Polizeikontrolle eskaliert: Mann liefert sich Verfolgungsjagd mit Beamten

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Hamdien Sabahi (links) und Abdel Fatah al-Sisi wollen Ägyptens Präsident werden.

Vor der Präsidentschaftswahl

Ägypten sucht seinen Supermann

Kairo - Die Ägypter wählen zum zweiten Mal seit dem Sturz von Staatschef Mubarak einen Präsidenten. Der Urnengang 2012 war aufregend, das Ergebnis war knapp. Dieses Mal kommt keine Spannung auf.

Die jüngsten Umfragen lassen kaum einen Zweifel: Die Ägypter wählen Feldmarschall Abdel Fattah al-Sisi nächste Woche mit haushoher Mehrheit zu ihrem neuen Präsidenten. Am Montag beginnt die zweitägige Wahl, deren Spannungsfaktor gegen Null tendiert.

Im Westen, wo die Proteste gegen Langzeitpräsident Husni Mubarak 2011 auf große Sympathie gestoßen waren, dominiert in Bezug auf Ägypten die Ratlosigkeit. Regierungsvertreter und Experten fragen sich verzweifelt, weshalb sich die Ägypter bloß erneut dem Diktat des Militärs unterwerfen wollen.

„Wir haben das Chaos satt!“

Die häufigste Antwort, die man darauf am Nil zu hören bekommt, ist ebenso schlicht wie überzeugend: „Wir haben das Chaos satt!“ Ob einige Kräfte, die heute bei der Kampagne von Al-Sisi die Strippen ziehen, vielleicht mit dazu beigetragen haben, dieses Chaos zu schüren - geschenkt. Das sind für die meisten Wähler akademische Fragen, mit denen sie sich nicht aufhalten. Sie dürften schnell Klarheit bekommen: Das offizielle Endergebnis ist für den 5. Juni angekündigt.

Viel Auswahl haben die knapp 54 Millionen Wahlberechtigten ohenhin nicht. Außer Al-Sisi tritt nur Hamdien Sabahi an. Er teilt mit Al-Sisi die Begeisterung für den sozialistischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser, der von Mitte der fünfziger Jahre bis 1970 amtierte.

Der volksnahe Sabahi hatte als Kandidat der Linken 2012 den dritten Platz hinter dem Islamisten Mohammed Mursi und dem „Ancien-Regime-Kandidaten“ Ahmed Schafik belegt. In den jüngsten Umfragen liegt er weit abgeschlagen hinter Al-Sisi, der den Muslimbruder Mursi im Juli 2013 nach Massenprotesten entmachtet hatte. Sabahis Chancen gelten als so gering, dass die Ägypter Witze darüber machen. In einer Persiflage auf die Schiffsuntergangsszene in dem Film „Titanic“ bedrängt der sterbende Jack (Leonardo DiCaprio) seine Geliebte: „Ich weiß, es gibt keine Hoffnung, aber versprich mir trotzdem, dass du Sabahi wählen wirst!“

Personenkult um den Feldmarschall

Während Mursi und andere Funktionäre der Muslimbruderschaft heute im Gefängnis schmoren, wird Al-Sisi von seinen Anhängern und den staatlichen Medien zu einer Art Lichtgestalt verklärt. Der Personenkult um den Feldmarschall nimmt immer groteskere Züge an. Eine ägyptische Braut ließ sich kürzlich während ihrer Hochzeitsfeier mit einem Transparent ablichten, auf dem Al-Sisis Kopf in einem roten Herz zu sehen war. Darunter stand: „Mein Ehemann und ich, wir werden Al-Sisi wählen.“

Eine Gruppe frustrierter Aktivisten und Intellektueller schlug angesichts der akuten „Sisi-Mania“, die weite Teile der Bevölkerung ergriffen hat, spaßeshalber vor, der US-Schauspieler Kevin Spacey könne doch als Kandidat „Kevin al-Spacey“ gegen den Feldmarschall antreten. Spacey spielt in der US-Serie „House of Cards“ den skrupellosen Politiker Francis Underwood, der Präsident der Vereinigten Staaten werden will. Underwoods Motto lautet: „Der Weg zur Macht ist gepflastert mit Heuchelei und Opfern.“

Das ägyptische Militär hat die aktuelle Runde des Machtkampfes mit den einstmals so populären Muslimbrüdern für sich entschieden. Die Strategie der Brüder, die sich als „Märtyrer“ für die Freiheit positioniert haben, ist nicht aufgegangen. Auch Kritiker des Militärs, die nicht mit den Muslimbrüdern sympathisieren, wurden in den vergangenen Monaten durch ein neues Demonstrationsgesetz und andere Einschüchterungsmaßnahmen mundtot gemacht.

Frage der Frömmigkeit?

Um den Islam geht es in diesem Machtkampf zwischen den Al-Sisi-Anhängern und den Militärs nicht. Schließlich wird Al-Sisi auch von einem Teil der Salafisten-Bewegung unterstützt. Der fromme Feldmarschall hat sogar selbst einen dunklen „Gebetsfleck“ auf der Stirn, was in Ägypten als Zeichen besonderer Frömmigkeit gedeutet wird. Seine Ehefrau bedeckt ihr Haar mit einem eng anliegenden Tuch - ein Look, der in der ägyptischen Mittelschicht inzwischen weit verbreitet ist.

Die Mehrheit der Ägypter wünsche sich als Präsidenten eine Art Supermann mit Zügen eines Diktators, stellte Tamer Abu Arab kürzlich in einem Kommentar für die Kairoer Tageszeitung „Al-Masry Al-Youm“ fest. Er schreibt frustriert: „Wir vergeuden unsere Zeit, wenn wir versuchen, den Al-Sisi-Anhängern klarzumachen, dass sie ihn nicht wählen sollen, weil das Risiko besteht, dass er zu einem Diktator werden könnte. Denn sie unterstützen ihn ja überhaupt nur, weil sie einen Diktator wollen.“

dpa

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