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Ämter-Rochade bei der SPD: Eine Tragödie – und eine Chance

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Es ist das tragische Ende einer durchaus erfolgreichen Politiker-Karriere: Dass Erwin Sellering sein Amt in Mecklenburg-Vorpommern aus gesundheitlichen Gründen aufgeben muss, ist eine Tragödie, aber auch eine Chance, sagt Merkur-Autor Mike Schier.

Erwin Sellering mag bundesweit keine großen Duftmarken gesetzt haben, doch im keineswegs leicht zu regierenden Mecklenburg-Vorpommern erfreute er sich während seiner neunjährigen Amtszeit großer Beliebtheit. Wie alle Parteien geriet bei der letzten Landtagswahl zwar auch die SPD durch den raketenhaften Aufstieg der AfD in Schieflage (minus fünf Prozent), doch die Partei lag mit 30,6 Prozent immer noch deutlich über dem bundesweiten Schnitt. Vor allem dank Sellering, der nun seine Karriere durch solch tragische Umstände beenden muss.

Doch Politik ist, bei aller persönlichen Tragik, nun einmal ein knallhartes Geschäft: Der SPD ermöglicht die Personalie im Nordosten eine wichtige Rochade, um dem stockenden Wahlkampf neuen Schwung zu verleihen. Dass Manuela Schwesig ihren Arbeitsplatz – mehr oder wenig freiwillig – von Berlin nach Schwerin verlegen muss, gerät dabei bundespolitisch fast zur Nebensache. Die ambitionierte 43-Jährige kann sich auch in der Provinz für höhere Ämter empfehlen: Die Partei greift öfter auf Ministerpräsidenten bei der Vergabe höherer Ämter zurück – siehe Gerhard Schröder, Sigmar Gabriel oder Peer Steinbrück. Doch zunächst einmal muss sich Schwesig bewähren.

Aktuell relevanter scheint der Wechsel des Generalsekretärs. Katarina Barley mag im Willy-Brandt-Haus beliebt sein, die organisatorischen Mängel und ihre Unerfahrenheit im Wahlkampf traten zuletzt immer deutlicher zutage. Ihr Aufstieg ins Kabinett bietet eine Chance: Mit Hubertus Heil (immer noch erst 44) kehrt nun ein „alter Hase“ auf den Posten zurück. Das ist wichtig, weil die Partei bei ihrer Programmplanung (federführend unter anderem Schwesig und Barley) mehrfach patzte. Zuletzt lief Kanzlerkandidat Martin Schulz bei Themen wie Innerer Sicherheit, Europa oder der Kritik an Donald Trump ziemlich hilflos Angela Merkel hinterher. Der geerdete Überflieger Schulz mag ein guter Redner sein, inhaltlich aber auch strategisch braucht er dringend bessere Zuarbeit.

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