+
Die Freien Wähler haben den Adenauer-Enkel Stephan Werhahn als ihren Bundestags-Spitzenkandidaten verloren

Von den Freien Wählern zur CDU

Die politische Kehrtwende des Adenauer-Enkels

München - Die Freien Wähler hatten Stephan Werhahn bereits als Bundestags-Spitzenkandidaten aufgestellt. Doch jetzt hat es sich der Adenauer-Enkel plötzlich anders überlegt und geht zurück zur CDU.

Die Freien Wähler haben den Adenauer-Enkel Stephan Werhahn als ihren Bundestags-Spitzenkandidaten verloren. Werhahn gab am Mittwoch überraschend seine Rückkehr in die CDU bekannt. „Ich habe mir diesen Schritt nicht leicht gemacht, ich konnte aber die aktuellen Entwicklungen in der Partei nicht mehr mit gutem Gewissen mittragen“, erklärte Werhahn. Die Freien Wähler bedauerten Werhahns Kehrtwende, die CSU reagierte erfreut.

Er nannte auf Anfrage drei Gründe: mangelnde Unterstützung durch die Parteispitze, die fehlende Bereitschaft von Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger zur Kooperation mit der neuen eurokritischen Partei „Alternative für Deutschland“ und die organisatorische Schwäche der Freien Wähler außerhalb Bayerns.

"Einzelne querulantische Mitglieder haben mich angegriffen"

„Wir waren uns einig, dass ich in Nordrhein-Westfalen kandidieren sollte, um dort zusätzliche Stimmen zu holen“, sagte Werhahn der dpa. „Einzelne querulantische Mitglieder aus Mittelfranken haben mich dann angegriffen, indem sie gesagt haben, da in Düsseldorf gibt's bei den Freien Wählern Leute, die waren früher bei den Republikanern“, sagte er. „Diese Tatsachen sind aber schon seit zehn Jahren bekannt und diese Leute sind durch keine rechten Äußerungen mehr aufgefallen.“ Die Parteispitze habe sich aber nicht klar hinter ihn und vor die Düsseldorfer gestellt und erklärt, dass diese einzelnen Mitglieder aus Mittelfranken nicht repräsentativ seien.

Werhahns zweiter Punkt: „Wenn sich eine neue eurokritische Partei bildet und es zu dem Ergebnis kommt, dass beide Parteien nur 2,5 Prozent holen, dann wären diese Stimmen verloren“, sagte Werhahn. „Ich will nicht Steigbügelhalter für einen rot-rot-grünen Regierungswechsel sein wie in Niedersachsen. Deswegen war meine Meinung, dass man mit der neuen Partei kooperieren sollte. Das hat Herr Aiwanger aber nicht gewollt.“

"Es hat sich abgezeichnet, dass er die Flinte ins Korn wirft"

Drittens sei die Kampagnenfähigkeit der Freien Wähler außerhalb Bayerns „sehr reduziert“, sagte Werhahn. „Die Organisation ist schwach. Um etwas auf die Beine zu stellen, müsste man die große Zahl der Mitglieder der Freien Wähler-Gemeinschaften mobilisieren. Wenn es dann aber solche Vorfälle gibt wie in Mittelfranken, verkriechen sich alle wieder in ihre Mauselöcher.“

FW-Chef Hubert Aiwanger bedauerte Werhahns Abkehr. „Es hat sich abgezeichnet, dass er die Flinte ins Korn wirft“, sagte Aiwanger der dpa. Werhahns offizielle Nominierung war für den 11. Mai geplant. Nun würden die Freien Wähler vorerst ohne Spitzenkandidaten weitermachen, sagte Aiwanger. „Unsere Arbeit geht unverdrossen weiter.“ Jeder Landesverband habe seinen Spitzenkandidaten. Der Weg in die Bundespolitik sei arbeitsreich und hart, werde aber am Ende erfolgreich sein.

„Sein Rückzug ist auch persönliches Misstrauensvotum gegen Aiwanger"

Werhahn war 2012 als erhoffte Galionsfigur für die Kampagne gegen die Euro-Rettung zu den Freien Wählern gewechselt. Doch die Kampagne traf auf keinen großen öffentlichen Widerhall. Bei den Landtagswahlen der vergangenen Jahre kamen die Freien Wähler nirgendwo in die Nähe der Fünf-Prozent-Hürde. Auf seiner Facebook-Seite erntete Werhahn am Mittwoch höhnische Kommentare enttäuschter FW-Anhänger.

FW-Chef Aiwanger dagegen erntete Spott und Hohn der CSU: „Werhahns Rückzug ist auch ein persönliches Misstrauensvotum gegen Aiwanger und dessen selbstherrlichen Führungsstil“, erklärte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. „Der Fall Werhahn ist die Konsequenz daraus, dass Aiwanger die Freien Wähler zu einer billigen Protestpartei gemacht hat, die ständig Themen am rechten Rand bedient.“ CSU-Landtagsfraktionschef Georg Schmid sagte: „Spät - aber rechtzeitig - hat Werhahn erkannt, dass die Union nicht nur Heimat, sondern auch Zukunft ist.“

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mesale Tolu weiter in Untersuchungshaft in der Türkei
Tolu arbeitete für die regierungskritische Nachrichtenagentur ETHA. Sie war am 30. April von Polizisten einer Anti-Terror-Einheit festgenommen worden. Wegen …
Mesale Tolu weiter in Untersuchungshaft in der Türkei
Erbschaften und Schenkungen erreichen wieder Höchststand
In Deutschland haben Erbschaften und Schenkungen wieder einen Höchststand erreicht. Von den Finanzämtern wurden 2016 Vermögensübertragungen in Höhe von 108,8 Milliarden …
Erbschaften und Schenkungen erreichen wieder Höchststand
Terror in Barcelona: Polizei startet mehrere Razzien und weitet Fahndung aus
Terror in Barcelona: Polizei startet mehrer Razzien und weitet Fahndung aus. Alle Nachrichten im News-Ticker.
Terror in Barcelona: Polizei startet mehrere Razzien und weitet Fahndung aus
Kabinett berät über Subventionen und Computerautos
Berlin (dpa) - Das Bundeskabinett befasst sich heute unter anderem mit ethischen Prinzipien für teilweise selbstfahrende Autos. Verkehrsminister Dobrindt (CSU) hatte …
Kabinett berät über Subventionen und Computerautos

Kommentare