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Protest mit Deutschland-Fahne: AfD-Anhänger betonen ihre patriotische Gesinnung.

Ein Blick hinter die Kulissen

AfD in Bayern: Eine zweifelhafte Alternative

München – Acht Prozent in den Umfragen – und kein bekanntes Gesicht: Bayerns AfD lebt vom Frust über die Flüchtlingspolitik. Doch wer hinter die Kulissen blickt, stößt auf Führungspersonal mit heiklen Vorgeschichten.

Die Unterhaltung lässt tief blicken in die Umgangsformen innerhalb der AfD. An einem Abend im April 2015 gerät Florian Jäger, damals Kreischef in Dachau-Fürstenfeldbruck, auf Facebook mit einem Parteifreund aneinander. „Arschkriecher“, tippt er. Seine Religionszugehörigkeit spricht er dem konvertierten Juden ab: „Papierjude“, schreibt er. Wahre Juden würden ihm „nicht mal ins Gesicht pissen“.

Deftige Worte. Bei Jäger kein Einzelfall. Immer wieder wird von übelsten Beschimpfungen der Parteifreunde berichtet. Es ist die Zeit vor dem Knall in der Partei. Kurz darauf übernehmen Rechtskonservative und Rechtspopulisten. Die Liberaleren verlassen die AfD – auch in Bayern. Sie folgen Ex-Chef Bernd Lucke in dessen neue „Alfa“-Partei. Es ist auch ein Triumph für Florian Jäger. Er steigt auf zum oberbayerischen AfD-Bezirksvorsitzenden.

Florian wer? Vergangene Woche zuckte Ministerpräsident Horst Seehofer nach der Sitzung des CSU-Vorstands mit den Schultern: „Ich kenne keinen Namen der AfD in Bayern“. Die Partei werde nur als Bewegung gewählt.

So dürfte es vielen Bayern gehen. In vielen Landesverbänden ist die Partei namenlos. Die Umfrageergebnisse sind aber oft zweistellig. Wäre in Bayern Wahl, die AfD säße wohl mit mindestens 15 Abgeordneten im Landtag. Acht Prozent bescheinigte der BR-Bayerntrend der Partei jüngst. Wer also ist die AfD Bayern? Und wofür steht sie? Der Landesvorsitzende Petr Bystron behauptet, die Partei sei noch immer liberal-konservativ. „Wir decken das ab, was die CDU noch unter Helmut Kohl abgedeckt hat.“ Natürlich ist nicht jedes der 3000 Mitglieder Rechtspopulist. Viel spricht aber dafür, dass auch die bayerische AfD weiter nach rechts gerückt ist.

Schon vor der Bundestagswahl 2013 waren mehrere Mitglieder aus der Partei „Die Freiheit“ von Islamhasser Michael Stürzenberger übergelaufen. Bei der „Freiheit“ ging nichts voran, die AfD legte zu. „Die haben das gerochen wie Bluthunde“, sagt der frühere AfD-Landesvorsitzende Andre Wächter. Manche gewannen an Einfluss.

Einer von ihnen ist Florian Jäger. Der „Freiheit“ sei er damals wegen deren Kritik an der Euro-Rettungspolitik und Ideen zur direkten Demokratie beigetreten, sagt er. Nicht wegen Stürzenbergers Anti-Islam-Kurs. Mitglied sei er nur ein halbes Jahr gewesen. Allerdings pflegt Jäger den Kontakt zum AfD-Rechtsaußen Björn Höcke. Im vergangenen Jahr lud er ihn zu einer Diskussionsveranstaltung seines Kreisverbands ein. Das Auftreten des Thüringers verteidigt er: „Ich habe keine Veranlassung, ihn für einen Rassisten zu halten.“ Einladen würde er ihn jederzeit wieder.

Mancher Funktionär überschreitet die Grenze zum rechten Rand. Beim Bundesparteitag wurde ein Antrag eingebracht. Darin definieren Mitglieder präzise, wer als Deutscher gelten darf. Deutsch sei nur, wer „seine Abstammung von einem Vorfahren, der vor dem 1. Januar 1914 im europaischen Gebietsstand des Deutschen Reiches (...) geboren ist, durch lückenlose (...) Abstammungsnachweise nachgewiesen hat“. Der Antrag wurde abgelehnt. Unterzeichnet hat ihn allerdings Thomas Fügner, der im vergangenen Jahr in den Landesvorstand gewählt wurde.

Auch in Jägers Oberbayern-Vorstand sitzt ein Mitglied mit zweifelhafter Vorgeschichte: Benjamin Nolte, Spitzname „Bananen-Nolte“, hatte auf einem Treffen studentischer Burschenschaften die Teilnahme eines schwarzen Studenten am offiziellen Programm mitverhindert. Einem der Bekannten des jungen Mannes drückte er eine Banane in die Hand. Wegen des rassistischen Ausfalls und seiner Mitgliedschaft in der rechtslastigen Verbindung „Danubia“ musste er 2014 als Bundes-Vize der Jungen Alternative, der AfD-Jugendorganisation, zurücktreten. Die Geschichte sei lang her, sagt Jäger. Er betont, mit Rassismus habe die Partei nichts am Hut.

Am ganz rechten Rand des Parteienspektrums ist man sich da offenbar nicht so sicher. Schon im Mai 2015 frohlockte die NPD auf Facebook: Der Landesvorstand habe beschlossen, „informelle Kontakte zu AfD-Funktionsträgern – vornehmlich in Oberbayern – zu festigen, um im Zuge eventueller Veränderungsprozesse innerhalb der AfD diese Kontakte zu partiellen Kooperationen auszubauen“. Der AfD-Vorstand – damals noch unter Wächter – distanzierte sich entschieden.

Vergangene Woche stieß der Verfassungsschutz dann auf ein Internet-Video des Weidener NPD-Funktionärs Patrick Schröder. Darin empfiehlt er seinen Parteifreunden, schon jetzt für den Fall eines NPD-Verbots vorzusorgen. „Nehmt Kontakt mit euren AfD-Gruppen auf“, sagt Schröder. Die AfD dürfte darüber nicht glücklich sein.

Til Huber

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