vorübergehend Landesvorsitzende. Beißend, manchmal schrill geißelt sie die CSU-Politik. Ein kleiner Coup gelingt ihr 2014, als sie mit Ministerpräsident Horst Seehofer in China ist. Ohne Absprache, aber öffentlichkeitswirksam trifft sie den Regimekritiker Ai Weiwei – und stiehlt Seehofer die Show.

Identifikationsfigur und Reizfigur zugleich

Für die eigene Klientel wurde sie so zur Identifikationsfigur. Eine „Koryphäe“ nennt sie der Ex-Landesvorsitzende Dieter Janecek. Für die CSU bleibt sie selbst im Abschied noch ein rotes Tuch. „Über viele Jahre hat sich Bause als Reizfigur für die CSU abgemüht“, spottet Ex-Parteichef Erwin Huber. Er könne ihr eine Erkenntnis aus dem Brandner Kaspar aber nicht ersparen: „An diesem Baum wirst du zerschellen.“

Die oft scharfe Rhetorik Bauses täuscht manchmal über den eigentlich eher pragmatischen Politikansatz hinweg. Sie gehört zum Realo-Flügel der Grünen, schwört die Fraktion seit Jahren auf Regierungsfähigkeit ein. Mitregieren – das ist seit Langem ihr erklärtes Ziel. Aber wie, ohne die CSU? Die ewige Oppositionsrolle ist wohl auch ein Grund für ihre Wechselpläne. Auch wenn sie die Hoffnung selbst für Bayern noch nicht aufgegeben hat. „Die CSU ist bezwingbar“, sagt sie. Doch darum müssen sich in Zukunft andere kümmern.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schulz versichert Jusos: „Ich strebe keine große Koalition an“
Die SPD streitet über die große Koalition. Die Jungsozialisten sind sich in der Ablehnung der GroKo einig. Parteichef Martin Schulz verteidigt Gespräche mit der …
Schulz versichert Jusos: „Ich strebe keine große Koalition an“
Schulz: SPD muss sich fürs Scherben aufkehren beschimpfen lassen
Noch immer streiten die Parteien, wer der Schuldige für das Scheitern von Jamaika ist - unterdessen könnte eine bereits abgeschriebene Lösung wieder aktuell werden. Alle …
Schulz: SPD muss sich fürs Scherben aufkehren beschimpfen lassen
Seehofer in der Kritik: „Wir sind keine Oligarchen-Partei“
Am Tag nach Seehofers Rückzugs-Wirrwarr setzt das Murren in der CSU ein. Geht’s ihm um die friedliche Lösung – oder um Zeitgewinn? Die Fraktion will nächste Woche …
Seehofer in der Kritik: „Wir sind keine Oligarchen-Partei“
Grünen-Chef Özdemir verrät, wen er gern als seinen Nachfolger hätte
Vor dem Parteitag der Grünen hat der Parteivorsitzende Cem Özdemir mögliche Kandidaten für seine Nachfolge benannt. Einen hat er dabei besonders im Blick.
Grünen-Chef Özdemir verrät, wen er gern als seinen Nachfolger hätte

Kommentare