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Wo steht Petr Bystron politisch? Moderate in der AfD rätseln.

Liegen bei ihm die Nerven blank?

AfD-Landeschef Bystron unter Druck - „Hast du mich Parasit genannt?“

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AfD-Landeschef Petr Bystron droht die Demontage: Parteifreunde wollen ihm beim Parteitag kommende Woche den sicheren Listenplatz für die Bundestagswahl entziehen. Bystron reagiert gereizt auf die Kritik.

München – Am Mittwoch platzte Petr Bystron der Kragen. „Meiner Meinung nach wäre es das Beste für die Partei, wenn uns einige Parasiten verlassen würden“, schrieb der AfD-Landeschef um 8.48 Uhr in einer internen Chatgruppe bayerischer Parteifunktionäre. Einigen gehe es nur um das Schüren interner Streitigkeiten. „Wer sich mit diesen Personen gemein macht, schädigt die Partei.“ Namentlich nennt er Vize-Landeschef Ralf Steinmeier, Schwabens Interims-Bezirkschef Wolfgang von Krauss und den Würzburger Direktkandidaten Thomas Thiel. 

Den Streit hat Bystron damit offenbar selbst angeheizt. Thiels Antwort eine Minute später: „Hast Du mich grad als Parasit bezeichnet?“ Intern gibt es Ärger. Mit Beleidigungen versuche Bystron interne Kritiker abzubügeln, meint ein Funktionär. Der „Parasiten“-Vorwurf erinnere an die Wortwahl des NS-Propagandisten Joseph Goebbels. 

Bystron wird vom Verfassungsschutz beobachtet

Liegen beim Landeschef die Nerven blank? Bei der Fortsetzung der Aufstellungsversammlung für die Bundestagswahl nächstes Wochenende in Greding dürfte sich seine politische Zukunft entscheiden. Vor einigen Wochen hatten ihn die Mitglieder nur auf Platz vier der Landesliste für den Bundestag gewählt – schon das galt als Brüskierung. Nun könnte es noch schlimmer kommen. In einem Antrag fordern zwölf Funktionäre, die Versammlung solle entscheiden, ob die Wahl für Platz vier wiederholt wird. Zudem solle man abstimmen, ob die Wahl ab Platz vier neu gestartet werden soll. Der Grund: Bystron wird seit Kurzem vom Verfassungsschutz beobachtet. Er hatte die ebenfalls beobachtete rechtsextreme Identitäre Bewegung als „tolle Organisation, eine Vorfeldorganisation der AfD“ bezeichnet, ihre Aktivisten „prima Jungs“ genannt und eine „Schutzschild-Strategie“ für sie gefordert. 

Bystron räumt ein, „in einen Fettnapf“ getreten zu sein

Im Landesverband macht man sich Sorgen. Die Partei gerate „durch diese neue Entwicklung rund um ihren Landesvorsitzenden in die bedrohliche Situation, selbst vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden“, heißt es in dem Antrag. Das dürfte nicht nur die Wahlchancen schmälern, sondern hätte auch ganz unmittelbare Folgen für Mitglieder. Angestellten im Öffentlichen Dienst drohte im äußersten Fall die Kündigung. Bystron hat sich offenbar für Vorwärtsverteidigung entschieden. Er räumt ein, „in einen Fettnapf“ getreten zu sein. Seine Beobachtung sei aber politisch motiviert. Innenminister Joachim Herrmann und die CSU übten Druck auf den Verfassungsschutz aus, um die AfD kleinzuhalten. Er will sich juristisch wehren. Die AfD ist im Dilemma: Manche Funktionäre wollen kein Risiko eingehen. Andere verteidigen Bystron, warnen vor dem „Einknicken“. 

Parteijuristen prüfen die Lage

Der Vorstand lässt die Lage derzeit von Parteijuristen aus anderen Landesverbänden prüfen. Ob die Expertise noch vor dem kommenden Wochenende vorliegt, ist unklar. Das Meinungsbild im Vorstand gilt als gespalten. Alle drei Stellvertreter unterstützten den Antrag, heißt es in der Partei. Öffentlich wollen sich die Spitzenfunktionäre aber nicht äußern. Vor allem die Parteirechten, die dem Thüringer AfD-Rechtsausleger Björn Höcke nahestehen, halten aber offenbar zu Bystron. 

Wo der Landeschef selbst politisch steht, ist inzwischen völlig unklar. Bis vor wenigen Wochen unterstützte er noch AfD-Bundeschefin Frauke Petry beim Versuch, Höcke aus der Partei auszuschließen. Doch nicht nur sein Lob für die Identitäre Bewegung lässt die Moderaten im Landesverband an seiner Haltung zweifeln. Auch mit Höcke hat er offenbar kein Problem mehr. Kürzlich überraschte er beim Landesparteitag der AfD-Brandenburg mit Lob für den Thüringer. Der wäre nach Meinung Bystrons „ein exzellenter Integrationsminister“

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