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Umstrittener Gast: Der thüringische AfD-Fraktionschef Björn Höcke ist nächste Woche in München. Auf Demos spricht er auch mal vom linken „Lumpenpack“. 

AfD und Alfa

In der Nische wird es eng

München - Provokante Veranstaltungen, Demos gegen die Asylpolitik: Nach ihrer Führungskrise ringt die AfD Bayern um Aufmerksamkeit. Derweil steht die Konkurrenz von der Alfa-Partei im Freistaat in den Startlöchern.

Wenn ein Wirt eine Veranstaltung ablehnt, bei der er mehrere Dutzend Gäste verpflegen könnte, kann das zwei Gründe haben: Er hat keinen Platz, oder er hat Angst um seinen guten Ruf. Die rechtskonservative AfD hatte in München gerade so ihre Probleme, ein Wirtshaus zu finden – allerdings nicht aus Platzmangel. Das Problem war vielmehr der Gast, der sprechen sollte.

Für kommenden Donnerstag haben mehrere oberbayerische Kreisverbände den AfD-Fraktionschef im thüringischen Landtag, Björn Höcke, eingeladen. Der steht wegen seiner Sorglosigkeit gegenüber der NPD in der Kritik. Nicht jeder dort sei Extremist, schwadroniert er. In einer E-Mail warb er dafür, Volksverhetzung nicht mehr zu bestrafen. Ein Parteiausschlussverfahren verlief nach der Machtübernahme der Nationalkonservativen in der AfD indes im Sande.

Höcke lässt sich in seinem Kurs nicht beirren. In Erfurt organisiert er derzeit Demonstrationen gegen die Asylpolitik der Bunderegierung. „Volksverräter“ und „Lügenpresse“ skandiert die Masse dort. Linke Gegendemonstranten beschimpft Höcke lauthals als „Lumpenpack“, das sich wieder in seine „Löcher“ verkriechen solle. Im Übrigen dürfe von Integration von Zuwanderern keine Rede sein. Sie hätten sich zu „assimilieren“.

Der 43 Jahre alte Thüringer war schon im Mai zu Gast in Oberbayern. Nun ist er also wieder da. In einem Pasinger Wirtshaus ist die AfD doch noch untergekommen. Co-Redner ist der neu gewählte Landesvorsitzende Petr Bystron. Berührungsängste gegenüber dem Parteifreund hat er nicht. Höcke agiere eben „entsprechend den Verhältnissen in seinem Bundesland“. Auch die CDU in Ostdeutschland sehe die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerst kritisch.

Noch bis vor Kurzem glich die bayerische AfD einer Rumpftruppe. Der Vorstand war quasi vollständig zur neu gegründeten Alfa-Partei übergelaufen. Vor zwei Wochen wurde die neue Führung gewählt – und will nun angreifen. Von einer „Herbstoffensive“ spricht Bystron. Heute hat er zur Asyl-Demo in Freilassing geladen. Demnächst wird in Passau und Nürnberg protestiert. Die Flüchtlingskrise will die Partei für sich nutzen – vor allem im Grenzland Bayern, wo die Menschen den Andrang besonders stark zu spüren bekommen. Bei bis zu neun Prozent sehen Meinungsforscher die Partei zur Zeit in Bayern. Es gebe ein Potenzial von bis zu 25 Prozent, sagt Bystron. „Da wollen wir hin.“

Im Bund liegt die AfD bei sechs Prozent. Parteichefin Frauke Petry hatte indes jüngst anders Aufmerksamkeit erregt: mit der Trennung von ihrem Ehemann, mit dem sie vier Kinder hat. Sie ist nun mit dem Parteifreund und Europaabgeordneten Marcus Pretzell liiert, der die AfD jüngst freimütig als „Pegida-Partei“ bezeichnete. Die Trennung nehmen ihr viele Mitstreiter übel. Immerhin sollen Ehe und Familie wieder zentrale Wahlkampfthemen werden. Petrys Ehemann geht politisch eigene Wege. Er trat kürzlich der von der AfD so verachteten CDU bei.

Luxusprobleme – aus Sicht der Alfa-Partei. Nach dem Zerwürfnis mit Petry hatte der Ex-AfD-Chef Bernd Lucke sie aus der Taufe gehoben. Seitdem ist öffentlich nicht viel passiert. Aufbauarbeit, heißt es. 10 von 16 Landesverbänden sind gegründet. Für kommende Woche hat die Partei Mittelständler eingeladen, um 100 Tage Alfa zu feiern – nach Brüssel.

Hierzulande liegt die Partei noch unter der Wahrnehmungsschwelle der meisten Bürger. In Bayern soll sich das jetzt ändern. Diesen Sonntag gründet sich der bayerische Landesverband in Ingolstadt. Geladen sind die bisherigen 350 Mitglieder. Zur Vorsitzenden soll die Münchnerin Brigitte Stöhr gewählt werden.

Wo die Nische für Alfa-sein soll? Stöhr sieht sie als „Partei der bürgerlichen Mitte“. Ein bisschen Mittelstand, ein bisschen Familie, natürlich auch Asyl-Politik. Weniger aggressiv als die AfD, aber zupackender als die CSU – so stellt sie sich das vor. Ein genaues Profil? Folgt. Irgendwann nach dem Parteitag.

Til Huber

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