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AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry und ihr Mann Marcus Pretzell, der Vorsitzende der NRW-AfD.

Michael Klonovsky

AfD-Berater rechnet mit Frauke Petry und Marcus Pretzell ab

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München - Kurz vor dem AfD-Parteitag: Der frühere Petry-Berater Michael Klonovsky veröffentlicht eine heftige Abrechnung mit Frauke Petry und ihrem Mann Marcus Pretzell.

Update vom 18. Juli 2017: Wie kam es zum rasanten Aufstieg von Frauke Petry innerhalb der AfD? In unserem Info-Text erfahren Sie es. 

Vor nicht mal einem Jahr hing der frühere Focus-Feuilleton-Redakteur Michael Klonovsky seinen Journalisten-Job an den Nagel und machte sich auf, das Bild der AfD in der Öffentlichkeit aufzubessern. Seit 1. Juni 2016 war der Münchner als (nach eigenem Bekunden parteiloser) publizistischer Berater für die AfD-Vorstandssprecherin Frauke Petry tätig. Seine Tätigkeit beschrieb er im Interview mit der taz folgendermaßen: „Ich stelle ihr und der AfD gewissermaßen meinen Kopf zur Verfügung. Im angelsächsischen Raum gibt es für das, was ich tun soll, die Bezeichnung Spin Doctor.“ Zudem versicherte Klonovsky dem Blatt: „Eine gewisse Restritterlichkeit mag bei meiner Entscheidung eine Rolle gespielt haben angesichts der Maßlosigkeit der Angriffe, denen sich Frau Petry ausgesetzt sieht.“ 

Wer nun die gnadenlose Abrechnung mit besagter Frauke Petry liest, die Klonovsky auf seiner Homepage veröffentlicht hat, mag sich fragen, wo diese „Restritterlichkeit“ geblieben ist. Kurzfassung des Schreibens mit dem Titel „Bonnie und Clyde der AfD“: Petry stehe völlig unter dem verderblichen Einfluss ihres Ehemannes Marcus Pretzell, den Klonovsky als "Blender", "Spaltpilz" und "Hochstapler" beschimpft. Kurz vor dem AfD-Bundesparteitag in Köln fordert der „Spin Doctor“ die Delegierten auf, Petry ihre Unterstützung zu verweigern.

Klonovsky, der noch Mitarbeiter der sächsischen AfD-Landtagsfraktion ist (deren Vorsitzende übrigens Petry ist), räumt ein, sich in der Einschätzung ihrer Person geirrt zu haben:  „Ich habe mich über Monate selbst irregeführt, um das nicht zugeben zu müssen. Frau Petry mag vielleicht die talentierteste Politikerin der AfD sein, aber wem das Schicksal der Partei am Herzen liegt, der darf diese Frau nicht unterstützen.“

Eindringlich fordert Klonovsky die Delegierten für den Parteitag in Köln auf, Petry die Stimme zu verweigern: „Frauke Petry sollte weder die Spitzenkandidatin der AfD für die Bundestagswahl werden noch einem Kandidatengremium angehören, denn auch das würde sie im Nu spalten und zerstören.“

In diesem Sinne berichtet Klonovsky von einem Treffen des AfD-Paares mit konservativen Intellektuellen, das im vergangenen August der Berliner Wohnung einer ehemaligen Bundestagsabgeordneten stattgefunden habe. Es habe nicht lange gedauert, dann hätten Petry und Pretzell alle Anwesenden gegen sich aufgebracht: „Nach zwei Stunden hatte unser fideles Duo die Sympathien in Befremden und auch Fassungslosigkeit verwandelt. Die beiden redeten nur über parteiinterne Konflikte und Konkurrenten, die aus dem Weg geräumt werden müssten. Die andere Seite wollte über politische Inhalte und Strategien sprechen.“

AfD-Berater Klonovsky:  Petry „nichts als eine willenlose Marionette“

Als Hauptschuldigen an all diesen Problemen sieht Klonovsky Petrys Ehemann Marcus Pretzell: „Pretzell ist eine Hochstaplerfigur, ein unseriöser Mensch mit krankhaftem Drang zur Intrige und zum Schüren von Konflikten, ein Hasardeur, der Verträge für unverbindlich und Versprechen für elastische Floskeln hält.“

