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Seit Freitag sind in Ägypten mindestens 51 Menschen ums Leben gekommen.

Gewalt in Port Said

Ägypten: Weitere Tote bei Trauerfeier

Port Said - Ägypten kommt nicht zur Ruhe: Während der Trauerprozession für die Opfer der Gewalt vom Vortag sind am Sonntag erneut drei Menschen in der Hafenstadt Port Said ums Leben gekommen.

400 weitere seien bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei verletzt worden, teilten Vertreter der Gesundheitsbehörden mit. Offenbar hatten Bewaffnete das Feuer auf zwei Polizeiwachen und das größte Gefängnis der Stadt eröffnet.

Zuvor waren zahlreiche Opfer der schweren Unruhen vom Vortag zu Grabe getragen worden. Am Samstag waren bei Krawallen nach der Verkündung von Todesurteilen gegen Fußballfans mindestens 37 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden waren. Trauergäste skandierten Parolen gegen Präsident Mohammed Mursi, Soldaten mit Panzerfahrzeugen bewachten Amtsgebäude. In Kairo kam es nahe dem Tahrir-Platz den vierten Tag in Folge zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten.

Die Polizei in der Hauptstadt setzte Tränengas ein, Demonstranten warfen Steine. In Port Said nahmen Tausende Menschen am Totengebet und Trauerzug teil und riefen Parolen wie „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mursi ist Gottes Feind“.

Todesurteile lösen schwere Krawalle in Ägypten aus

Todesurteile lösen schwere Krawalle in Ägypten aus

Seit Freitag sind in Ägypten mindestens 51 Menschen ums Leben gekommen. Nach Straßenschlachten zum zweiten Jahrestag des Aufstands gegen den damaligen Staatschef Husni Mubarak war die Gewalt nach Todesurteilen gegen 21 Fußballfans am Samstag eskaliert. Die Männer aus Port Said wurden in Zusammenhang mit der Stadiontragödie vor einem Jahr schuldig gesprochen, als bei einem Spiel des Clubs Al Masri gegen den Kairoer Verein Al Ahli mindestens 74 Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden. Fans aus Port Said machen gedungene Schläger des Mubarak-Regierung dafür verantwortlich.

Eskorte durch den Suezkanal

Nach dem Urteil protestierten aufgebrachte Angehörige und andere Demonstranten vor einem Gefängnis der Hafenstadt am Suezkanal und forderten die Freilassung der Häftlinge. Dabei wurden zwei Polizisten erschossen. Sicherheitskräfte setzten ihrerseits scharfe Munition ein. Demonstranten stürmten das Büro des Gouverneurs, Polizeiwachen, ein Elektrizitätswerk und ein Gerichtsgebäude. Nach Angaben von Einwohnern und Behördenvertretern zog sich die Polizei in ihre Wachen und Kasernen zurück, als die Lage außer Kontrolle geriet.

Mursi entsandte Soldaten nach Port Said und Suez, die vor wichtigen Amtsgebäuden, den Elektrizitäts- und Wasserwerken Posten bezogen. Die Büros der Suez-Kanal-Gesellschaft wurden von Marinesoldaten bewacht. Ein Unternehmenssprecher sagte, die Marine eskortiere Handelsschiffe durch die Wasserstraße und Militärhubschrauber wachten aus der Luft über die Sicherheit der Schifffahrt.

Mursi am Mittwoch bei Merkel

Präsident Mursi, der seit Ende Juni 2012 im Amt ist, traf sich unterdessen erstmals mit dem Nationalen Verteidigungsrat. Eine geplante Reise nach Äthiopien sagte er ab. Die größte Oppositionsgruppe, die Nationale Heilsfront, machte Mursi für die „übermäßige Gewaltanwendung der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten“ verantwortlich. Sie drohte, die bevorstehenden Parlamentswahlen zu boykottieren, sollte Mursi nicht ihre Forderungen wie eine Änderung bestimmter Artikel der islamistisch gefärbten Verfassung erfüllen.

Außenminister Guido Westerwelle reagierte derweil besorgt auf die neue Gewaltwelle. Deutschland sei bereit, den Transformationsprozess in Ägypten tatkräftig zu unterstützen, sagte er. „Der Besuch von Präsident Mursi in Berlin in wenigen Tagen ist eine sehr gute Gelegenheit, darüber intensiv zu beraten.“ Mursi wird am Mittwoch zu einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin erwartet.

dapd

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