+
Seit mehr als zwei Wochen protestieren Studenten gegen die Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Foto: Ägyptisches Präsidialamt

Ägypten geht härter gegen Studentenproteste vor

Kairo (dpa) - In Ägypten erhöhen die seit mehr als zwei Wochen gegen die Regierung demonstrierenden Studenten den Druck. Dutzende Protestler der renommierten Azhar-Universität blockierten nach Angaben der Nachrichtenseite Al-Masry al-Youm wichtige Straßen der Hauptstadt Kairo.

Die vornehmlich der Muslimbruderschaft angehörenden Demonstranten feuerten dabei Feuerwerksraketen ab. Die Behörden weiten nun die Zugriffsmöglichkeiten der Polizei auf die Studenten aus, nach einem von Präsident Abdel Fattah al-Sisi erlassenen Gesetz.

Das Gesetz erleichtert die Strafverfolgung von Zivilisten durch Militärgerichte. Hochschulminister Abdul Chalik hatte es nach Angaben der unabhängigen Nachrichtenseite Youm Saba in einem Rundfunkinterview als "Schutz für die Universitäten" bezeichnet. Demnach ermögliche es der Polizei und der Armee einen besseren Zugriff auf "die Handvoll Studenten, die das Lernen an den Universitäten stören".

Im ganzen Land protestieren Studenten seit mehr als zwei Wochen gegen strenge Sicherheitskontrollen und den Einsatz privater Sicherheitsfirmen an ihren Hochschulen. Sie befürchten eine Rückkehr zu reglementierten Universitäten wie zu Zeiten des Langzeitherrschers Husni Mubarak. Viele sind Anhänger der Muslimbruderschaft und lehnen sich auch gegen den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Jahr 2013 auf.

Das Gesetz wurde drei Tage nach einem verheerenden Anschlag von Extremisten auf eine Militäreinrichtung im Norden der Sinai-Halbinsel erlassen, bei dem 30 Soldaten ums Leben kamen. Es erklärt öffentliche Einrichtungen und Versorgungsgebäude ab sofort zu Militärgebäuden. Durch die Regelung sollen Anschläge auf solche Einrichtungen - wie das Bahn-, Strom- oder Gasnetz - nun durch Militärgerichte geahndet werden. Zivilisten dürften laut Verfassung vor solche Gerichte gestellt werden, so sie eine Straftat mit Bezug zu einer Militäreinrichtung begangen haben. Menschenrechtler kritisieren die Urteile dieser Gerichte jedoch als drakonisch und intransparent.

Artikel auf Al-Masry al-Youm, Arabisch

Artikel auf Youm Saba, Arabisch

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Urin mit Migrationshintergrund? AfD-Anfrage sorgt für Spott
Dresden - Die AfD im sächsischen Landtag hat sich mit einer Kleinen Anfrage Spott in sozialen Netzwerken eingehandelt.
Urin mit Migrationshintergrund? AfD-Anfrage sorgt für Spott
Trump will aufrüsten - und bekommt Nachhilfe-Unterricht
Washington - US-Präsident Donald Trump denkt laut über einen Ausbau des Atomwaffenarsenals nach. Das lässt bei Abrüstungsbefürwortern Alarmglocken schrillen. Auch die …
Trump will aufrüsten - und bekommt Nachhilfe-Unterricht
Trump: Mauerbau zu Mexiko beginnt „bald“
Washington - US-Präsident Donald Trump hat in einer Rede das nationalistische Fundament seiner Agenda erneut betont. Den Zuhörern suggerierte er, in Deutschland, …
Trump: Mauerbau zu Mexiko beginnt „bald“
"Spiegel": BND überwachte ausländische Journalisten
Berlin - Der Bundesnachrichtendienst soll zahlreiche ausländische Journalisten beobachtet haben. Reporter ohne Grenzen sieht darin einen massiven Eingriff in die …
"Spiegel": BND überwachte ausländische Journalisten

Kommentare