+
Trotz Pflegenotstand: Die Ärzte wollen nicht auf ihr Gehalt verzichten

Unions-Vorschlag abgelehnt

Ärzte verzichten für Pfleger nicht auf Gehalt

Berlin - Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat am Donnerstag den Vorschlag der Unionsfraktion zur Bekämpfung des Pflegenotstands abgelehnt, zugunsten von Pflegern auf ihr Gehalt zu verzichten.

Die Unionsfraktion im Bundestag hatte vorgeschlagen, ein Programm wie in den Jahren 2009 bis 2011 aufzulegen und so in Krankenhäusern 15.000 neue Stellen für Krankenschwestern und -pfleger zu schaffen. Der gesundheitspolitische Sprecher Jens Spahn (CDU) forderte in der „Welt“ die Klinikärzte auf, im kommenden Jahr „mal zugunsten der Pflegekräfte auf Gehaltssteigerungen zu verzichten“.

Der Marburger Bund hat für die kommunalen Klinikärzte Gehaltserhöhungen von sechs Prozent für 2013 gefordert. Die Ärztegewerkschaft lehnte deshalb den Vorstoß des CDU-Politikers prompt ab.

„Die Idee, durch eine Kollekte bei den Ärzten könnten mehr Stellen für die Pflege geschaffen werden, hilft weder tarifpolitisch noch gesundheitspolitisch weiter“, sagte der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke. „Wer das fordert, setzt sich dem Vorwurf politischer Einmischung in Tarifverhandlungen aus, womöglich sogar einer kalkulierten Effekthascherei in nachrichtenarmer Zeit.“

Patientenschützer: Krankenhaus-Betreiber für Misere verantwortlich

Der Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, sagte, in den vergangenen 20 Jahren hätten die Krankenhausbetreiber mehr als 100.000 Pflegeberufe abgebaut. 30.000 Arztstellen seien geschaffen worden. Die deutschen Krankenhausbetreiber seien selbst schuld am heutigen Pflegenotstand. „Ihr Motto lautete seit Jahren: Pfleger kosten Geld, Ärzte bringen Geld.“

Dafür sei auch das von der Politik geschaffene Abrechnungssystem verantwortlich, erklärte Brysch. „Bevor jetzt Gehaltsverzicht gefordert wird, sollten die Betreiber in die Pflicht genommen werden.“ Auch müsse das System der Fallpauschalen abgeschafft werden: „Nicht mehr Operationen, sondern mehr umfassende Pflege sind das Gebot der Stunde.“

dapd

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Stadtstaaten wehren sich in Karlsruhe gegen Zensus-Einbußen
Karlsruhe (dpa) - Bei der Volkszählung 2011 schrumpfte Deutschland mit einem Schlag um gut 1,5 Millionen Einwohner - jetzt prüft das Bundesverfassungsgericht, ob die …
Stadtstaaten wehren sich in Karlsruhe gegen Zensus-Einbußen
Chinas KP-Kongress endet: Kommt Xi auf eine Stufe mit Mao?
Peking (dpa) - Der 19. Parteikongress der Kommunistischen Partei Chinas endet heute in Peking mit der Neuwahl des Zentralkomitees und der Ergänzung der Parteiverfassung.
Chinas KP-Kongress endet: Kommt Xi auf eine Stufe mit Mao?
Afghanistan-Abschiebeflug von Leipzig/Halle aus erwartet
In der vergangenen Woche sterben in Afghanistan bei Anschlägen und Angriffen von Islamisten knapp 250 Zivilisten und Sicherheitskräfte. Dennoch werden in Deutschland …
Afghanistan-Abschiebeflug von Leipzig/Halle aus erwartet
Neuer Bundestag startet mit Präsidiumswahl
Berlin (dpa) - Der neue Bundestag nimmt am Dienstag mit der Wahl eines neuen Präsidiums seine Arbeit auf. Gleich in der ersten Sitzung droht massiver Ärger mit der AfD. …
Neuer Bundestag startet mit Präsidiumswahl

Kommentare