Ärzte der Welt beendet Hilfsprojekt im Ankerzentrum Manching/Ingolstadt
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Ärzte der Welt kritisiert die Zustände in Ankerzentren (Symbolfoto).

Hilfsprojekt beendet

„Krankmachende Lebensbedingungen“ - Ärzte der Welt zieht sich aus Ankerzentrum zurück 

Ärzte der Welt beendet das Hilfsprojekt im Ankerzentrum Manching/Ingoldstadt. Die Lebensbedingungen würden eine erfolgreiche Behandlung verhindern.

"Ärzte der Welt" wird sich Ende Oktober aus dem Ankerzentrum Manching/Ingoldstadt zurückziehen. Laut der Hilfsorganisation sind die Lebensbedingungen in der Unterkunft für Geflüchtete der Grund für den Rückzug. „Die krankmachenden Lebensbedingungen in der Anker-Einrichtung Manching/Ingolstadt verhindern eine erfolgreiche Behandlung. Ärzte der Welt kann unter diesen Bedingungen die Verantwortung für die Verfassung von schwer psychisch kranken Patient*innen und deren Medikamenteneinnahme nicht tragen", sagt der Psychiater und "Ärzte der Welt"-Vorstandsvorsitzende Professor Heinz-Jochen Zenker.“

Ärzte der Welt: Ankerzentren verhindern, dass sich Patient*innen stabilisieren  

Eine Reihe von belastenden Faktoren würde verhindern, dass sich die Patient*innen psychisch und gesundheitlich stabilisieren. Dazu zählen die Mediziner den unzureichenden Schutz vor Übergriffen, fehlende Privatsphäre, nächtliche Ruhestörungen, unsichere Zukunftsperspektiven und mangelnde Kontrolle über das eigene Leben der Menschen. Für das Einsatzteam sei diese Belastung, insbesondere die sogenannte offene Sprechstunde, nicht mehr auszuhalten. 

Die offene Sprechstunde besuchen demnach Menschen, die wegen Erlebnissen wie Krieg, Vergewaltigung oder anderen Gewalterfahrungen schwer traumatisiert sind. "Ärzte der Welt" kritisiert auch, dass es in der Ankereinrichtung kein systematisches Vorgehen gibt, um besonders schutzbedürftige Bewohner*innen zu identifizieren. Und selbst wenn man sie identifiziert habe, könne den Menschen nicht die notwendige Betreuung gegeben werden. 

Ärzte der Welt: Haben auf Missstände in Ankerzentren aufmerksam gemacht

Laut "Ärzte der Welt" hat man mehrfach gegenüber der Politik und in der Öffentlichkeit auf diese Missstände hingewiesen. Dennoch habe es nur punktuelle Veränderungen gegeben. Die vom Bundesfamilienministerium publizierten Mindeststandards zur Unterbringung von Flüchtlingen werden demnach nicht eingehalten und die krankmachende Struktur der Einrichtung bleibt bestehen.

Deshalb habe die Hilfsorganisation letztlich keine andere Wahl gehabt, als sich aus der Unterkunft zurückzuziehen. Den dort verbliebenen Helfer*innen steht "Ärzte der Welt" noch beratend zur Seite. Die psychologische und psychiatrische Sprechstunde, die" Ärzte der Welt" in der Münchner Anlaufstelle open.med anbietet, werde regulär fortgesetzt.

Von Moritz Serif 

Kritik an Ankerzentren

Nicht zum ersten Mal wurden die Bedingungen in Ankerzentren kritisiert. Die Bundesregierung verschärfte zum wiederholten Male die Lebenssituation geflüchteter Menschen in Ankerzentren. *

in Bayern lobt die Politik die „gelungene Balance zwischen Humanität und Ordnung“. Die Menschen, die dort leben, schildern ein anderes Bild von den Ankerzentren. 

Terre des Hommes fordert einer Verkürzung des Aufenthaltes in Ankerzentren. Die prekären Bedingungen dort sind vor allem für Kinder eine Zumutung.

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