+
Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery.

"Grenze zur Tötung klar überschritten"

Ärzte lehnen Gesetzentwurf zur Suizid-Beihilfe ab

Berlin - Die deutsche Ärzteschaft lehnt den Vorstoß mehrerer Bundestagsabgeordneter zur Suizid-Beihilfe durch Ärzte entschieden ab.

"Dieser Vorschlag mündet in die Freigabe einer aktiven Sterbehilfe", sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Freitag. Eine Gruppe von Abgeordneten der großen Koalition hatte am Donnerstag ein Positionspapier vorgelegt, mit dem Ärzten künftig ermöglicht werden soll, sterbenskranken Menschen beim Suizid zu helfen.

"Wer den assistierten Suizid auf diese Art und Weise rechtlich begründet, der macht ihn überhaupt erst gesellschaftsfähig", kritisierte Montgomery. "Damit erlischt für mich ein wichtiger Schutz für alle Schwachen in unserer Gesellschaft wie Alte, Kranke und Demente." Bei einer Umsetzung des Gesetzentwurfs würden die Patienten ein tödlich wirkendes Medikament erhalten oder eine Maschine zur Tötung zur Verfügung gestellt bekommen, sagte der Ärztepräsident weiter. "Schließlich soll der Arzt dann noch Hilfestellung bei der Selbsttötung leisten und eine medizinische Begleitung auf der Grundlage ärztlicher Fachkenntnis liefern. Damit aber ist die Grenze zur Tötung auf Verlangen klar überschritten."

Montgomery verwies darauf, dass der Deutsche Ärztetag 2011 mit Dreiviertel-Mehrheit beschlossen habe, dass Beihilfe zum Suizid keine ärztliche Aufgabe sei. Daher sei die aktive Sterbehilfe über das Berufsrecht verboten worden. Dieser Entscheidung sei eine vierjährige Debatte unter den Medizinern vorausgegangen.

Parlamentarier um Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) und die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Carola Reimann hatten am Donnerstag ein Positionspapier vorgelegt, in dem eine Regelung zur Suizid-Beihilfe im Bürgerlichen Gesetzbuch vorgeschlagen wird. Demnach sollen sieben Bedingungen erfüllt sein müssen, damit der Arzt die Beihilfe zum Suizid leisten darf. Der Patient muss demnach volljährig und voll einwilligungsfähig sein, an einer unumkehrbar tödlichen Krankheit leiden und einen "extremen Leidensdruck" verspüren. Außerdem muss ein Beratungsgespräch stattfinden und nach dem "Vier-Augen-Prinzip" ein zweiter Arzt hinzugezogen werden. Schließlich soll der Patient beim Suizid selbst handeln müssen.

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Steinmeier verurteilt Aggression im Wahlkampf
In wenigen Tagen wird gewählt. Der Bundespräsident verurteilt Übergriffe und Randale rechter Gruppen. Der Zustand der Gesellschaft macht ihm Sorgen. Die AfD erwähnt er …
Steinmeier verurteilt Aggression im Wahlkampf
Trump-Rede vor der UN: Für seine Verhältnisse sachlich
Donald Trump tritt vor die Vereinten Nationen: Das allein hat Sprengkraft. Seine Rede fällt für Trump-Verhältnisse sachlich aus, auch wenn es ihr nicht an Härte mangelt.
Trump-Rede vor der UN: Für seine Verhältnisse sachlich
Berliner Landgericht nennt Mietpreisbremse verfassungswidrig
Die Mietpreisbremse soll, was der Name sagt: den Anstieg von Mieten begrenzen. Das Berliner Landgericht hält das Instrument für verfassungswidrig. Ändern wird sich aber …
Berliner Landgericht nennt Mietpreisbremse verfassungswidrig
Wer im Rennen um Ministerposten schon jetzt die Nase vorn hat
Spitzenpolitiker stellen sich auf drei mögliche Regierungskoalitionen ein: Schwarz-rot, schwarz-gelb oder schwarz-grün. Wer könnte sich schon bald auf einem …
Wer im Rennen um Ministerposten schon jetzt die Nase vorn hat

Kommentare