AfD-Politiker Markus Wagner (re.) bei einer Pressekonferenz mit Parteifreund Björn Höcke.
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Der AfD-Politiker Markus Wagner (re.) bei einer Pressekonferenz mit Parteifreund Björn Höcke.

„Arbeitet im Familienbetrieb mit“

Corona-Eklat: AfD-Politiker lässt 16-jährigen Sohn impfen - auch Schwiegermutter kam an die Reihe

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Eine Corona-Impfung ist in Deutschland ein heiß begehrtes Gut. Ein AfD-Politiker hat nicht nur sich, sondern auch Ehefrau, Schwiegermutter und Sohn eine Impfung verschafft.

Düsseldorf - Selbst wenn die Lage in anderen Teilen der Welt noch wesentlich düsterer ist: Die Wartezeiten für eine Corona-Impfung sind in Deutschland für große Teile der Bevölkerung unabsehbar lang. Gerade deshalb sind Vordrängler im Impf-Ablauf ein brisantes Thema. Vorwürfen sieht sich nun auch ein prominenter AfD-Landtagsabgeordneter aus Nordrhein-Westfalen ausgesetzt.

Er soll unter anderem seinem 16 Jahre alten Sohn eine Impfung verschafft haben - der Sprössling fällt als Nachwuchsfußballer des FC Bayern München wohl eher nicht in die klassischen Risikogruppen.

Corona in Deutschland: Impf-Eklat um AfD-Fraktionschef in NRW

In der Kritik steht der AfD-Fraktionsvorsitzende Markus Wagner. Nach Recherchen des WDR-Magazins „Westpol“ hat Wagner neben seiner Ehefrau auch seine 81 Jahre alte Schwiegermutter und seinen Sohn impfen lassen. Wagner bestätigte diesen Vorgang dem Bericht zufolge.

Allerdings rechtfertigte der AfD-Politiker den Vorgang - unter Verweis auf die Tätigkeit seines Sohnes in dem von ihm geführten „Familienbetrieb“ und ungeachtet der Fußballerkarriere des Teenagers in München.

Sein Sohn arbeite immer wieder in der Einrichtung der Eingliederungshilfe für psychisch Kranke im Kreis Minden-Lübbecke mit, teilte Wagner demnach mit. „Er hat mit den Bewohnern Spiele gespielt und gebastelt“ oder auch „den Hausmeister unterstützt oder Bewohner mit dem Therapiehund begleitet“, zitierte der WDR den AfD-Politiker. Wagner betonte demnach zudem, er habe als „Vorbild“ handeln und die Impfquote erhöhen wollen. Kein Mitarbeiter oder Bewohner habe für seinen Sohn auf das Vakzin verzichten müssen.

Impf-Skandal in NRW? AfD-Politiker lässt auch 16-jährigen Sohn impfen - FDP-Abgeordneter zog bereits Konsequenzen

Bereits vor gut einer Woche hatte der Sender berichtet, dass Wagner und seine Frau geimpft worden seien. Der Politiker argumentierte auch damals mit der Tätigkeit als Einrichtungsleiter. Auch seine Gattin habe als Prokuristin Kontakt zu Mitarbeitern und Bewohnern. Unterdessen scheint auch die Impfung der 81-jährigen Schwiegermutter zumindest nicht unproblematisch: Menschen über 80, die nicht in Pflegeeinrichtungen leben, müssen sich in NRW eigentlich selbst einen Impftermin organisieren - ein bisweilen problematisches Unterfangen.

Im ersten Bericht war mit dem Landtagsabgeordneten Ralph Bombis auch ein FDP-Politiker in die Kritik geraten. Bombis ist Geschäftsführer mehrerer Senioren- und Pflegeheime. Der Liberale hat laut WDR bereits Konsequenzen gezogen - er trat von allen Parteiämtern zurück.

Impfungen für Politiker sorgten zuletzt immer wieder für Aufsehen. So zuletzt auch in Bad Tölz - Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) rechtfertigte sich ausführlich für seinen Impf-Termin. (fn)

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