CSU in Sorge

AfD: Ein Gespenst mit zweistelligen Werten

München – Das Forsa-Institut sieht AfD in Bayern bei 10 Prozent. Die CSU streitet nun über den richtigen Umgang mit der Partei.

Es treibt ihn um. Am Dienstagnachmittag kann Horst Seehofer in der Sitzung der CSU-Landtagsfraktion nicht mehr an sich halten. Es sei Angela Merkel gewesen, die die AfD so stark gemacht habe, lässt Seehofer wissen. „Falsche Politik“ betreibe die CDU. Und für die Union könne das noch zum Problem werden, mahnt der CSU-Vorsitzende düster.

Eine neue Forsa-Umfrage dürfte Seehofers Befürchtungen nicht kleiner werden lassen. Bei Bayerns Wählern käme die AfD demnach bei der nächsten Bundestagswahl auf zehn Prozent. In Ostdeutschland sind es der Umfrage zufolge sogar 16 Prozent. Die rechtspopulistische Partei profitiert von der weiter angespannten Flüchtlingssituation – das ist zumindest die weit verbreitete Deutung des Umfragehochs.

Ursula Münch, Direktorin der Politischen Akademie Tutzing, sieht solche einfachen Erklärungen skeptisch. Sie kritisiert die Rhetorik mancher etablierter Politiker. „Je länger so getan wird, als würden wir die Flüchtlingssituation nicht in den Griff bekommen und als ginge das zu Lasten der einheimischen Bevölkerung, desto mehr profitiert die AfD“, sagt Münch. „Und das ist für alle etablierten Parteien in Bayern ein Problem – nicht nur für die CSU.“

Gerade bei den Christsozialen knirscht es längst gewaltig. Für Ärger sorgt auch ein Fernsehauftritt der eher nachrangigen CSU-Splittergruppe „Konservativer Aufbruch“. Ihr Sprecher David Bendels wollte eine Koalition mit der AfD nicht ausschließen, sprach von einem „Mitbewerber“. CSU-Politiker reagieren darauf verärgert. Der Bundestagsabgeordnete Tobias Zech etwa lehnt jede Koalition mit der AfD ab. Er wirft Bendels vor, aus Frust darüber, bei Ämter- und Mandatsvergaben leer ausgegangen zu sein, die CSU zu schädigen.

Politikwissenschaftlerin Münch betont unterdessen, neue Umfragewerte seien immer mit Vorsicht zu genießen. „Gerade Forsa hat nicht den allerbesten Ruf“, sagt Münch – und spielt damit auf die häufig extremen Ausschläge in Forsa-Umfragen an. Gefragt wurde in der aktuellen Erhebung nach der Wahlentscheidung, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, die Meinungsforscher haben 2506 Menschen interviewt. Die Union käme demnach bundesweit auf 38 Prozent, die SPD auf 24 Prozent. Die AfD würde mit bundesweit acht Prozent erstmals in den Bundestag einziehen. Die Grünen erhielten 10, die Linken 9 und die FDP 4 Prozent.

Schon einmal hat Forsa den erstmaligen Einzug einer Partei ins Parlament vorausgesagt. Im Mai 2012 attestierte sie der Piratenpartei 13 Prozent. Es ist dann doch anders gekommen.  

Anm. der Redaktion: Klargestellt wird, dass es sich bei der Forsa-Umfrage aus dem Mai 2012 nicht um eine Wahlprognose zur Bundestagswahl handelte, die bekanntlich erst im September 2013 stattfand. Bei der angesprochenen Umfrage handelte es sich um die sog. Forsa-Sonntagsfrage, bei der der Piratenpartei zum damaligen Zeitpunkt 13 Prozent Zustimmung bescheinigt wurden. 

mh/mik/cd

Rubriklistenbild: © dpa

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