Petry, die von Pretzell ein Kind erwartet, sei für ihren Mann nichts als eine willenlose Marionette, um in der AfD die Strippen zu ziehen, behauptet Klonovsky: „Dieser Mann träumt davon, mit Petry als Werkzeug und einer Art weiblichem Golem die Partei zu erobern, alle Konkurrenten zu marginalisieren oder hinauszudrängen und dann politisch das große Rad zu drehen. Die Parteivorsitzende ist ihm auf tragische Weise ergeben und wird von ihm gesteuert. Das ist faszinierendes Schmierenkino – aber politisch ist es ein Desaster.“

Wer nicht weiß, was ein Golem ist: In der jüdischen Sagenwelt handelt es sich dabei um einen künstlichen Menschen, der aus Lehm geformt wird, ein stummer Diener ist und keinen eigenen Willen hat. So ganz kann Klonovsky seine Herkunft als Feuilletonist doch nicht verbergen. Im Sinne seines Golem-Vergleiches charakterisiert er die AfD-Vorstandssprecherin so: „ Nach meiner Erfahrung setzt Frau Petry politisch kaum einen Fuß vor den anderen, ohne sich mit Pretzell abzustimmen bzw. sich von ihm die Richtung weisen zu lassen. Nach meiner Einschätzung ist die AfD aus der Warte von P&P primär keine politische Partei, sondern ein Verein, der sich aus Gefolgsleuten sowie noch nicht kaltgestellten Feinden zusammensetzt.“

Und dann geht es noch eine Niveau-Stufe tiefer: “Das Problem ist, dass Frauke Petry den Filou, dessen Kind sie unter ihrem Herzen trägt, für ein politisches Genie hält, das sich allenfalls mit der Bismarckschen Elle messen lässt. Ihr eine Idee Pretzells auszureden ist ungefähr so sinnvoll, als hätte man Erich Honecker von den Vorzügen der Marktwirtschaft überzeugen wollen. Eros ist unbeherrschbar und schlägt die Menschen mit der süßesten aller Blindheiten. Ich vermag die persönliche Tragik dieser Konstellation nachzuempfinden. Doch so sehr ich als Literat für solch liebevolle Verblendung empfänglich bin, so rigoros muss ich sie als politischer Berater ablehnen.“ 

AfD-Berater Klonovsky: Pretzell so wenig bürgerlich wie Björn Höcke

Pretzell sei so wenig bürgerlich wie Björn Höcke, "er ist eine Belastung", schreibt Klonovsky; mit ihm gehe es politisch nicht voran, stets stünden interne Konflikte im Fokus und die Einordnung von Parteimitgliedern mit dem Etikett "Freund" oder "Feind".

Am letzten Aprilwochenende trifft sich die AfD in Köln zu ihrem Bundesparteitag. Nach Klonovskys Ansicht steht die Partei vor einer schweren Aufgabe, da "die verhetztesten Teile der sogenannten Zivilgesellschaft" der AfD "ihr gutes Recht auf Versammlungsfreiheit nehmen wollen". Entschiede sich die Partei in der Situation für eine "von Pretzell gesteuerte" Petry als Spitzenkandidatin, wäre sie "verraten und verkauft". Er hoffe, dass sich "die bürgerlichen Kräfte in Köln durchsetzen". Womit er offensichtlich die Gegner Pretzells und Petrys meint. Dann fange die Karriere der AfD erst richtig an.

Klonovsky schreibt außerdem, er habe Klage beim Amtsgericht München eingereicht, für die Zeit von Juli bis Dezember 2016 fordere er insgesamt 24.000 Euro von der AfD. Pretzell hatte bestritten, dass es einen Arbeitsvertrag mit Klonovsky gab, und behauptet, dessen Arbeit hätte im Rahmen seiner Abgeordnetentätigkeit stattfinden sollen.

Wie könnte die AfD bei der Bundestagswahl 2017 abschneiden? Hier finden Sie aktuelle Umfragen und Prognosen.

fro

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