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Mit dem Smartphone oder Tablet sollen Patienten bald selbst auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen können, plant Jens Spahn. Der Minister treibt die Digitalisierung in großen Schritten voran. 

Digitalisierung

Ärzte warnen vor Diebstahl von Gesundheitsdaten

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Bundesminister Jens Spahn drückt aufs Tempo beider Digitalisierung des Gesundheitswesens. Doch nach dem jüngsten Fall von Datendiebstahl äußern Ärztevertreter laute Zweifel an der Sicherheit digitaler Patientendaten. Es drohe ein „Albtraum“.

Es war kein Nachrichtendienst, es war nur ein Schüler. Seit Dienstag ist klar, dass ein 20-Jähriger von seinem Elternhaus in Mittelhessen aus gestohlene persönliche Daten von mehr als 1000 Politikern und Prominenten veröffentlicht hat. Der Fall scheint gelöst. Doch im Gesundheitswesen facht er eine alte Diskussion neu an. „Nach dem Daten-Diebstahl herrscht große Aufregung über ein paar an die Öffentlichkeit gelangte Handy-Nummern und private Bilder“, sagt Dirk Heinrich, Vorsitzender des Ärzte-Verbands NAV-Virchow-Bund. Das allerdings sei harmlos, verglichen mit einem HIV-Befund oder einer Krebsdiagnose. „Eine veröffentlichte psychiatrische Diagnose könnte dafür sorgen, dass jemand Schwierigkeiten bekommt, noch einmal einen Job zu finden“, sagt Heinrich. Gerade im Gesundheitswesen gehe es „um das Sensibelste, was wir an Daten haben“. Und dessen Sicherheit drohe gerade in Gefahr zu geraten.

Zwar dürfte die Eroberung von Gesundheitsdaten im großen Stil für Hacker derzeit noch eine mühsame Sammelarbeit sein. Denn die Blutwerte, Allergien oder Rezepte der Bundesbürger sind bisher nicht vernetzt abrufbar. Bei der Digitalisierung hinkt Deutschland hinterher, landet in einem internationalen Vergleich abgeschlagen auf Platz 16 von 17 untersuchten Staaten. Andere Gesundheitssysteme seien viel weiter – allen voran Estland, Kanada, Dänemark, Israel und Spanien, heißt es in einer Analyse, mit der die Bertelsmann-Stiftung die Forschungsgesellschaft empirica beauftragt hat.

Doch das soll anders werden. „Angesichts der Dynamik der Veränderung müssen wir große Schritte wagen, um an die Spitze zu kommen“, schrieben Union und SPD 2018 in den Koalitionsvertrag. Besonders Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) treibt seither den Prozess, der so lange stagnierte, im Eiltempo voran. Geht es nach ihm, sollen neben Praxen und Kliniken auch die Patienten selbst bald über ihr Tablet oder Smartphone auf ihre Daten zugreifen können.

Gerade in Spahns Tempo erkennen Ärztevertreter aber eine große Gefahr. Vor einem „Albtraum“ warnt Andreas Gassen, der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Der jüngste Fall zeige deutlich, „dass Digitalisierung kein Allheilmittel ist“. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, Wolfgang Krombholz, hat sich sogar in einem offenen Brief direkt an Spahn gewandt. Es sei „Zeit für Umkehr und Neubesinnung“, mahnt Krombholz. NAV-Virchow-Bund-Chef Heinrich bringt die Sorge der Ärzte auf den Punkt: „Wir sind gerade dabei, bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens zu schnell voranzugehen – auf Kosten der Sicherheit.“

Das sieht Hans Unterhuber ganz anders. „Die Digitalisierung hat das Potenzial, unser Gesundheitswesen zu reformieren“, sagt der Chef der Siemens-Betriebskrankenkasse. Wenn er auf die Gesundheitsakten blicke, die – anders als die bis 2021 zentral geplante Patientenakte – verschiedene Kassen bereits anbieten, sehe er „Lösungen, die einen hohen Sicherheitsstandard haben und ständig weiterentwickelt werden“. Datenschutz sei dabei kein Hindernis, sondern Rahmenbedingung. „Im Übrigen sind Fax, Brief oder E-Mail auch nicht das, was IT-Experten unbedingt als sicher bezeichnen würden“, sagt Unterhuber. Wer seine Versicherten ernst nehme, dürfe ihnen den „Zugang zu dieser neuen Welt“ nicht verschließen, betont der Kassenchef. Es sei schade, „dass das Thema Datensicherheit häufig als Ausrede dafür genutzt wird, um Entwicklung und Innovation zu verhindern oder zu verzögern“.

Ein Vorwurf, den die Ärzte zurückweisen. „Mögliche Lösungen auf ihre Sicherheit zu überprüfen kostet nun einmal Zeit, ist aber unverzichtbar“, sagt Heinrich. Auch Kassenärzte-Chef Gassen betont: „Nur, weil wir Dinge hinterfragen, sind wir nicht automatisch Blockierer.“

Das Bundesgesundheitsministerium teilt gestern auf Anfrage mit, Datenschutz und Informationssicherheit seien Grundpfeiler beim Aufbau der Infrastruktur für eine Patientenakte.

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