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Die Ehe auch für Homosexuelle sorgt im aufkommenden Wahlkampf weiter für hitzige Debatten.

Das sagt die Kirche

Ärger um die Ehe für alle: Es brodelt im konservativen Lager

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Gegner der sogenannten Ehe für alle in der Union wissen gerade nicht, gegen wen sie zuerst schimpfen sollen: Merkel oder die SPD. Es brodelt bei den Konservativen – und die katholische Kirche fürchtet um ihre alten Werte.

Berlin - Jetzt steht es also fest: Die Parlamentarier in Berlin stimmen tatsächlich schon am Freitag über die „Ehe für alle“ ab. Eine Gesetzesvorlage dafür aus dem Bundesrat nahm gestern die erste Hürde im Bundestag. Denn im Rechtsausschuss stimmten die SPD, die Linke und die Grünen dafür – gegen den Willen der Union. Aber nicht nur die ist verärgert.

Auch der katholischen Kirche geht das gegen den Strich. Sie sieht sich nun auch politisch damit konfrontiert, dass die Gesellschaft sich von ihr wegbewegt. So sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, Ehe sei nicht nur aus christlicher Überzeugung „die Lebens- und Liebesgemeinschaft von Frau und Mann als prinzipiell lebenslange Verbindung mit der grundsätzlichen Offenheit für die Weitergabe von Leben“. Die Bischöfe bedauern, dass dieser Begriff aufgelöst werden soll. Dabei dürfe man die hervorgehobene Rechtsstellung der Ehe nicht als Diskriminierung homosexuell veranlagter Männer und Frauen verstehen.

Den Bischöfen ist klar: Die Debatte ist gelaufen

Die Kirche will offenbar nicht als Ewiggestrige dastehen, und redet dennoch jenen Schwulen und Lesben zuwider, die eben gerade die Ehe wollen. Den Bischöfen ist wohl klar, dass die Debatte um die„Ehe für alle“ gelaufen ist. Nun können sie lediglich noch die innerkirchliche Auffassung von Ehe deutlich machen. Der frühere CSU-Parteichef Erwin Huber hält es genau mit dieser Vorstellung. „Meine Position kommt aus dem C, und im christlichen Verständnis ist die Ehe die Verbindung zwischen Mann und Frau“, sagte er unserer Zeitung. „Man sollte den Ehebegriff nicht überdehnen und verwischen.“

Am ersten Tag nach Merkels Schwenk, den auch Huber sehr überraschend fand, drang aus Unionskreisen auch heftige Kritik an der Kanzlerin. Jetzt richten die Konservativen ihre Aufmerksamkeit lieber auf die Mobilisierung der Gegner der Öffnung der Ehe. Für die Union käme die Abstimmung am Freitag sehr wohl einer Hauruck-Entscheidung gleich, so Huber. Trotz 25 Jahren gesellschaftlicher Debatte. Er empfehle den CSU-Abgeordneten, am Freitag mit Nein zu stimmen.

Dass dies viele tun – davon geht Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer (CDU) aus. Er erwartet, dass die Abgeordneten von CDU und CSU mit großer Mehrheit den Gesetzentwurf ablehnen, sagte er gestern im Deutschlandfunk „Das Signal von CDU/CSU am Freitag wird ganz, ganz deutlich sein.“ Zum einen sei vielen in der Union „der Schutz von Ehe und Familie ein wichtiges Thema“, zum anderen wollten die Abgeordneten der SPD ihr „unseriöses Verhalten nicht durchgehen“ lassen.

Friedrich (CDU/CSU): „Auflösung der gesellschaftlichen Ordnung“

Hans-Peter Friedrich, Vize der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, konzentriert sich offensichtlich auf die inhaltlichen Bedenken und geht dabei recht weit. Er twitterte, es gehe „um die Auflösung der gesellschaftlichen Ordnung“.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer dagegen wandte sich lieber gegen den Koalitionspartner: „Der SPD wird das nichts nützen, denn jeder merkt, dass sie das Thema als Wahlkampfmunition missbraucht. Das finde ich unwürdig“, schrieb er auf Twitter.

Doch die SPD freut sich, gemeinsam mit der Opposition. Die Chefin im Rechtsausschuss etwa, die Grünen-Politikerin Renate Künast, verkündete: „Der Weg ist frei für Gleichheit.“

Sophie Rohrmeier und Claudia Möllers

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