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Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mursi sind in der Nacht zum Dienstag auf die Straße gegangen - es kam zu Krawallen

US-Emissär plädiert für Dialog

Ägypten: Neue Proteste - Dutzende Verletzte

Kairo - Die Krawalle in Ägypten gehen weiter. Anhänger von Mursis Partei sprechen von Dutzenden Verletzten. Und erstmals seit dem Umsturz reist ein hoher Beamter der US-Regierung nach Kairo.

Die Stimmung in Ägypten bleibt aufgeheizt. Die Proteste von Tausenden Anhängern des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi gehen weiter. In Kairo setzten die Sicherheitskräfte am Montagabend Tränengas gegen Demonstranten ein, die eine wichtige Nilbrücke blockierten und Steine auf vorrückende Polizisten warfen.

Die Auseinandersetzungen dauerten auch nach Mitternacht weiter an, berichteten die Zeitung „Al-Ahram“ online und der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira. Am frühen Dienstagmorgen waren noch Tausende Mursi-Anhänger auf der Straße. Auch aus anderen Städten Ägyptens wurden Pro-Mursi-Demonstrationen gemeldet.

Mursis Partei berichtet von Dutzenden Verletzten

Die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei der Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt, erklärte, Dutzende seien verletzt worden, als Tränengas- und Gummigeschosse auf friedliche Protestierende auf dem Ramses-Platz in Kairo abgefeuert worden seien. Al-Dschasira sprach von mindestens 22 Verletzten. Es habe Dutzende Festnahmen gegeben. Die Demonstranten erklärten, sie würden die Proteste bis zur Freilassung Mursis fortsetzen.

Bei einem Besuch in Kairo rief der stellvertretende US-Außenminister William Burns die Akteure in dem tief gespaltenen Land zu Dialog und Gewaltverzicht auf. Der Spitzendiplomat ist der erste hochrangige amerikanische und auch westliche Regierungsvertreter, der das Land nach dem Umsturz vom 3. Juli besucht.

USA fordert "gewisse demokratische Prinzipien"

„Wir werden nicht versuchen, irgendein Modell aufzuzwingen“, erklärte Burns nach seinen ersten Gesprächen in der ägyptischen Hauptstadt. Washington lege aber Wert auf „gewisse demokratische Prinzipien“.

Der amerikanische Nahost-Diplomat will bis Dienstag in der Nil-Metropole bleiben. Die USA verlangen - wie Deutschland - die Freilassung Mursis. Dieser wird seit seiner Entmachtung vom Militär an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage festgehalten.

Ägypten: Tote bei Straßenkämpfen

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Die USA unterstützen Ägypten mit jährlichen Hilfen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar. Davon sind 1,3 Milliarden Dollar für das Militär bestimmt. Diese Zahlungen müssten nach US-Rechtslage eingestellt werden, falls Washington den Umsturz als Militärputsch einstuft.

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dpa

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