+
Im Innern der Kirche in Tanta bot sich nach der Explosion ein Bild des Grauens.

IS reklamiert Taten für sich

Ägypten: Viele Tote bei Anschlägen auf zwei Kirchen

Kairo - Bei einer Explosion in einer Kirche in der nordägyptischen Stadt Tanta sind mindestens 25 Menschen getötet worden. Auch in Alexandria ging ein Sprengsatz hoch. Die IS-Miliz bekannte sich zu beiden Anschlägen.

78 Menschen seien allein in Tanta verletzt worden, berichtete das ägyptische Staatsfernsehen am Palmsonntag. Sicherheitskräfte hätten den Tatort weitgehend abgesperrt. An dem christlichen Feiertag war die Kirche zur Messe gut besucht. St. Georg ist das größte christliche Gotteshaus der Region.

Sicherheitskräfte suchen nach weiteren Bomben

In dieser Kirche in Tanta passierte eine der beiden Explosionen. 

Der Gouverneur von Gharbija, Ahmed Deif, sagte dem Fernsehsender Nile News am Telefon, die Explosion habe sich im Inneren der Kirche ereignet. Möglicherweise habe es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt. Sicherheitskräfte hätten die Umgebung der Kirche nach möglichen weiteren Sprengsätzen durchkämmt, sagte Deif. Die ägyptische Regierung spricht nach der Explosion von Terror. „Der Terrorismus trifft Ägypten erneut, dieses Mal an Palmsonntag“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ahmed Abu Seid, am Sonntag auf Twitter. 

Weiterer Anschlag in Alexandria

Auch in der Hafenstadt Alexandria gab es am Sonntag eine Explosion. Außerhalb einer koptisch-christlichen Kirche in der Millionenstadt sei am Palmsonntag ein Sprengsatz explodiert, berichtete das Staatsfernsehen. Mindestens 16 Menschen seien getötet und 41 weitere verletzt worden hieß es aus dem Gesundheitsministerium.

Die staatliche Zeitung „Al-Ahram“ berichtete, die Explosion außerhalb des koptischen Gotteshauses St. Markus sei durch einen Selbstmordattentäter verursacht worden, der zuvor am Einlass in die Kirche gehindert worden sei.

IS: Anschläge wurden von Dschihadisten verursacht

Am Sonntagnachmittag bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat zu den beiden Anschlägen in Ägypten. Die Explosionen in Tanta und Alexandria mit Dutzenden Toten seien von den Dschihadisten verursacht worden, berichtete das IS-Sprachrohr Amak am Sonntag. Die Mitteilung konnte zunächst nicht unabhängig auf Echtheit untersucht werden.

Christen machen in Ägypten zehn Prozent der etwa 94 Millionen Einwohner aus. Sie können ihre Religion weitgehend frei ausüben und leben größtenteils friedlich mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit zusammen. Es gibt allerdings vereinzelte Spannungen, vor allem in den ländlichen Gebieten.

Bei einem schweren Bombenanschlag auf eine Kirche im Dezember waren fast 30 Menschen getötet worden. Damals bekannte sich die Terrormiliz IS zu der Tat. Ein Ableger des Islamischen Staates treibt im Nordsinai in Ägypten sein Unwesen und kündigte in Propagandavideos Angriffe auf Christen an.

De Maizière: „Tiefes Mitgefühl gilt den Opfern“

Die Bundesregierung verurteilte den Anschlag auf die Kirche in Tanta. „Dass eine solche Tat Menschen in Ausübung ihrer Religion während des Gottesdienstbesuches am Palmsonntag trifft, empört mich besonders“, teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin mit. „Mein tiefes Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen, meine Wut den Tätern.“ Der Innenminister rief zu einem gemeinsamen Kampf gegen den Terror über die Grenzen von Ländern und Kontinenten hinweg auf.

In einer Mitteilung von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hieß es, erneut seien christliche Gläubige Ziel einer Bluttat geworden. Die Hintergründe des Anschlags müssten aufgeklärt und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. „Das Kalkül der Täter, einen Keil in das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen zu treiben, darf nicht aufgehen.“

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach Mays Brexit-Rede: Weltweite Kritik nimmt zu
Die Kritik an der Brexit-Rede von Theresa May nimmt zu. Besonders bitter für die Premierministerin: Nach ihrem Auftritt stufte eine US-Ratingagentur die Kreditwürdigkeit …
Nach Mays Brexit-Rede: Weltweite Kritik nimmt zu
Militär besetzt Favela - Kriegsähnliche Szenen in Rio de Janeiro
Schwer bewaffnete Soldaten mitten in Rio de Janeiro, die größte Favela im Ausnahmezustand. Rund ein Jahr nach den Olympischen Spielen gerät die Sicherheitslage in der …
Militär besetzt Favela - Kriegsähnliche Szenen in Rio de Janeiro
Parlamentswahl in Neuseeland: Konservativer Premierminister wiedergewählt
Neuseelands konservativer Premierminister English entscheidet die Parlamentswahl klar für sich. Trotzdem kann er sich nicht ganz sicher sein, im Amt zu bleiben. Viel …
Parlamentswahl in Neuseeland: Konservativer Premierminister wiedergewählt
Atombombe oder Erdbeben? Erneut Schwingungen nahe Testgelände in Nordkorea
In der Nähe eines Atomwaffentestgeländes in Nordkorea hat die Erde gebebt. Hat der Machthaber Kim Jong-Un eine neue Atombombe gezündet? Südkoreanische Experten sagen …
Atombombe oder Erdbeben? Erneut Schwingungen nahe Testgelände in Nordkorea

Kommentare