Zeitung will nicht drucken

Ärger um das unsichtbare Seehofer-Interview

München - In München gibt Horst Seehofer ein Doppel-Interview mit dem umstrittenen Ungarn Viktor Orban. Als eine Zeitung es nicht drucken will, wird die CSU etwas ungemütlich.

Die Ochsenbackerl mit Knödel waren gerade vertilgt, da blieben Horst Seehofer und sein Staatsgast Viktor Orbán noch ein Stündchen im Münchner Prinz-Carl-Palais sitzen. Auf ein Wasser und ein Doppelinterview waren der bayerische und der ungarische Regierungschef noch verabredet, ein inspirierendes Gespräch über die Zukunft in Europa. Das Doppelinterview wurde geführt, aber nie gedruckt – statt dessen verursacht es seit einer Woche Ärger und ein diplomatisches Nachspiel.

Der „Welt am Sonntag“ war das eigene Interview, so ist zu hören, nicht kritisch genug. Die beiden Alleinregierenden tauschen sich darin über Europas Werte, den Euro und die Ukraine aus – ein grundsätzliches Gespräch. Streckenweise liest es sich sogar lustig: Seehofer betont darin, er brauche zum Regieren „kein Mikrogramm Populismus“. Auf die Vorwürfe gegen Orbán, den Ärger um Internet-Steuer und Medien-Gängelei in Ungarn, geht der Fragesteller aber wenig ein. Die Chefredaktion soll Text und Foto deshalb kurzfristig aus dem Blatt gekegelt haben.

Ein ungedrucktes Interview ist für Spitzenpolitiker unschön – eine Stunde verschenkt, bei knappsten Terminkalendern. Tun kann ein Politiker dagegen nichts. Eigentlich wäre die Geschichte damit auch zu Ende. Dann allerdings kam es zu ungewöhnlichen Interventionen.

Vertreter der ungarischen Regierung hätten „empört“ der zu Springer gehörenden Zeitung „Zensur“ vorgeworfen, heißt es in der CSU, sie hätten „diplomatische Konsequenzen“ angekündigt. Sonst werfen die Medien Orbán Zensur vor – jetzt mal umgekehrt. Der ungarische Protest schlug auch bei Edmund Stoiber auf. Der CSU-Ehrenvorsitzende griff zu einem sehr heiklen Mittel: Er rief Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner an und informierte ihn über Orbáns Wut.

Anrufe solcher Art sind immer pikant: Sehr nahe liegt der Vorwurf, eine Partei mache Druck auf Medien. Gerade die CSU, die mit ihrem Anruf beim ZDF 2012 bundesweit unschöne Schlagzeilen machte, dürfte das wissen. Stoiber bestätigt das Telefonat nicht nur, er berichtete davon diese Woche sogar im CSU-Vorstand. Er sei besorgt gewesen über die politische Dimension, erklärt sein Sprecher jetzt. Oft schon habe ihn Döpfner auf die politische Situation in Ungarn angesprochen. Deshalb habe Stoiber den Springer-Chef nun auf die Kritik an seinem Verlagshaus „aufmerksam gemacht“. Die Entscheidung bleibe aber „selbstverständlich“ bei Verlag und Redaktion. Döpfner habe sich „für diese Einschätzung bedankt“.

Nach Drohanruf klingt diese Schilderung nicht. Die Brisanz ist der CSU dennoch bewusst, zumal auch Seehofer in jenen Tagen vor Journalisten mit Ingrimm ein Gespräch mit der Welt-Chefredaktion in Berlin angekündigt hatte. Ein Seehofer-Sprecher betont, es habe „weder einen Auftrag noch eine Bitte des Ministerpräsidenten“ an Stoiber gegeben, in der Sache zu intervenieren. Das Interview erschien dann übrigens online.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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