+
Nun machte die AfD vor dem Parteitag doch noch einen Rückzieher. 

Rückzieher vor Parteitag

Intimleben und rassische Herkunft: AfD war Journalisten zu neugierig

Die AfD wollte die Erlaubnis von Journalisten erhalten, alle möglichen Informationen über ihr Privatleben abzuspeichern. Nun macht die Partei einen Rückzieher. 

Berlin - Die AfD hat nach massiver Kritik das Akkreditierungsverfahren für Journalisten zu ihrem Bundesparteitag im Dezember geändert. Zuvor hatten Rechtsexperten der Partei verfassungswidriges Verhalten vorgeworfen, weil sie weitreichende Befugnisse zur Datenerhebung von Medienvertretern verlangt hatte. 

Am Wochenende wurde das beanstandete Online-Formular daraufhin gelöscht und durch ein anderes ersetzt. AfD-Sprecher Christian Lüth erklärte zu der Korrektur im Internetdienst Twitter: "Testversion gelöscht. Ab sofort können Journalisten die offizielle Anmelde-Maske auf unserer Website nutzen." 

In den neuen Formular müssen Journalisten wie üblich nur noch Angaben zu ihrem Namen, ihrer Mail-Adresse, ihrem Presseausweis und zu dem Medium machen, für das sie arbeiten, sowie zur Funktion, die sie dort ausüben. Zuvor war von den Journalisten eine Einverständniserklärung gefordert worden, in der es unter Verweis auf das Bundesdatenschutzgesetz hieß: "Ich bin mit der Erhebung, Speicherung und Nutzung der vorstehenden personenbezogenen Daten sowie der besonderen Daten einverstanden." 

Partei wollte Daten über Sexualleben und Herkunft der Reporter speichern

Zu den "besonderen Daten" zählen dem Gesetz zufolge unter anderem Angaben über die rassische und ethnische Herkunft, politische und religiöse Überzeugungen oder auch das Sexualleben. Konkret abgefragt wurden solche Daten zwar offensichtlich auch bislang von der AfD nicht. Laut einem Bericht von "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" sollte die Einverständniserklärung aber generell und nicht nur für den konkreten Anlass gelten. 

Deutscher Journalistenverband kritisierte: Vorgehen der AfD ist verfassungswidrig

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hatte das Vorgehen als "eine unzulässige Einmischung in die Privatangelegenheiten von Journalisten" kritisiert. "Das Vorgehen der AfD ist verfassungswidrig", sagte auch der Rektor der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, der Staatsrechtler Joachim Wieland, dem Düsseldorfer "Handelsblatt" vom Samstag. 

Wieland argumentierte, die Partei verstoße gegen das Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes, "wenn sie den Zugang zur Berichterstattung über ihren Bundesparteitag von der Bereitschaft von Journalisten abhängig macht, Daten über ihre rassische und ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse oder philosophische Überzeugen, ihre Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft, ihre Gesundheit oder ihr Sexualleben speichern zu lassen". Dies bedeute zugleich eine Einschränkung der Medienfreiheit.

AFP

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Miri-Debatte im Bundestag: Als Linken-Politiker loslegt, muss sogar Seehofer lachen
Nach der Wiedereinreise des Bremer Clan-Chefs Ibrahim Miri wurde eine aktuelle Stunde im Bundestag einberufen. Die Debatte sorgte für Belustigung - auch beim …
Miri-Debatte im Bundestag: Als Linken-Politiker loslegt, muss sogar Seehofer lachen
Impeachment-Ermittlungen: Erster Zeuge belastet Trump schwer
Was wollte Donald Trump wirklich von der Ukraine? Der Zeuge William Taylor berichtet, Trump sei es vor allem um Ermittlungen gegen seinen Rivalen Joe Biden gegangen.
Impeachment-Ermittlungen: Erster Zeuge belastet Trump schwer
Trump empfängt Erdogan trotz Streits betont freundlich
Das Verhältnis zwischen den USA und der Türkei ist angespannt. Doch US-Präsident Trump begrüßt seinen türkischen Kollegen Erdogan betont herzlich im Weißen Haus. Die …
Trump empfängt Erdogan trotz Streits betont freundlich
AfD-Politiker Brandner historisch abgewählt: Weidel und Gauland voller Wut
Mehrfach hat der AfD-Abgeordnete Brandner mit Twitter-Bemerkungen für Ärger gesorgt. Nun zieht der Bundestags-Rechtsausschuss Konsequenzen. Brandner muss gehen.
AfD-Politiker Brandner historisch abgewählt: Weidel und Gauland voller Wut

Kommentare